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15.01.00 Die Finanzierung politischer Umstürze während des Ersten Weltkrieges

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Januar 2000


Fanal für die Unabhängigkeit
Die Finanzierung politischer Umstürze während des Ersten Weltkrieges (Teil II)
von Hans B. v. Sothen

Die deutsche Regierung, die noch wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges Tausende gebrauchte Mauser-Gewehre für die katholischen "Irish Volunteers" auf die grüne Insel schmuggelte, setzte auf die innere Schwächung Britanniens. Tatsächlich war aber der Wille der meisten Iren zum aktiven Widerstand kaum spürbar. Nicht weniger als 130 000 Iren meldeten sich bei Kriegsausbruch 1914 freiwillig zu den Waffen.

Ein übriges bewirkte knapp ein Jahr später der Untergang der "Lusitania" am 7. Mai 1915 vor der irischen Küste, der durch den Torpedoschuß eines deutschen U-Boots mitverursacht wurde. Obwohl die Deutschen dazu völkerrechtlich berechtigt waren, da die Briten gegen alle gültigen internationalen Regelungen das zivile Passagierschiff mit Kriegsmaterial vollgepackt hatten, wurde der Vorfall von der alliierten Propaganda ausgeschlachtet. Tagelang wurden Hunderte Leichen an die südirische Küste angespült, darunter auch viele Kinder. Dies löste bei der irischen Zivilbevölkerung einen Schock aus, auch bei denen, die den Engländern durchaus nicht wohlgesonnen waren.

Erst gegen Ende 1915 traten die Verhandlungen mit den irisch-amerikanischen Exil-Organisationen und der deutschen Regierung in die heiße Phase. Der Chef des mächtigsten Iren-Verbandes "Clan-na-Gael", John Devoy, rief intern zum Kampf gegen England und bat die Deutschen um Hilfe. Am Ostersonntag 1916, so hatte man beschlossen, sollte sie stattfinden, die Revolution, die nach Jahrhunderten englischer Herrschaft wieder zu einem unabhängigen irischen Staat führen sollte.

Die Deutschen versprachen, zum verabredeten Zeitpunkt ein Schiff mit deutschen Waffen durch die britische Seeblockade hindurch nach Irland zu schicken. Sie sollten, wie es in einer Geheimnachricht von den katholischen "Irish Volunteers" hieß, die Waffen "im Morgengrauen des Ostersonntag" an der Westküste der Insel anlanden.

Tatsächlich machte sich Kapitän Spindler von Wilhelmshaven mit dem Dampfer "Libau" auf den Weg. Der schipperte unter norwegischer Flagge und dem neuen Namen "Aud" über Norwegen, das Nordmeer und unter abenteuerlichen Umständen durch die britische Seeblockade nach Irland. Die Mannschaft von der kaiserlichen deutschen Marine war unrasiert, trug Räuberzivil und norwegische Phantasienamen, für den Fall, daß die Briten aufs Schiff kommen sollten. Funk hatte man nicht an Bord, da dies den Argwohn der Engländer hätte erregen können. So bekam Kapitän Spindler auch nicht mit, daß kurz nach seiner Abfahrt der Plan für die Anlandung der Waffen geändert wurde: Inzwischen hatte man nämlich erfahren, daß am Ostersonntag die meisten Offiziere der Dubliner Garnison zu einem sehr populären Pferderennen außerhalb der Stadt ausfahren würden. Der Aufstand sollte daher auf Ostermontag verlegt werden, die Anlandung nicht am Morgen, sondern in der Nacht nach Ostersonntag, den 23. April 1916 stattfinden. Die Waffen sollten natürlich nicht früher als unbedingt nötig eintreffen. Da zu allem Überfluß in jener Nacht auch noch klarer Himmel und Vollmond war, wurde ein Schmuggel praktisch unmöglich.

Nur: für Kapitän Spindler und seine Mannschaft kam die Planänderung bereits zu spät. Das Schiff befand sich schon auf hoher See und konnte nicht mehr benachrichtigt werden. Die Dinge nahmen ihren Lauf.

Mochte auch Spindler und seinen Leuten die Terminverschiebung für die Revolution entgangen sein, einer war bestens informiert: der britische Geheimdienst. Bereits am 18. April brachen Agenten des US-amerikanischen Geheimdienstes in das New Yorker Büro des deutschen Botschaftsattachés, Wolf v. Igel, ein (Die USA waren damals offiziell noch neutral!). Dabei fielen ihnen neben anderen Dokumenten drei maschinengeschriebene Blätter in die Hände. Der erste Zettel trug den Vermerk: "Eingereicht von John Devoy". Das war der Chef des "Clan-na-Gael". Der zweite war eine Kopie der Terminverschiebung der Dubliner Revolution. Der dritte schließlich brachte den entschlüsselten Text.

Als schließlich das aus Deutschland per U-Boot herbeigeschaffte prominente Führungsmitglied der Irish Volunteers, Sir Roger Casement, zusammen mit drei anderen Iren an Land gebracht wurde, erwarteten ihn die Engländer bereits. Sie wurden verhaftet. Nicht anders erging es Kapitän Spindler, der es nach einer abenteuerlichen Fahrt bis vor die westirische Küste gebracht hatte. Doch zu seiner Überraschung wartete niemand von der irischen Befreiungsbewegung auf ihn. Schließlich versenkten die Deutschen ihre "Aud" selbst, bevor sie von den Briten geentert werden konnte. Sie alle wanderten in Kriegsgefangenschaft.

Die Vorbereitungen für den irischen Aufstand waren indes bereits soweit vorangeschritten, daß er nicht mehr aufgehalten werden konnte. Erst nach einer Woche, nach blutigen Straßenkämpfen und viertägigen Bombenangriffen der Briten, brach die Revolution am 1. Mai 1916 zusammen. Ihre Anführer, darunter auch Roger Casement, wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Für Irland aber war diese Woche tatsächlich das Fanal für die nationale Unabhängigkeit, die das Land erst 1922 erhielt. (Fortsetzung folgt)