© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 11. Dezember 1999


Die Ostpreußische Familie
– Leser helfen Lesern –
Ruth Geede

Lewe Landslied,

diese dunkle Jahreszeit mit ihren frühen, langen Abenden zwingen zum Nachdenken. Oft gehen die Gedanken zurück an den ostpreußischen Winter, und es sind nicht immer die glücklichsten Erinnerungen, denn für die meisten von uns fielen die letzten Stunden in der Heimat in die Wintermonate. Und da es für viele von uns eine Flucht über See war, wollen manche Vertriebenen die Erinnerung daran aufhellen.

So fragt Eva König: "Wer war mit mir auf dem Frachter SAAR, der uns Flüchtlinge Mitte Februar 1945 von Pillau nach Swinemünde brachte?" Die 1026 BRT große SAAR gehörte der Stettiner Reederei Gribel. Frau König erinnert sich daran, daß der Boden mit Stroh ausgelegt war, auf dem die Männer, Frauen und Kinder dicht gedrängt lagen. Nach der Ankunft in Swinemünde wurden die Flüchtlinge von Rotes-Kreuz-Schwestern zu einem Zug begleitet, der am 22. Februar 1945 im dänischen Oksböl ankam. Dort lebte Frau König – damals nach Eva Grigun – in der Baracke D3, Zimmer 6. Auch aus dieser Zeit möchte Frau König ehemalige Lagergefährtinnen finden wie Witta und Elisabeth Lehnert, Renate und Waltraud Jessulad, Waltraud Thiel, Lieselotte Leber, Christel Roschelski und Gudrun Gerst. Wer meldet sich? (Eva König [Grigun], Unter dem Spring 39 A in 31228 Peine.)

"Was ist wohl aus dem Schiff geworden, das uns Anfang April 1945 von Hela nach Rügen brachte?" fragt Johanna Gröning. "Es war ein riesiges Walfang-Mutterschiff, wir Flüchtlinge lagen zu Tausenden zwischen den Maschinen. Immer wieder wurden wir von Fliegern angegriffen, und die Angst ging um." Es handelt sich um die fast 22 000 BRT große UNITAS, die der Unilever (Walkocherei) Hamburg gehörte. Frau Gröning möchte noch jetzt nach 54 Jahren ihren Dank den Seeleuten abstatten, die damals unermüdlich im Einsatz waren. Wer war mit dabei und erinnert sich noch an die UNITAS? (Johanna Gröning, Heinrich-Ruge-Straße 10 in 22145 Stapelfeld.)

Noch größer war mit 27 288 BRT die ROBERT LEY, das KdF-Schiff der Deutschen Arbeitsfront. Auf ihm war auch die Familie des Pfarrers Erich Woronowicz: Seine Frau Elisabeth mit den Söhnen Dietmar, * 1936, und Detlef, * 1942. Pfarrer Woronowicz, der am 23. Januar 1945 von den Seinen getrennt wurde, hat später in seinen "Plaudereien aus meinem Leben" die Fluchtwege festgehalten, aber sein Sohn Detlef möchte noch mehr über die Begebenheiten auf der ROBERT LEY wissen. Wer war damals mit auf dem Schiff und kann sich vielleicht an die hochschwangere Pfarrersfrau erinnern? Auch ist Herr Woronowicz an Begebenheiten aus Plibischken interessiert, wo 1938 sein kürzlich im Alter von 90 Jahren verstorbener Vater die Pfarrstelle übernahm. (Detlef Woronowicz, Kirchstraße 158 in 52134 Herzogenrath.)

Auch Ida Bartel, geb. Preuß, aus der Großkomturstraße 29 in Königsberg landete nach der Flucht über See mit dem Frachter HELVETICA im Februar 1945 in Swinemünde. Das Schiff war vom Heeresbekleidungsamt Königsberg gechartert worden. Frau Bartel soll sehr verzweifelt gewesen sein und sich große Sorgen um Mann und Sohn gemacht haben. Nun möchte dieser, Herbert Bartel, wissen, was mit seiner Mutter damals geschah. Niemand hat sie von Bord gesehen sehen. Hat sie die körperlichen und seelischen Belastungen nicht überstanden? Ein bisher ungeklärtes Schicksal – wer hilft, es aufzuhellen? (Herbert Bartel, Akazienstraße 34 in 32760 Detmold.)

Eure

Ruth Geede