© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 1994-96


Soldatischen Tugenden verpflichtet
250 Jahre Yorcksche Jäger-Tradition wird von Bundeswehr-Fallschirmjägerbataillon 252 gepflegt

Nagold - Am 15. Juni jährte sich zum 250. Mal der Tag der Aufstellung des Jägerbataillons Graf Yorck von Wartenburg (Ostpreußisches) Nr. 1, das von 1890 bis 1945 in Ortelsburg in Garnison lag. Friedrich der Große hatte durch Kabinettsorder vom 15. Juni 1744 die Aufstellung eines Korps „Jäger zu Fuß“ von 300 Mann angeordnet; die Stammtruppe des späteren Yorck-Jäger-Bataillons.

Als 1806 das preußische Heer unter den Schlägen Napoleons zusammenbrach, war es unter anderem das Feldjäger-Regiment, das nicht in den Strudel der Auflösung mit hineingerissen wurde, sondern unter seinem Kommandeur Oberst Yorck die preußische Soldatenehre erbittert verteidigte. Nach der Reorganisation des preußischen Heeres entstanden im Jahre 1808 u. a. das Ostpreußische Jäger-Bataillon, das bei fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen Preußens bzw. Deutschlands eingesetzt war und sich aufs höchste bewährte. Entsprechend hoch war der Blutzoll, den die Jäger ihrem Vaterland zahlten.

Seit dem 27. Januar 1889 trug das Ostpreußische Jäger-Bataillon Nr. 1 den Namen Jäger-Bataillon Graf Yorck von Wartenburg (Ostpreußisches) Nr. 1 und führte die am 7. September 1901 von Kaiser Wilhelm II. verliehene gestickte grüne Jägerfahne. Im Bataillon dienten sehr viele ostpreußische Forstbeamte und Waidmänner. Von den opfervollen Einsätzen des Ersten Weltkriegs soll hier nur beispielhaft an das Gefecht bei Orlau-Lahna am 23. August 1914 erinnert werden, in dem das Bataillon 17 Offiziere, darunter den Kommandeur und 254 Oberjäger und Jäger verlor.

Auch im Zweiten Weltkrieg, in dem das Bataillon im Rahmen der 11. ostpreußischen Infanteriedivision kämpfte, knüpften die Ortelsburger Jäger bei den Feldzügen in Polen, Frankreich und Rußland an die Leistungen und den Opfermut ihrer Vorgänger an. Das Bataillon verlor an Gefallenen 41 Offiziere und 1078 Oberjäger und Jäger.

Nach dem Krieg sammelten sich die Überlebenden in der Yorckjägerkameradschaft und es war ein überaus glücklicher Umstand, daß am 17. November 1967 ein so hervorragender Verband wie das Fallschirmjägerbataillon 252 der Bundeswehr in Nagold die Tradition des Jäger-Bataillons Graf York von Wartenburg (Ostpreußisches) Nr. 1 übernahm. Seitdem nehmen die Yorckjäger an den geselligen Veranstaltungen des Bataillons teil und führen die Fallschirmjäger ein Yorckjäger-Schießen um den Wanderpreis der Kameradschaft Yorckscher Jäger durch. Im Kasernenbereich stößt man auf Schritt und Tritt auf diese Tradition. So zeigt das Bataillonswappen neben dem Fallschirm die ostpreußische Elchschaufel und in der Kaserne gibt es u. a. eine Ostpreußenstraße, Straße der Yorckschen Jäger, Bürgermeister Mey-Platz, ein Yorck-Jäger-Heim, einen Traditionsraum usw. Entsprechend würdig beging das Bataillon den 250. Jahrestag der Aufstellung der „Ortelsburger Jäger“, wie das Bataillon im Volksmund nach seiner Garnisonsstadt auch genannt wurde.

Es war daher selbstverständlich, daß neben den Veteranen und vielen anderen Gästen auch eine Abordnung der Kreisgemeinschaft Ortelsburg zu den militärischen Feierlichkeiten eingeladen war.

Den Auftakt bildete neben Feldgottesdienst und Totengedenken der Appell mit Ansprachen von Bataillons- und Divisionskommandeur sowie Generalmajor a. D. Ewert, in denen u. a. die Traditionsinhalte soldatischer Tugenden wie Mut, Tapferkeit, Opferbereitschaft und Vaterlandsliebe angesprochen wurden, denen sich die ostpreußischen Soldaten über Jahrhunderte hindurch verpflichtet fühlten. Generalmajor a. D. Ewert knüpfte ein Fahnenband an die Traditionsfahne. Bei dem Empfang am Abend erinnerte der Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Ortelsburg, Oberst a. D. Edelfried Baginski, an das überaus herzliche Verhältnis der Bürgerschaft von Ortelsburg zu ihrem Jäger-Bataillon und an die Bedeutung der Garnison für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der alten ostpreußischen Jägerstadt. Für den Traditionsraum überreichte er ein Tablett mit 6 alten Ortelsburger Biergläsern sowie eine Kopie der Ortelsburger Zeitung vom 26. März 1931 in der die Zusammenführung des Jäger-Bataillons in den neuen Jägerkasernen gefeiert wird.

Der Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons, Oberstleutnant Kaestner, nahm den von der Kreisgemeinschaft gestifteten Wanderpreis für das Yorckjäger-Schießen entgegen. Zu dem Ortelsburger Kreistreffen am 11. September 1994 im Saalbau in Essen lud der Kreisvorsitzende eine Abordnung des Bataillons mit der Jägerfahne ein, um der Verbundenheit der Ortelsburger Bevölkerung mit den ehemaligen und heutigen Soldaten Ausdruck zu verleihen.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten endeten mit einem Tag der offenen Tür in der Kaserne, der mit etwa 23 000 Besuchern ein echtes Volksfest wurde. D. I