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18.03.00 Das historische Kalenderblatt:

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 18. März 2000


Das historische Kalenderblatt:
10 . März 1813 - Das Eiserne Kreuz - Symbol der Freiheit und ritterlicher Pflichterfüllung
Von PHILIPP HÖTENSLEBEN

Das Eiserne Kreuz, bis in die heutige Zeit Sinnbild preußisch-deutschen Soldatentums, wird am 11. März 1813 vom preußischen König Friedrich-Wilhelm III. als Kriegsauszeichnung für die im Befreiungskrieg gegen Napoleon erwiesene Tapferkeit gestiftet.

Der Aufruf des Königs "An mein Volk" anläßlich der Erhebung gegen die französische Herrschaft appelliert an Opferbereitschaft und Gottvertrauen. So ist es auch die Absicht des Monarchen, für seine tapferen Kämpfer eine besondere Auszeichnung zu schaffen. In einer auf den Geburtstag der Königin Luise zurückdatierten Kabinettsorder vom 10. März 1813 stiftet der König das Eiserne Kreuz. In seiner äußeren Form eines Tatzenkreuzes knüpft es an das Deutsch-Ordens-Kreuz an: schwarz auf weißem Mantel oder Schild. Die neue Auszeichnung spiegelt in deutlicher Weise den Geist der Befreiungskriege wider. Offizier und Mann gleichermaßen können hiermit für hohe Leistungen direkt vom König ausgezeichnet werden. Damit hat Friedrich Wilhelm eine Auszeichnung gestiftet, die bestehende gesellschaftliche Klassenunterschiede bewußt negiert und zum Ausdruck des Wehrwillens und des Befreiungskampfes des ganzen preußischen Volkes wird.

Das Eiserne Kreuz verzichtet auf jeden materiellen Wert und stellt in edler, schlichter Form aus einfachem Metall ein Symbol ritterlicher Pflichterfüllung dar. Die Auszeichnung kann zunächst in zwei Klassen und als Großkreuz erworben werden. Das Letztgenannte wird als Halskreuz getragen und darf nur für eine gewonnene Schlacht, die Wegnahme einer feindlichen Festung oder die langanhaltende erfolgreiche Verteidigung einer eigenen Festung verliehen werden. Hinzu kommt wenig später noch das Eiserne Kreuz auf einem goldenen Strahlenstern, dessen einziger Träger in den Befreiungskrie- gen Generalfeldmarschall Blücher bleibt.

Die künstlerische Ausgestaltung des Eisernen Kreuzes, an der der Monarch persönlich mitwirkt, geht auf einen Entwurf des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel zurück. Als Symbol des harten, langen und entbehrungsreichen Befreiungskampfes ist die Auszeichnung betont schlicht gehalten. Die zweite Klasse besteht aus einem schwarzen Eisenkern, der in einen silbernen Rahmen gefaßt ist. Zur Kenntlichmachung der Verleihung der ersten Klasse wird ursprünglich das schwarz-weiße Ordensband der zweiten Klasse über Kreuz genäht auf der linken Brust getragen, das wenig später durch ein Steckkreuz in der Gestaltung des Ordens zweiter Klasse ersetzt wird. Durch seine Schlichtheit und die Materialwahl unterscheidet sich das Eiserne Kreuz deutlich von den aufwendigen Auszeichnungen der Zeit. Der bedeutendste Unterschied zu anderen Auszeichnungen liegt in der Tatsache, daß das Eiserne Kreuz auch von einfachen Soldaten und Unteroffizieren erworben werden kann, während die anderen Kriegsauszeichnungen ausschließlich Offizieren vorbehalten bleiben. Dies wird auch durch die äußerliche Anlehnung an das Kreuz des deutschen Ritterordens deutlich, wodurch symbolisch der Kreuzzuggedanke des Mittelalters auf den Kampf gegen die französische Fremdherrschaft übertragen wird. Es geht um die Freiheit Preußens.

