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15.01.00 Das historische Kalenderblatt: 11. Januar 1942

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Januar 2000


Das historische Kalenderblatt: 11. Januar 1942
Paukenschlag im Westatlantik
Der Einsatz deutscher U-Boote in Übersee eröffnete eine neue Phase der Unterseekriegführung
von PHILIPP HÖTENSLEBEN

Fünfundzwanzig Jahre nach dem ersten Erscheinen deutscher U-Boote vor der nordamerikanischen Ostküste eröffnen im Januar 1942 die Detonationen der Torpedos von fünf deutschen U-Booten die "Operation Paukenschlag", mit der der Unterseehandelskrieg vor die amerikanischen und kanadischen Häfen getragen wird. Damit beginnt eine neue Phase des U-Boot-Krieges.

Nachdem das Deutsche Reich sich von den seine Rüstungsvorhaben beschränkenden Fesseln des Versailler Vertrages befreit hat, wird von der Kriegsmarine im Frühjahr 1938 ein umfangreiches Flottenbauprogramm entwickelt. Dieses sieht auch den Bau von 177 weiteren U-Booten vor, von denen etwa die Hälfte für den überseeischen Einsatz geeignet sein soll. Damit wird der U-Boot-Bau der strategischen Gesamtkonzeption der Kriegsmarine angepaßt, deren Schwergewicht bei den Überwasserhandelsstörern mit großem Fahrbereich liegt.

Neben den bereits seit 1934 für den ozeanischen Einsatz zur Verfügung stehenden Booten des Typs IX entwickelt die Kriegsmarine den Typ X, der unmittelbar auf die ozeangehenden Unterseekreuzer des Ersten Weltkrieges zurückgeht. Speziell für den Kreuzerkrieg in überseeischen Gewässern sollen die schnellen und artilleristisch starken U-Boote des Typs XI dienen. Wegen der umfangreichen Entwicklungsarbeiten für diese aufwendige Neukonstruktion kommt es jedoch nicht mehr zu einer Bauausführung.

Für das operative Zusammenwirken mit Überwasserhandelsstörern in der Kreuzerkriegführung sind die Unterseekreuzer des Typs XII vorgesehen, deren herausragende Eigenschaften eine hohe Geschwindigkeit und eine große Seedauer sind. Um bei Ausbruch des Krieges möglichst schnell in entfernten Seegebieten strategischen Druck ausüben zu können, werden andere Bauvorhaben zugunsten der bereits einsatzbereiten Typen IX und X zusammengestrichen, so daß es auch bei diesem Typ, ebenso wie bei den späteren Entwürfen für die Unterseekreuzertypen XV, XVI und XIX, bei einer Projektstudie bleibt.

Dennoch sind bereits mit den vorhandenen Typen die technischen Voraussetzungen für einen überseeischen Einsatz der U-Boote gegeben. Am 11. Januar 1942 eröffnet U 123 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Reinhard Hardegen den Paukenschlag vor Amerikas Küsten. Hier finden die U-Boot-Kommandanten zunächst geradezu friedensmäßige Verhältnisse vor. Die Küsten und Städte sind nicht abgeblendet, die Leuchtfeuer sind in Betrieb, und die Schiffahrt bewegt sich mit gesetzten Lichtern auf den angestammten Kursen. Maßnahmen zur U-Boot-Abwehr sind nicht getroffen worden, und die wenigen Gegenangriffe der amerikanischen Seestreitkräfte verlaufen erfolglos, so daß die deutschen U-Boote überaus erfolgreich operieren können. Von diesem Zeitpunkt an halten sich ständig U-Boote in diesem verkehrsdichten Operationsgebiet auf, die auf hoher See von U-Boot-Versorgern des Typs XIV, den sogenannten "Milchkühen", verproviantiert und beölt werden. Die alliierten Schiffsraumverluste steigen dramatisch an, und der Warnruf "U-Boats offshore!" schallt durch die amerikanischen Küstenstädte. Das Volk, das in den Folgejahren Europa mit Bombenteppichen überzieht, dabei aber selbst unbehelligt bleibt, fürchtet den Krieg "vor der eigenen Haustür".

