20.10.2021

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08.01.00 TV-Kritik

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Januar 2000


TV-Kritik


Mais am Stengel

"Zeitreise – Alltag in der DDR", 2. Januar 2000, 23.55 Uhr, N 3 – Amüsantes und Witziges, so versprach es die Ankündigung, wollte dieser lockere Streifzug zutage fördern. Um die Sache anschaulicher zu machen, hatte sich Moderatorin Sibylle Walther extra in das Museum von Alt-Schwerin begeben, in dem wie in einer Reservatenkammer die realsozialistischen Relikte des untergegangenen Staates bewahrt und gehütet werden. Hier kann der Besucher noch einmal mit einem Einkaufskorb – gearbeitet aus "Plaste und Elaste" des VEB Buna Schkopau – durch einen nachgestellten Konsum bummeln und sich an der einstigen Mangelware erfreuen.

Wer seinen Blick jenseits der Stasi-Bespitzelung und der alltäglichen politischen Repression auf die kleinen Dinge des Lebens in der DDR richtet, wird in der Tat mit allerlei Heiterem belohnt. Zum Beispiel, als die SED in den fünfziger Jahren nach sowjetischem Vorbild den hiesigen Bauern den Anbau von Mais schmackhaft machen wollte und zu diesem Zweck das einschlägige Propagandalied "Ja der Mais ist wie jeder weiß ein starker Bengel/ Denn der Mais ist wie jeder weiß die Wurst am Stengel" in Umlauf brachte. Auch die Chemiefaser "Dederon" – dem Republiknamen nachempfunden – fand in der Dokumentation zu Recht ihre ausführliche Würdigung, prägte sie doch in Form von Stoffbeuteln oder Kittelschürzen das alltägliche Straßenbild im Arbeiter- und Bauernstaat.

Bis zum Schluß war die Angst des offenkundig westdeutschen Redaktionsteams zu spüren, sich mit zu wenig Respekt dem Gegenstand zu nähern. Man wollte amüsieren, aber nicht verletzen. Daher blieb zuweilen alles etwas hölzern. Dabei hat gerade der Kinohit "Sonnenallee" gezeigt, wie gnadenlos man die Komik des DDR-Alltags ausbeuten und dennoch Sympathie bekunden kann. OKGG.