Die hohe symbolische Bedeutung, die das Eiserne Kreuz als Zeichen des Aufstandes gegen Fremdherrschaft und Unterdrückung in diesem Krieg erlangt, verbietet eine Neustiftung der Auszeichnung in den Kriegen von 1864 und 1866. Diese Waffengänge werden als Kabinettskriege angesehen, die für Preußen keine existentielle Bedeutung haben. Anders ist es 1870 im Krieg gegen Frankreich. Mit seiner Neustiftung kann das Eiserne Kreuz erstmals auch an Soldaten der mit Preußen verbündeten deutschen Staaten verliehen werden. Damit schließt das Eiserne Kreuz symbolisch das einigende Band um die für die Einheit Deutschlands fechtenden Armeen. Zugleich symbolisiert es den nationalen Existenzkampf Deutschlands. Es geht um die Schaffung des Reiches.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stiftet Kaiser Wilhelm II. das Eiserne Kreuz erneut. Die einzelnen Stufen der Auszeichnung bleiben unverändert. Generalfeldmarschall von Hindenburg wird neben Blücher der zweite Träger des Strahlensterns. Das Eiserne Kreuz bleibt eine Auszeichnung, die ausschließlich für vor dem Feind erwiesene Tapferkeit verliehen wird. Auch wenn die Verleihungspraxis im Vergleich zu den Befreiungskriegen geradezu inflationär wirken muß, genießen seine Träger hohes Ansehen.

Auch 1939 wird das Eiserne Kreuz in der überlieferten Form und Trageweise erneuert. Äußerlich verändert sich das Eiserne Kreuz lediglich dadurch, daß an die Stelle der Initialen der Monarchen das Hakenkreuz gesetzt wird. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Klassen wird das Ritterkreuz in seinen verschieden Stufen geschaffen. Analog zum personellen Ansteigen der Personalstärke der Streitkräfte nimmt auch die Anzahl der Verleihungen im Vergleich zum Ersten Weltkrieg erheblich zu, doch bleibt das Eiserne Kreuz auch in diesem Krieg eine rein militärische Auszeichnung, die, von verschwindend geringen Ausnahmen abgesehen, ausschließlich für persönliche Tapferkeit an der Front verliehen wird. In den ersten Kriegsjahren wacht Hitler noch persönlich über die Einhaltung dieses Grundsatzes. Das Eiserne Kreuz wird nicht für politische Leistungen oder Kriegsverdienst in der Etappe oder in der Heimat verliehen.

Die politischen Vorzeichen, unter denen der Zweite Weltkrieg geführt wird, können den Wert des Eisernen Kreuzes als achtenswer-te Tapferkeitsauszeichnung nicht schmälern. Aus diesem Grunde bestimmt Bundespräsident Theodor Heuss im September 1956 das Eiserne Kreuz zum Hoheitszeichen für die Land- und Luftfahrzeuge der Bundeswehr. Er entscheidet sich bewußt für dieses Symbol deutschen Wehrwillens, der soldatischen Ehren und des Freiheitskampfes. Zugleich genehmigt der Bundespräsident das Tragen des Eisernen Kreuzes ohne nationalsozialistische Kennzeichen, um zu verdeutlichen, daß diese Auszeichnung für soldatische Verdienste um das Vaterland an der Front, nicht jedoch für Verdienste um das Regime verliehen wurde.

Auch wenn heute keine Träger des Eisernen Kreuzes mehr in den Streitkräften dienen, ist das Eiserne Kreuz dort noch immer gegenwärtig. Es findet sich als Nationalitätskennzeichen auf dem Großgerät, taucht auf Briefköpfen und Drucksachen auf, ziert die Spitzen der Truppenfahnen und ist Bestandteil vieler Verbandswappen. Auch auf einer Auszeichnung hat es noch seinen Platz: seit 1980 findet es sich im Medaillon des Ehrenkreuzes der Bundeswehr – als Symbol ehrenvoller soldatischer Pflichterfüllung.