© Das Ostpreußenblatt / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 1998


Herztöne der Freundschaft
Vor 350 Jahren starb der Dichter Robert Roberthin 

In der Mitte des 17. Jahrhunderts war Heinrich Albert ein geschätzter Komponist. 1638 bis 1651 gab er im Selbstverlag acht Teile seiner Arien heraus. 1641 veröffentlichte er den Zyklus "Die Musicalische Kürbs-Hütte". Im Vorwort zu dem ersten Teil seiner Arien schrieb der aus Lohenstein im Vogtland stammende Albert erläuternd, die Lieder habe er zur "Andacht und Ergetzung" seiner Freunde geschrieben. "Ich bitte aber", so Albert, "man wolle nicht dafür halten, daß ich mit meinen Melodeyen gedächte große Kunst an den Tag zu geben, sintemal mir hierinn unrecht geschehen würde und halte ich, daß vielleicht ein jeder, der etwas singen kann, leichtlich eine Melodey oder Weise, die nachmals durch Gewohnheit gut scheinen würde, zu wege bringen sollte; Sonders ich hab es gethan umb der Worte willen, die mir nach und nach zu handen gekommen sind und wolgefallen haben, wie ich denn auch meistens theils von guten Freunden darumb bin ersuchet worden. Wunderte Euch etwan dieses, daß ich Geist- und Weltliche Lieder in ein Buch zusammen gesetzet, so gedencket, wie es mit Eurem eigenen Leben beschaffen, die Ihr oft an einem Tage des Morgens andächtig, des Mittags in einem Garten oder lustigen Orte und des Abends bey einer Ehrlichen Gesellschaft, auch wol gar bey der Liebsten frölich seydt …"

Zu den Freunden Alberts gehörten zweifellos auch die Männer, mit denen er sich regelmäßig in seinem Garten am Pregel traf, um in einer von Kürbispflanzen um-rankten Laube neue Gedichte vorzulesen oder deren Vertonungen zu singen. Zu diesen Zusammenkünften kamen der Komponist Johann Stobäus aus Graudenz und die Dichter Simon Dach aus Memel und Robert Roberthin aus Saalfeld, Kreis Mohrungen. Letzterer wird heute als das geistige Haupt des Dichterkreises angesehen, und so sei an dieser Stelle, nicht zuletzt auch aus Anlaß seines 350. Todestages am 7. April, des heute weithin unbekannten Poeten gedacht.

Am 3. März 1600 in Saalfeld als Sohn eines Pfarrers geboren, kam Robert Roberthin 1617 an die Königsberger Universität. Studien in Leipzig und Straßburg folgten. Als der Vater 1620 stirbt, kehrt Roberthin nach Preußen zurück, wo er (und in Kurland) als Hofmeister wirkt. Bald aber (1625) zieht es ihn wieder in die Ferne – er geht auf Reisen. In den Niederlanden, England, Paris und wieder in Straßburg ist er zu finden, verkehrt mit verschiedenen Gelehrten, so unter anderem auch mit dem Schlesier Martin Opitz, einem bewunderten Dichter und Poetiklehrer. Eine dritte Reise führt Roberthin nach Italien, Frankreich und nach Holland, bis er nach Preußen zurückkehrt und dort als Sekretär des Johanniterordens arbeitet. 1636 wird er zum Sekretär beim Hofgericht in Königsberg ernannt, 1645 zum kurfürstlichen Rat.

Am 7. April 1648 stirbt Robert Roberthin in Königsberg. Einer seiner engsten Freunde, Simon Dach aus Memel, dessen Begabung Roberthin früh erkannte und förderte, hat schon Jahre vor seinem Tod wunschgemäß ein Begräbnislied verfaßt, das von Heinrich Albert vertont wurde und später in das evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen wurde: "Ich bin ja, Herr, in Deiner Macht …"

Professor Alfred Kelletat hat in seiner Publikation "Simon Dach und der Königsberger Dichterkreis" (Reclam, 1986) die Bedeutung der Freundschaft zwischen diesen beiden Männern auf ihr Wirken hervorgehoben: "Das eigentliche Leichencarmen ,Bittere Klage‘ ragt in seinem Schmerzensausdruck aus den Hunderten seiner Art hervor – darin allein der ,Sehnlichen Klage‘ auf Alberts Tod drei Jahre später vergleichbar: ,O der Mann nach meinem Sinn/ Roberthin mein Trost ist hin,/ Der, in dessen Leben/ Meines sich befand, mein Raht,/ Meine Rhue und Zuflucht hat/ Gutte Nacht gegeben.‘"

Kelletat nennt als bedeutendstes Zeugnis dieser Freundschaft eine lange Epistel, die Dach nach seinem 42. Geburtstag an Roberthin richtet "Danckbarliche Auffrichtigkeit": "Des Freundes Welterfahrung, Bildung und Urteil hat ihn zum Dichter erzogen: ,Du werther Roberthin, durch dich kenn ich die Zier/ Der wahren Poesie. Selten findet man in der Barockdichtung einen so unmittelbaren Lebensbericht, … selten auch dieses völlige Vertrauen in einen Menschen, in einer Welt voller Falsch, das sich preisgibt auch in seinen Schwächen, und selten so wahre Herztöne der Freundschaft …‘" Silke Osman