25.10.2021

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25.03.00 Ostseehäfen: Russen bauen neues Ölterminal in Fischhausen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. März 2000


Konkurrenz wird immer härter
Ostseehäfen: Russen bauen neues Ölterminal in Fischhausen

Vor kurzem haben die Arbeiten am sogenannten "Baltischen Pipeline-System" (BPS) begonnen. Eine neue Verbindung zwischen den Rohölquellen in Westsibirien und dem nordostpreußischen Fischhausen (Primorsk) soll für die Russische Föderation eine billigere Alternative zum Export über die ganzjährig eisfreien litauischen, lettischen und estnischen Häfen bieten.

Aus Moskau verlautete, daß man pro Jahr allein 100 Millionen US-Dollar einsparen könne, wenn die Transporte über den bisherigen Hauptausfuhrhafen im lettischen Windau (Ventspils) überflüssig würden.

Die Arbeiten an dem Anfang Februar beschlossenen und auf 800 Millionen Dollar veranschlagten Vorhaben sollen 20 bis 22 Monate dauern. Etwa ein Achtel des erforderlichen Geldes hat der russische Pipeline-Monopolist Transneft bereits 1999 durch einen Sondertarif von den Ölexporteuren eingetrieben, weitere 130 Millionen Dollar sollen auf diesem Weg im Jahr 2000 folgen. Transneft will im Gegenzug 50 Prozent plus eine Aktie an der Pipeline halten, den Rest aber unter den Ölfirmen aufteilen.

In Fischhausen entsteht im Zuge des BPS-Projekts ein großes Ölterminal, von dem aus künftig die jährlich ankommenden ca. 12 Millionen Tonnen Rohöl in alle Welt verschifft werden sollen. Dies wäre dann kaum weniger als zur Zeit über Windau abgewickelt wird.

Ein überaus ehrgeiziges Ziel also, denn der modernisierte und ständig weiter expandierende lettische Freihafen konnte 1999 mit einem Gesamtumschlag von 34 Millionen Tonnen 17 Prozent des ganzen Ostseehandels auf sich vereinigen.

Obwohl nach russischen Angaben zwischen 20 und 25 Prozent der staatlichen Einnahmen der drei baltischen Republiken aus Transitgeschäften mit der Russischen Föderation resultieren, reagiert man dort angesichts der jüngsten Entwicklungen eher gelassen. Schließlich zeigen die Erfahrungen in St. Petersburg, daß ein geeigneter Hafen allein nicht ausreicht, um den Rivalen in Windau, Riga, Reval und Memel Paroli zu bieten. Wenn die Verwaltung nur schlecht funktioniert und die Abwicklung zu langsam vonstatten geht, bleiben alle großartigen Pläne graue Theorie.

Heute steht nur eines wirklich fest: Der harte Konkurrenzkampf der Ostseehäfen nicht nur um den gigantischen russischen Rohölexport wird mit dem Baltischen Pi-peline-System noch härter. Für das Königsberger Gebiet bietet der Ausbau Fischhausens immerhin die Chance, eine neue, kräftig sprudelnde Einnahmequelle zu erschließen und damit die gesamte Exklave ökonomisch auf Vordermann zu bringen.