Innerhalb eines halben Jahres versenken die deutschen U-Boote die Hälfte der amerikanischen Handelsflotte im Westatlantik, einen Großteil davon direkt unter Land. Gleichzeitig gehen nur sechs U-Boote verloren, so daß Churchill Seestreitkräfte zur Unterstützung seines amerikanischen Verbündeten in das bedrohte Seegebiet entsendet. Daraufhin läßt Großadmiral Dönitz die Aktivitäten seiner Boote im Westatlantik reduzieren, ohne jedoch auf eine andauernde Präsenz dort zu verzichten und dadurch den permanenten Druck von der feindlichen Handelsschiffahrt und den Seestreitkräften auf den westatlantischen Verkehrsknotenpunkt zu nehmen.

Im Sommer und im Herbst 1943 unternehmen die deutschen U-Boote erneut zwei Offensiven gegen die Schiffahrt vor der amerikanischen Ostküste, die wieder überaus erfolgreich verlaufen.

Von diesen Erfolgen ermutigt, entsendet Dönitz seine U-Boote auch in andere fernere Seegebiete. So erweist sich auch der Indische Ozean als ein lukratives Operationsgebiet für die Fernunternehmungen deutscher U-Boote. Einer Vereinbarung mit dem japanischen Verbündeten entsprechend, operieren U-Boote beider Mächte gemeinsam gegen die alliierte Handelsschiffahrt im Indischen Ozean. Obwohl die japanische Einflußsphäre dabei unmittelbar tangiert wird, genießen die deutschen U-Boot-Kommandanten größte Unabhängigkeit von den Entschlüssen der japanischen Seekriegsleitung.

Seit dem Sommer 1942 operieren so ständig einzelne U-Boote vom Typ IX im westlichen Teil des Indischen Ozeans, wo sie von U-Boot-Versorgern und zwei Überwasserschiffen versorgt werden und nach Beendigung ihrer Unternehmungen zu den französischen Atlantikstützpunkten zurückkehren.

Im Juli 1943 werden elf U-Boote in den Fernen Osten entsandt. Diese sogenannten "Monsun-Boote" sollen von japanischen Marinebasen aus im Indischen Ozean Handelskrieg führen. Tatsächlich gelingt es zunächst nur einem Boot, im September 1943 nach einer erfolgreichen Feindfahrt nach Ostasien zu gelangen. Bald darauf folgen weitere Einheiten. Andere Boote gehen entweder durch Feindeinwirkung verloren oder müssen nach der Versenkung der "Milchkühe" wegen Treibstoffmangels nach Frankreich zurücklaufen. Die Boote, die durchkommen, führen ab Herbst 1943 an den Knotenpunkten der Schiffahrt vor der indischen Westküste erfolgreich Handelskrieg.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich bereits weitere Unterseekreuzer auf dem Weg in die ostasiatischen Operationsgebiete, um die dort befindlichen Kräfte zu verstärken. Damit wird eine andauernde Präsenz deutscher U-Boote im Indischen Ozean begründet. Schon bald operieren die deutschen Boote nicht mehr ausschließlich von japanischen Marinebasen aus, sondern die Kriegsmarine errichtet im japanischen Machtbereich mehrere eigene U-Boot-Stützpunkte, in denen die Fahrzeuge von deutschem Personal gewartet, repariert und ausgerüstet werden, so daß die ständige Einsatzbereitschaft mehrerer Boote gewährleistet ist. Da in diesem entfernten Operationsgebiet nur eine relativ geringe feindliche Gegenwehr herrscht, können die "Monsun-Boote" gute Erfolge erzielen.

So erweist sich die Entscheidung zur Entsendung deutscher U-Boote nach Übersee als richtig, da nicht nur feindliche Handelstonnage vernichtet wird, sondern zudem feindliche Seestreitkräfte dauerhaft gebunden werden.