20.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
18.03.00 Der Purpurblaue Steinsame – Die Blume des Jahres 2000/title>

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. März 2000


Eine seltene Schönheit
Der Purpurblaue Steinsame – Die Blume des Jahres 2000

Unseres Altbundeskanzlers Ehefrau Loki Schmidt gründete 1980 die "Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen". Seither macht sie in jedem Jahr auf eine vom Aussterben besonders bedrohte Art aufmerksam. Für das Jahr 2000 möchte sie unsere Obacht auf den Purpurblauen Steinsamen lenken, ein Borretschgewächs, das im Saarland, in Westfalen und Niedersachsen bereits auf der Roten Liste steht. Im Harz kann man diese Pflanze, die hier einst häufig vorkam, in der Nähe von Kalkbrüchen noch gelegentlich finden. In der Schwäbischen Alb und im Voralpengebiet gab sie zur Blütezeit den Waldsäumen und lichten Eichenwäldern kräftige violettblaue Tupfer, aber heute macht sie sich auch hier rar.

Vom Mittelmeergebiet her mag der Purpurblaue Steinsame vor langer Zeit nach Deutschland gewandert sein. Auch in Südfrankreich, Südengland, Belgien, im Thüringerwald, im Böhmerland bis hin zum Kaukasus fühlt er sich wohl, aber seine Siedlungen werden deutlich weniger. Ähnliche Arten der bei uns bedrohten Pflanze sind schon lange in Lateinamerika verbreitet.

Auch in Europa hat der Purpurblaue Steinsame Geschwister. Als "Ackerhirse" bekannt ist der weißblühende Steinsame, den die Bauern einst "Unkraut" nannten. Bäuerinnen schickten ihre Kinder aufs Feld, um die reifen Samen zu sammeln für die Hausapotheke. Ein Sud aus Steinsamen galt als wirksam gegen Harnverhaltung und bei Nierenleiden.

Einige Besonderheiten der nun zu schützenden purpurblauen Schönsten ihrer Familie sollen erwähnt werden: Die aus der Knospe dunkelrot sich entfaltenden, fünfzipfligen Blüten färben sich in wenigen Tagen über Violett zum kräftigen Blau und verblühen in blassem Azur. Zwischen April und Juni erscheinen in den Blattachseln immer wieder Blütenpulks, umgeben von lanzettlichem, samtenem Grün. Blätter und Stiele sind auffällig behaart. Das hat der Purpurblaue Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum) gemein mit seiner hier verbreiteten Verwandten aus der Familie der Borretschgewächse, zu der auch das Vergißmeinnicht gehört, das heilkräftige Lungenkraut und Borretsch. Die beliebte Gewürzpflanze gedeiht mühelos in unseren Gärten, verwildert sogar an Wegrändern und auf Schutthalden.

Die himmelblauen Blütensternchen unserer lieblichen Frühlingsblume Vergißmeinnicht zieren Feuchtwiesen und Bachränder, säen sich massenhaft auch im Garten allein aus. Dagegen hat es der Purpurblaue Steinsame schwer, sich heutzutage in lichten Eichen- und Buchenwäldern zu behaupten. Sehr spät im Jahr streut diese Pflanze ihre Saat aus. Die steinharten Nüßchen liegen über mehrere Winter in der Erde, ehe sie keimen können. Das macht auch ihre Anzucht als Kulturpflanze schwer.

Als es in Deutschland noch ausgedehnte Laubwälder gab, war hier der nun unserm Schutz anvertraute Steinsame reichlich zu finden. Aber was einigen Indianerstämmen schon sehr lange bekannt war, wußten die Frauen in Europa offenbar nicht. Durch Laboruntersuchungen konnte inzwischen erklärt werden, was Peruanerinnen einander von Generation zu Generation zuraunten: "Tee von Steinsamen hilft zur Empfängnisverhütung!"

Die Nüßchen der "Ackerhirse" und auch des Purpurblauen Steinsamen enthalten als kieselsäurereiche Droge auch fettes Öl, Kalk und Verbindungen mit östrogener und antikonzeptioneller Wirksamkeit. Anne Bahrs