© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 1997


Mit der Kraft der Phantasie
Vor 30 Jahren starb der Maler und Graphiker Hans Orlowski

Orlowski, Graphiker, Maler, Illustrator und Lehrer, wußte: ,Kunst entsteht, wenn Schönheit Verstand bekommt.‘" Diese treffenden Worte waren einst einem Mann gewidmet, der vor 30 Jahren, am 3. Mai 1967, in Berlin für immer seine Augen schloß: Hans Orlowski aus dem ostpreußischen Insterburg. In einem Nachruf auf den Künstler war damals zu lesen: "Orlowskis Eigenart und Ruhm beruhen auf dem Holzschnitt, den er sich ganz aus eigenen Kräften erarbeitete. Er suchte in der Kunst die überpersönliche Aufgabe. Freiheit faßte er als Einordnen auf, als Rücksichtnahme und Pflichterfüllung. Orlowski hat nichts Unvollendetes hinterlassen. Er glaubte sich zum Fertigen, zum Endgültigen verpflichtet. So sehr er bis in die letzten Stunden gearbeitet hat und immer wieder Neues zu bringen wußte, sein Werk als Ganzes ist als fertig und endgültig anzusehen ..."

Der künstlerische Nachlaß des Ostpreußen befindet sich heute in Belgien, in dem Land, in dem Orlowski die größte Anerkennung fand. So berief ihn 1953 die Königlich-Flämische Akademie der Wissenschaften, Literatur und Schönen Künste als ordentliches ausländisches Mitglied, und das Belgische Ministerium für Volksbildung und Kultur verlieh ihm 1962 die Ehrenmedaille. Im Freilichtmuseum Bokrijk bei Hasselt, genauer gesagt im dortigen Haus "De witte Engel", ist für den Graphiker und Maler eine Gedenk- und Forschungsstätte errichtet worden. Dort fand auch das großzügige Legat, das die Witwe Orlowskis der Provinz Limburg zur Verfügung stellte, eine würdige Heimstatt: 49 Gemälde, 406 Holzschnitte und sonstige Graphiken, 73 Holzstöcke, Zeichnungen sowie das Briefarchiv und das Atelierinventar des Künstlers.

Hans Orlowski wurde am 1. März 1894 in Insterburg als Sohn eines Schneiders geboren. Bereits 1899 zog die Familie in die Provinzhauptstadt Königsberg, später dann zunächst nach Potsdam und anschließend nach Charlottenburg. 1911 nahm Orlowski sein künstlerisches Studium auf, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnahm. 1922 wurde der Ostpreuße als Lehrer an die Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg berufen und 1931 dort zum Professor ernannt. Von 1945 bis bis zu seiner Emeritierung wirkte Orlowski an der Berliner Hochschule für Bildende Künste, zeitweise als Leiter der Abteilung Angewandte Kunst. 1954 wurde er mit dem Kunstpreis für Graphik der Stadt Berlin ausgezeichnet, 1963 erhielt er den Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen.

Neben dem Holzschnitt, den Orlowski meisterhaft beherrschte – allein über 120 von ihm illustrierte Bücher legen von seinem Können Zeugnis ab –, fühlte der Ostpreuße sich jedoch auch zur Malerei hingezogen. In seinen Gemälden – ob in Öl, Tempera oder Mischtechnik – hat sich der Künstler nie einer gängigen Moderichtung verpflichtet gefühlt. Nachlaßverwalter Fritz Schwarzenberger beschrieb einmal Hans Orlowski als einen bescheidenen, zurückgezogen lebenden Menschen. "Streng war er nur seiner Arbeit gegenüber, die er immer einer selbstkritischen Beurteilung unterwarf." – So vernichtete Orlowski in den zwanziger Jahren mehr als 60 Gemälde, die zwischen 1920 und 1924 entstanden waren. "Er hatte eingesehen, daß die Ekstasen des expressionistischen Geistes auf Dauer seiner auf Maß und Ordnung gerichteten Persönlichkeit nicht entsprachen."

Auch heute üben die Arbeiten Orlowskis eine starke Anziehungskraft auf den Betrachter aus. Schade nur, daß der alltägliche Kunstbetrieb sie nicht zur Kenntnis nimmt. Fritz Schwarzenberger: "Ihren Rang künstlerischer Meisterschaft erhalten die Holzschnitte ... durch die Kraft seiner Phantasie. Die Phantasie schneidet so viel ins Holz hinein, wie es seinem Wesen nach aufzunehmen vermag.

Die Dichte, die den Arbeiten Orlowskis eigen ist, stammt aus dem jeweils optimalen Anteil von Kunst und Handwerk. Sie sind bei ihm nicht zu trennen. Im gestalterischen Prozeß bringt er seine neue, symbolisch überhöhte Wirklichkeit hervor. Das Zufällige verwandelt Orlowski in das bewußt Gestaltete, und die Begegnung mit seinen Holzschnitten bedeutet oft, auch an einer Verwandlung, an einem Enthobensein vom Alltäglichen teilzuhaben." os