25.10.2021

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26.02.00 Das Januarwetter in der Heimat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 26. Februar 2000


Das Januarwetter in der Heimat
Analysiert von Meteorologe Dr. Wolfgang Terpitz

Offenbach – Tief verschneit, so stellt man sich die Landschaft der Heimat während der Neujahrsnacht vor. So war es auch diesmal, als nicht nur ein neues Jahr und Jahrhundert, sondern sogar ein neues Jahrtausend eingeläutet wurde. Doch fehlten die funkelnden Sterne und der knackige Frost, da eine dicke Wolkenschicht den Himmel überzog. Bei Temperaturen um Null fiel aber kein Niederschlag. Der Schnee stammte noch aus der winterlichen Zeit im Dezember. Er lag verbreitet noch über zehn Zentimeter dick. In Nidden war die Decke sogar noch 16 Zentimeter mächtig. Sie sackte jedoch während der folgenden Tage immer mehr in sich zusammen, da atlantische Tiefausläufer zunehmend milde Meeresluft und zwischendurch auch Regenwolken heranschafften. Die nächtlichen Temperaturen um 0 Grad konnten das Tauwetter nicht aufhalten. Am Epiphanienfest, dem Dreikönigstag, ließen die Sonnenstrahlen an schattigen Stellen nur noch einzelne Reste übrig.

Nach diesem freundlichen Tag, dessen Wetter von einem Hochkeil geprägt war, lenkte ein Nordmeertief seine Ausläufer über das nördliche Europa und die Ostsee in Richtung Rußland. In ihrem Bereich fiel in Ostpreußen ab und zu Nieselregen. Gelegentlich ging auch ein Schauer nieder. Zwischendurch war das Wetter gar nicht mal so unfreundlich. Ab dem 11. Januar siegte sogar die Sonne für vier Tage über die winterlichen Wolken. Der Grund war eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa. Trotz der Sonnenkraft stiegen die Temperaturen, wenn überhaupt, nur knapp über 0 Grad. In den sternklaren Nächten gab es leichten bis mäßigen Frost. In den Morgenstunden des 14. Januar lagen die Tiefstwerte verbreitet bei minus 7 Grad. In Rastenburg wurden minus 8 Grad vom Minimum-Thermometer der Wetterstation abgelesen. Dieses trockene und kalte Wetter unterbrachen Tiefausläufer, die aus dem skandinavischen Raum in Richtung Balkan vordrangen. Sie ließen für zwei Tage eine dünne Schneedecke zurück.

Was man nur in der winterlichen Jahreszeit erleben kann, folgte gleich am 17. Januar: In der kühlen Nordluft riß bei einem auffrischenden und stark böigen Wind die Wolkendecke auf. Und schon stieg die Temperatur bei Sonnenschein auf 6 Grad, den Höchstwert dieses Monats. Im Sommer würde man bei der gleichen Wetterlage einen besonders kühlen Tag erleben.

In der andauernden nordwestlichen Strömung kehrte der Winter einen Tag darauf endgültig zurück. Während sich die Temperatur zunächst bei 0 Grad eingependelt hatte, setzten Schneefälle ein. Am Abend des 21. Januar meldeten die Stationen Elbing und Rastenburg eine Schneehöhe von 20 Zentimetern. Zwei Tage später lag in Elbing der Schnee sogar 34 Zentimeter hoch. Königsberg mußte sich zur gleichen Zeit mit 18 Zentimetern und Nidden mit zehn Zentimetern Schnee begnügen.

Bereits ab dem 21. Januar hatte sich der Niederschlagscharakter bei steigendem Luftdruck geändert, und es fielen nur noch einzelne Schneeschauer. Dazwischen lockerte sich die Bewölkung auf, wobei es immer frostiger wurde. Zwei Tage später wurde in Allenstein der tiefste Wert des vergangenen Monats registriert: 19,5 Grad. Während des gleichen Tages stiegen die Temperaturen in Königsberg trotz Sonnenscheins nicht über 11 Grad.

Ab dem 25. Januar zogen wieder Wolken auf, und es begann zu schneien, denn von Nordwesten her erfaßten erneut Tiefausläufer das Land. Gleichzeitig frischte der Wind auf, wobei sich der Frost deutlich abschwächte. Einen Tag darauf setzte während der Tagesstunden bereits Tauwetter ein. In den Nächten verharschte bei leichtem Frost die Schneedecke. Schließlich siegte bis zum Ende des Monats das Tauwetter, da die Tagestemperaturen bis zu 5 Grad gestiegen waren und der Wind stark auffrischte. Während der letzten beiden Tage erreichte er in Böen sogar Sturmstärke.

Der vergangene Januar brachte im Endresultat eine mittlere Temperatur, die zwischen minus 2 Grad in den Heiden von Rominten sowie Johannisburg und plus 0,4 Grad in Memel lag. Viele mögen das als sehr kalt empfinden, doch für Ostpreußen war der vergangene Monat dennoch um 1 bis 3 Grad zu mild. Am trockensten waren mit einer Gesamtsumme von 40 Millimetern ebenfalls die Heidegebiete. Den meisten Niederschlag erhielten die küstennahen Regionen. In Königsberg kamen 95 Millimeter zusammen, was der doppelten Menge eines normalen Januar entspricht. Hier hielt sich der Sonnenschein weitgehend zurück. Nur nach Südosten hin schien sie insgesamt mehr als 40 Stunden und übertraf damit ihr Soll um etwa zehn Prozent.