19.10.2021

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19.02.00 Sprecher der ostdeutschen Landsmannschaften bei Außenminister Fischer

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 19. Februar 2000


"Schweigen ist Gold"
Sprecher der ostdeutschen Landsmannschaften bei Außenminister Fischer

Eingeleitet wurde das Gespräch, das in dem gerade erst neu bezogenen Auswärtigen Amt in Berlin am 26. Januar 2000 geführt worden ist, mit einem Rückblick auf die zum 31. Dezember 1999 geschlossenen Generalkonsulate und Konsulate in Stettin, Oppeln, Apenrade und Temeschwar, sind doch gerade von diesen Schließungen die deutschen Minderheiten auf das härteste betroffen. Die Sparmaßnahmen seien zwingend gewesen, so lautete die Antwort von Bundesaußenminister Joseph Fischer. In Oppeln wolle man zumindest ein Honorarkonsulat einrichten. Ein Generalkonsulat in Königsberg, das bekanntlich bereits zur Zeit seines Vorvorgängers als Außenminister, Hans Dietrich Genscher, geplant war, komme angesichts der soeben erst durchgeführten Schließungen bestimmt nicht in Frage. Aber die Nachbarschaften im Ostseeraum würden in ihrer politischen Bedeutung wahrgenommen, so wurde versichert.

Als die offenen Fragen, die zwischen Deutschland und Polen bestehen – Auseinandersetzung über die Vertreibung, die Eigentumsfrage, das Recht auf die Heimat – ins Gespräch gebracht wurden, meinte der Außenminister, daß man achtgeben müsse, nicht durch eine vordergründige Erörterung antideutsche, nationalistische Gefühle zu provozieren und zu wecken. Die Antwort eines Sprechers der ostdeutschen Landsmannschaften: Angst, man könne etwa durch Beziehungen zu Israel oder Wiedergutmachungsleistungen antisemitische Gefühle wecken, wäre die schlechteste Politik. Was soll bedeuten, über offene Fragen nicht zu reden und zu verhandeln, aus Angst, nationalistische Ressentiments zu wecken? Antwort des Außenministers mit dem Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold".

Auch die Lage der Deutschen in der Heimat, die Verantwortung für 800 000 Deutsche jenseits von Oder und Neiße wurde vorgetragen und auf die sich eröffnende Möglichkeit verwiesen, Verbesserungsvorschläge im deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag auch angesichts der polnischen Diskussion über das Minderheitengesetz zu erarbeiten. Dies müsse bis zum Jahre 2001 geschehen, weil sich sonst der Nachbarschaftsvertrag automatisch verlängere.

An dem Gespräch nahmen für den Ständigen Rat der ostdeutschen Landsmannschaften teil: als amtierender Vorsitzender Dr. Herbert Hupka (LM Schlesien), Wilhelm v. Gottberg (LM Ostpreußen), Siegfried Sieg (LM Westpreußen), Dr. Wolfgang Müller-Michaelis (Pommersche LM), Rudi Pawelka (LM Schlesien), Klaus Plaszczek (LM der Oberschlesier), Dr. Hans Viktor Böttcher (Bund der Danziger) und Dieter Lonchamt (LM Berlin-Mark Brandenburg). OB

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