28.10.2021

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05.02.00 Im Dienste der Aufklärung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. Februar 2000


Kiel:
Im Dienste der Aufklärung
Polizei muß hinter Bewältigungs-Politik zurück

Seit Jahren quälten sich 50 Polizeibeamte – Frauen wie Männer – auf engstem Raum im 1. Kieler Polizeirevier, um ihre Arbeit korrekt zu leisten. 50 Polizisten teilen sich eine einzige Toilette, eine Dusche und eine Mini-Teeküche. Sieben Beamte sitzen in einem Raum, die wie die "Kieler Nachrichten" berichteten, gleichzeitig telefonieren, tippen, Zeugen und Beschuldigte vernehmen. Am 1. Januar 1999 bekamen die Polizisten einige Räume hinzu, doch änderten sich die katastrophalen Verhältnisse nicht. Zwar waren für 1999 für den Umbau 290 000 Mark bereitgestellt, doch wurden davon gerade einmal fünf Prozent verbaut. Der Rest verfiel, Personalmangel war die Entschuldigung.

Dafür erhielten die Beamten auf Initiative ihres Dienstherren, des schleswig-holsteinischen Innenministers Dr. Ekkehard Wienholtz (SPD), am 27. Januar 2000 ein neues Bauwerk vor die Tür gesetzt: ein Mahnmal, das an die Gestapo-Dienststelle erinnern soll, die in den 30er Jahren im selben Gebäude untergebracht war, in dem heute das 1. Polizeirevier zu finden ist.

Um dieses Mahnmal hatte es lange Streit gegeben. Interessierte politische Kreise wollten zunächst eine große Plakette an die Wand des Polizeireviers heften lassen, aus der hervorgehen sollte, daß dieses das Hauptquartier der Kieler Gestapo war. Die Polizeibeamten wehrten sich, war es doch nach den Erfahrungen nur allzu naheliegend, daß sie dann mit den Gestapo-Beamten gleichgesetzt würden. Es nützte alles nichts: Die Vergangenheitsbewältigungs-Politiker setzten sich durch. Aus der Plakette an der Mauer wurde eine Statue auf einem Sockel unmittelbar vor dem Revier. Als Bauherr hatte die landeseigene Investitionsbank aufzutreten. Eingeweiht wurde das Mahnmal vom Innenminister Wienholtz persönlich. 55 000 Mark, die das Mahnmal kostete, wurden aus Glücksspielmitteln aufgebracht. Von Personalproblemen war bei der zügigen Abwicklung dieses staatstragenden Bauvorhabens nicht die Rede. Nun haben zwar die 50 Polizeibeamten immer noch nur eine Dusche und eine Toilette, können sich aber beim Blick aus dem Klo-Fenster an dem Gestapo-Mahnmal historisch vergleichend ergehen ...

Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) wies 1934 in der damaligen preußischen Provinz Schleswig-Holstein 133 hauptamtliche Mitarbeiter auf, von denen 27 in Kiel stationiert waren (also halb so viele, wie heute in dem Revier 1 Platz finden müssen). Die übrigen Beamten taten Dienst an der Provinzgrenze zu Hamburg und an der deutsch-dänischen Grenze. Bis zum Jahre 1943 stieg die Anzahl der Gestapo-Mitarbeiter auf 250, die zur Hauptsache aktiv waren gegen die illegale KPD, die SPD und die Bibelforscher seit 1941/42 bei der Überwachung von Fremdarbeitern im ganzen Reich. Auf seinem Höhepunkt als Großdeutsches Reich, das fast 100 000 000 Einwohner zählte, gab es nie mehr als 10 000 hauptamtliche Gestapo-Mitarbeiter. Zum Vergleich: Die Stasi der DDR verfügte im Oktober 1989 bei 16 Millionen Einwohnern über 91 015 hauptamtliche Mitarbeiter. Jochen Arp