20.10.2021

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18.03.00 Deutsche und Dresdner Bank fusionieren im Zeichen der Globalisierung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. März 2000


Billionen-Erbschaft im Sinne
Deutsche und Dresdner Bank fusionieren im Zeichen der Globalisierung

Die deutsche Wirtschaftslandschaft wird grundlegend umgekrempelt. Traditionelle Firmennamen verschwinden, neue tauchen auf. Hing früher an vielen Apotheken noch das Werbeschild der Hoechst AG, so dürfte den Patienten kaum aufgefallen sein, daß dieser traditionelle Chemiekonzern inzwischen zerschlagen und aufgeteilt wurde. Erst vor wenigen Wochen hauchte der ehemalige Stahlkocher und heutige Mobilfunkkonzern Mannesmann sein eigenständiges Leben aus und wurde von der britischen Vodafone geschluckt. Die Herzen der Börsianer schlagen jetzt wieder höher: Die angekündigte Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank macht ein riesiges Kurspotential und – gewissermaßen nebenbei – noch 16 000 Arbeitsplätze frei. Der "rheinische Kapitalismus" sei jetzt endgültig am Ende, freute sich ein Aktienhändler.

Der "rheinische Kapitalismus" – das war jene Mischung von Geldverdienen und Verantwortung für Land und Leute, von der die Industriellen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt waren. Gewiß, es wurden Firmen aufgekauft und in das eigene Imperium integriert, aber die Strukturen blieben weitgehend erhalten. Friedrich Flick war ein Meister des Aufkaufens, und der unvergessene Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank ein eher gemütlicher kapitalistischer Herrscher. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Heute regiert die Sucht nach dem höchsten Profit, angesichts der "Globalisierung" ist in der "Deutschland AG" keine menschliche Wärme mehr gefragt, sondern nur noch die größte Effizienz.

Um das Urteil vorwegzunehmen: Es gab keinen ernsthaften Grund, seriöse und gesunde Institute wie die Deutsche Bank und die Dresdner Bank zu zerschlagen. Aber nichts anderes findet statt. Das Wort "Fusion" ist in diesem Zusammenhang irreführend, auch wenn tatsächlich das größte Bankinstitut der Welt entstehen wird. Hinter dem Deal, der die deutsche Wirtschaftslandschaft nachhaltiger verändern wird als das Zechensterben der 60er Jahre, steckt Henning Schulte-Noelle, Chef der Allianz-Versicherung und Verwalter eines Milliarden-Vermögens von Lebensversicherten, die ihr Geld der Allianz anvertraut haben.

Schulte-Noelle, dessen Zigtausende Versicherungsvertreter den Allianz-Konzern zum Marktführer in Deutschland gemacht haben, hat immer noch nicht genug Marktanteil. Die Allianz hat in den letzten Jahren eine geschickte Anlagestrategie betrieben. Ihr gehören bereits 21,7 Prozent der Dresdner Bank und fünf Prozent der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank wiederum hält sieben Prozent der Allianz-Aktien, die Dresdner sogar zehn Prozent. Der deutsche Finanzhandel ist untereinander verschwippt und verschwägert wie weiland die europäischen Fürsten- und Königshäuser.

Hinter der Neustrukturierung stehen offenbar folgende Überlegungen: Durch den Fleiß der Nachkriegsgeneration stehen in den nächsten Jahren mehrere Billionen Mark Erbschaften an, die gewinnbringend angelegt sein wollen. Die Allianz versucht schon seit langem, im Bereich der Geldanlage Fuß zu fassen. Doch das "Allfinanzkonzept" (der Versicherungsvertreter dreht dabei den Kunden auch Investmentfonds an) läuft nicht so gut, wie es sich die Geldherren in den Frankfurter und Münchener Zentralen vorstellen. Daher wird das Privatkundengeschäft der Deutschen und Dresdner Bank zusammengelegt. Das neue Institut, das vermutlich den Namen "Deutsche Bank 24" und das grüne Emblem der Dresdner führen wird, soll etwa zur Hälfte dem Allianz-Konzern gehören. Den Rest teilen sich Deutsche und Dresdner Bank. Über die Bankfilialen will die Allianz künftig auch ihre Filialen aber meist in unmittelbarer Nähe haben, dürften etwa 10 000 Zweigstellen geschlossen werden. Daß dabei rund 16 000 Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren werden, interessiert in der "Deutschland AG" niemanden mehr.

Die Allianz sichert sich bei der Fusion noch weitere Perlen. Die Deutsche-Bank-Investmentfonds-Tochter "DWS" geht an den Versicherungskonzern. Die neue Großbank muß sich mit der nicht so gut im Markt etablierten Dresdner-Tochter "DIT" begnügen. Damit kommt die Allianz, deren eigene Fonds bei einem Marktanteil von zwei Prozent dahindümpeln, kurzfristig auf 25 Prozent. Außerdem schluckt die Allianz die Deutsche-Bank-Versicherung "Deutscher Herold".

So fühlen sich die Herrscher des deutschen Finanzwesens für den Billionen-Ansturm der künftigen Erben gewappnet. Doch die Rechnung derer, die immer größere Finanzräder drehen, könnte eventuell nicht aufgehen. Schließlich muß das Geld, das in Zukunft angelegt werden soll, erst verdient werden. Und wenn immer mehr Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, wird kein neues Kapi- tal, sondern Unzufriedenheit gebildet. Hans-Georg Münster