20.10.2021

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12.02.00 Der Valentinstag und seine Geschichte

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. Februar 2000


Sag’ es mit Blumen
Der Valentinstag und seine Geschichte

Seit einigen Jahren bringt uns der Februar einen Tag, über den sich nicht nur die Floristen immer mehr freuen: den Valentinstag. Importiert aus Amerika wie der Muttertag und – neuerdings – auch Halloween und ebenso umstritten. Nur daß der Valentinstag eigentlich eine sehr europäische Geschichte hat, denn sein Namenspatron war ein römischer Priester aus dem dritten Jahrhundert. Aber was er mit dem "Tag der Liebenden" zu tun hat, läßt sich nur vermuten.

Sicher zu sein scheint, daß Valentin als Bischof von Terni im mittelitalienischen Umbrien 269 n. Chr. umgebracht wurde, weil er den Zorn der Machthaber erregt haben soll. Der römische Kaiser Claudius II. wollte die Ehe abschaffen, da seiner Meinung nach verheiratete Männer schlechte Soldaten waren. Der Bischof soll aber heimlich junge Paare getraut haben, weil er das Gesetz für einen Verstoß gegen die christliche Lehre hielt. Das macht ihn uns schon einmal sehr sympathisch.

Nach einer anderen Darstellung soll Valentin verfolgten Christen geholfen haben und dafür eingekerkert worden sein. In Mitteleuropa galt der 14. Februar jahrhundertelang als Unglückstag. Auch, daß der heilige Valentin der Schutzpatron der Fallsüchtigen war, bringt ihn keineswegs in Zusammenhang zu diesem Tag der Liebesgrüße. Also abgehakt?

Das Geheimnis steckt im Zusammentreffen des heidnischen Festes der römischen Göttin Juno mit dem Namenstag von Valentin. An Juno wandten sich die jungen Mädchen und Frauen in allen Lebenskrisen. Zu ihrem Festtag gehörte eine recht ausgefallene Lotterie: Junge Mädchen schrieben ihre Namen auf Zettel, die in eine Urne geworfen wurden. Ledige Männer durften das Mädchen, dessen Zettel sie zogen, bis zum nächsten Fest der Juno verehren. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten. Eigentlich mußte der 14. Februar "Junotag" heißen. Wenn da nicht die Blumen wären. Eine weitere Legende erzählt nämlich, daß Valentin jedem der an ihm vorübergehenden Mädchen und jungen Männer eine Blume geschenkt habe. Das ist natürlich eine hübsche Geschichte, die schon gefallen kann.

Alles zusammengemixt hat es jedenfalls nicht nur in Amerika, sondern auch in England, Nordfrankreich, Belgien und anderen westlichen Ländern dazu geführt, daß der Valentinstag dort zum Tag der Liebenden wurde. Juno mischt da kräftig mit, denn dort werden durch das Los junge Paare als Valentin und Valentine gekürt, die dann bis zum nächsten Jahr in einem scherzhaften Liebesverhältnis zueinander stehen. Wie scherzhaft – das liegt wohl an den Betreffenden selber.

Bei uns tauchen schon Wochen vorher in den Auslagen der Geschäfte die roten Herzchen auf, die Bouquetts, Pralinen und andere Präsente zieren. Sie bringen in den grauen Februar Farbe und Fröhlichkeit, vor allem dort, wo König Karneval kein Reich hat, und wärmen in der Winterkälte die Gemüter ein wenig.

Was den Valentinstag trotz seiner demonstrierten Werbewirksamkeit dazu sympathisch macht, ist die Tatsache, daß die Liebegrüße auch bescheiden sein können. Junge Liebe ist eben ein zartes Pflänzchen. Ein kleines Sträußchen genügt – ein paar Schneeglöckchen oder Veilchen, ein bunter Biedermeierstrauß, ein zartes Gebinde aus Frühlingsblumen und grünen Zweigen besagen: Ich liebe dich! Solch ein blühender Liebesbeweis steht übrigens auch alten Paaren gut. Er kann ein kleiner Dank für eine lange, gute Zweisamkeit sein. Auch sie darf ihren Liebsten mit einem kleinen Geschenk überraschen, vielleicht mit seinen Lieblingsplätzchen, natürlich selbstgebacken und in Herzform. Oder vielleicht mit einem Herz aus Königsberger Marzipan? Nur bitte keine großen Geschenke, wie sie von manchen Geschäften präsentiert werden. Das hätten weder Valentin noch Juno gewollt.

Und immerhin können wir dankbar sein, daß der 14. Februar nicht mehr als Unglücktag gilt. Der 13. genügt! R. G.