25.10.2021

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25.03.00 Schloß Beynuhnen: Eine Schatzkammer im dorischen Stil

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. März 2000


Hellas in Ostpreußen
Schloß Beynuhnen: Eine Schatzkammer im dorischen Stil

Der alte Farenheid ist imstan-de, in fünfzehn Stunden nur auf eigenem Grund und Boden bis nach Königsberg zu fahren", hieß es in der Provinz im letzten Dezennium des achtzehnten Jahrhunderts.

Wer war der alte Farenheid, und wo etwa lagen diese sagenhaften Güter? Eine Frage, die heute gestellt werden kann, damals nicht, denn da kannte den alten Farenheid ein jeder und seine Güter in "Deutsch-Litauen" gehörten zum größten Grundbesitz unserer Provinz.

Der Name Farenheid taucht nebelhaft schon in Zeiten des Großen Kurfürsten in kaum geschichtlichen Zusammenhängen auf, bekannt wird er erst im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert durch vier Generationen auffälliger Erscheinungen, jede besonders, für sich, jeder dieser Familienvertreter eigenartig sich nach eigener Richtung hin entwickelnd.

Ein königlicher Kaufmann, dem der allzu königliche Flug vom Großen Friedrich beschnitten wurde, der dann nicht abseits grollend stand, sondern fürstlichen Reichtum verstreute, in karitativen Werken. Er legte den Grundstock der Farenheidschen Begüterung. Sein Sohn, gerade in entgegengesetzter Richtung sich entwickelnd, suchte den Zusammenhang mit dem straffen militärischen Preußen, hing dem Alten Fritz trotz jenen Eingriffen in das materielle und ideelle Leben des Vaters an, bis zur Entzweiung mit der Familie, trat bei der Armee ein, die er verließ, um als Kameralist im Zivilstand dem König zu dienen bis zur Übernahme der nun schon riesenhaften Herrschaft des Angerapper Besitzes, dem er noch die Herrschaft Eibenburg/ Dombrowken mit Beynuhnen hinzufügte, außerdem einen im westpreußischen Flatow gelegenen Güterkomplex. Viel hätte dem alten Farenheid nicht gefehlt und er hätte die Reise nach Berlin auf eigenem Grund und Boden zurücklegen können.

Von Angerapp verlegte er seinen Wohnsitz nach Beynuhnen, er fand dort ein hübsches, wenn auch nicht schloßartiges Landhaus vor, in dem das tragische Schicksal der Julie von Dönhoff, zur linken Hand dem König Friedrich Wilhelm II. angetraut und alsdann verstoßen, sich abspielte. Als Beamter wirkte er auf dem nun gewaltigen Güterkomplex in durchaus neuer und für die Zeit fortschrittliche Weise. Dem Edikt des Freiherrn vom Stein zuvorkommend, befreite er die Bauern seiner Güter, indem er sie der Fronarbeit enthob.

Praktisch, sozial landwirtschaftlich führend, stand der nächste Farenheid an der Spitze, um dann abtretend, sein Werk in die Hände des Fritz von Farenheid zu legen, der Schloß Beynuhnen schuf. Aus dem ostpreußischen Landhaus wurde ein antikes Schloß, im Stil der Hochrenaissance erbaut. Fremd lag es in ostpreußischer Einsamkeit, unter den alten Linden und Rüstern, beherbergte den Geist, der es schuf. Ein Festsaal, feierlich kalt, zur dorischen Säulenhalle herausführend: Man sieht auf die weiten Flächen des Parks in alt-ostpreußischer Waldeinsamkeit. Dort stand der griechische Apollo, steht ein im dorischen Stil erbauter kleiner Tempel. Ein erster und ärgerlicher Versuch des von einem Griechenlandaufenthalt heimgekehrten Schwärmers, seine Griechenwelt hierher zu verrücken.

Der Vater lehnte diesen Bau ab. Zum mindesten sollte er der Pferdezucht als Paddock nutzbar gemacht werden, meinte der. Also durften beileibe keine Stufen heraufführen – erst später wurden dann mühsam durch Abtragung des Erdhügels diese Stilnotwendigkeiten dem grollenden Vater abgerungen. Es war unmöglich, in diesem Rahmen auch nur etwas annähernd Katalogisierendes zu bringen, es waren zu viele verschiedene Werke: Originale, Kopien, Plastik, Kupferstich, Gemälde. Gruppe reihte sich im Park an Gruppe, Saal an Saal, angefüllt, fast überfüllt. Die Zimmer auffallend durch schöne Farbenzusammenstellungen, Alabastergerät, Alabastertische auf goldenen Füßen gegen grauseidene Wandbespannung, altfranzösische Brokate in wunderbar gebrochenen Farben an den Wänden als Einfassung der Türen, die die ganze Zimmerflucht wie schöne Rahmen umspannten bis hinaus zum Parkdurchblick, der durch zwei Karyatiden flankiert wurde.

Fritz von Farenheid war der letzte Träger seines Namens. Er verfügte, daß Beynuhnen für immer unverändert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden solle. Er wurde in Beynuhnen begraben. Sein Grab trug die Inschrift:

"Verlassend eine Welt /

Reich an unbefriedigter

Sehnsucht, /

Erharre ich in Demuth /

Der großen Offenbarungen

im Herrn."

Gekürzt aus: Dora-Eleonore Behrend, Schlösser des Ostens, Verlag Gräfe & Unzer Königsberg