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15.01.00 Königsberg: Kommunist gewinnt Direktmandat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Januar 2000


Königsberg: Kommunist gewinnt Direktmandat
Duma-Wahlen: Putin-Partei vorn / Kommunalwahlkampf 2000 beginnt

Das nördliche Ostpreußen hat gewählt. Wie überall in Rußland war die Wahlbeteiligung zu den Duma-Wahlen auch im Königsberger Gebiet gering: sie lag bei knapp unter 50 Prozent. Das Abstimmungsverhalten der hiesigen Wähler lag voll im russischen Trend. Auch in Königsberg und Umgebung war die neu gegründete Partei "Einheit", die den amtierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt und die erst im Oktober 1999 gegründet wurde, mit 33,35 Prozent Wahlgewinner. Dahinter lagen die Kommunisten mit 19,6 Prozent. "Vaterland-Ganz Rußland", die Partei von Ex-Premier Primakow und Moskaus Oberbürgermeister Luschkow, kam auf 8,34 Prozent. Die "Allianz der rechten Kräfte", eine eher wirtschaftsliberale Partei (Ex-Premier Kirijenko und Boris Nemzow), erreichten 8,3 Prozent und der Wahlblock um Wladimir Schirinowskij 7,98 Prozent. Das Königsberger Direktmandat in die russische Staatsduma erlangte erneut der Königsberger Kommunist Wladimir Nikitin mit 29,66 Prozent der Stimmen.

Die Gouverneurs- und Kommunalwahlen im Oktober 2000 werfen dagegen schon jetzt ihre Schatten voraus. Im Dezember des vergangenen Jahres schlossen sich drei potentielle Kandidaten um das Amt des Gouverneurs zu einem Wahlbündnis zur "Konsolidierung aller gesunden Kräfte der Region vor der Gouverneurswahl im Jahr 2000" (so die Übersetzung aus dem Russischen) zusammen. An der Spitze der Zweckkoalition steht Königsbergs Oberbürgermeister Jurij Sowenko, der Vertreter des russischen Präsidenten in Königsberg, Alexander Orlow, und der Vorsitzende der Gebietsduma, Valerij Ustjugow. Wie Ustjugow in einer Pressekonferenz betonte, haben alle drei die Idee des Zusammenschlusses schon lange gehabt. Vor allem wolle man mit diesem Bündnis ein Zeichen setzen für all diejenigen Bewohner des Gebietes, die bereit seien, mit ihnen gemeinsam gegen die fortschreitende Kriminalisierung im nördlichen Ostpreußen zu kämpfen.

Nicht von ungefähr kam es denn wohl auch, daß die drei ihr Bündnis der Öffentlichkeit just in dem Moment vorstellten, als im Moskauer Fernsehsender NTV der Skandalfilm um den Königsberger Gebietsgouverneur Leonid Gorbenko lief, in dem man ihm Zusammenarbeit mit der hiesigen Mafia und Abhängigkeit von den größten Ganoven des Gebietes vorwarf. Wohl daher auch der Kommentar der inzwischen gouverneursnahen Königsberger Zeitung "Jantarnyj Kraj" ("Bernsteinland"), der die drei schlichtweg als "Dreierbande" bezeichnete.

Jeder dieser drei wurde bisher schon als Kandidat gehandelt, ob denn auch jeder von ihnen kandidieren wird, kann schon jetzt in Frage gestellt werden. Dies liegt vor allem am hohen Beliebtheitsgrad von Jurij Sowenko, den dieser nicht nur in der Stadt Königsberg genießt, sondern mittlerweile auch in vielen Teilen des Gebietes. So gewann Sowenko gerade mit großer Deutlichkeit die Nachwahl zur Gebietsduma in einem Königsberger Stadtbezirk mit einem Stimmenanteil von 60 Prozent.

Nach einer Dezemberumfrage lag Sowenko mit klarem Abstand führend an der Spitze. In weiter Entfernung folgt der ehemalige Gouverneur Jurij Matotschkin und knapp abgeschlagen hinter diesem der amtierende Gouverneur Leonid Gorbenko. Weit am Ende, fast chancenlos, liegt der andere Beteiligte des Wahlbündnisses, Walerij Ustjugow, ebenso der Admiral der Baltischen Flotte Witalij Jegorow.

Würden die Einwohner der Stadt Königsberg alleine entscheiden, so würde Sowenko wohl mit über 60 Prozent der Stimmen sofort gewählt, während die Hochburgen von Matotschkin an der Küste und die von Gorbenko mehr im ländlichen Bereich, also auch in Tilsit und Insterburg, liegen. Auch wenn laut politischen Beobachtern der amtierende Gouverneur voraussichtlich alles versuchen wird, um doch an der Macht zu bleiben, augenscheinlich läuft die Uhr zur Zeit gegen ihn.

Spannung verspricht also nicht nur die Wahl, sondern auch der Wahlkampf, der nun wohl fast zehn Monate andauern wird und der, so ist bereits jetzt abzusehen, mit großer Härte geführt werden wird. BI