25.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
25.03.00 Das Behindertenheim in Nordenburg, Kreis Gerdauen, erreicht viel mit minimalen Mitteln

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 25. März 2000


Lachende, angstfreie Kinder
Das Behindertenheim in Nordenburg, Kreis Gerdauen, erreicht viel mit minimalen Mitteln

Galina sorgt mit viel Liebe für ihre Kleinen, das spürt man. Sie leitet das Behindertenkinderheim in Nordenburg, Kreis Gerdauen. Hier leben etwa 150 Kinder aus dem Königsberger Gebiet. Sie werden in der Regel von ihren Eltern dort abgegeben. Es handelt sich um leicht- über schwer bis zu schwerstbehinderte Kinder. Zum Teil sind sie nicht einmal in der Lage, sich selbständig zu bewegen. Sie werden vor allem von Frauen betreut, die in der Mehrzahl für diese Arbeit nicht ausgebildet sind. Alles, was diese Frauen mitbringen, ist oft genug die Liebe zu diesen kranken Kindern. Was sie leisten in einem Heim, in dem kaum Mittel zur Förderung der Kinder vorhanden sind, ist allerdings beachtlich. Die Kinder lachen und machen einen angstfreien Eindruck. Bemerkenswert ist die Rücksichtnahme der Kinder untereinander.

Auf der Pflegestation im oberen Stockwerk haben die Frauen, die für die Betreuung der "nur liegenden" pflegebedürftigen Kinder zuständig sind, zwei oder drei Kinder zusammengeschoben, so daß diese untereinander nach ihren Möglichkeiten Kontakt aufnehmen können. Schäden, die durch Vereinsamung oder Vernachlässigung verursacht sind, sind nicht feststellbar.

Sie sind nach Möglichkeit in alle Alltagsarbeiten mit einbezogen. Sogar in einem Gewächshaus wird mitgemacht. Die großen Mädchen, die in einem eigenen Haus in Drei- und Vierbettzimmern wohnen, sind für den Gemüsegarten verantwortlich. Für die Kleinen gibt es einen Sandkasten, in dem unsere Sandschaufeln und anderes Sandspielzeug zum Einsatz kommt. Bereits seit 1994 gibt es ein Fernsehgerät.

Seit 1996 ist ein Turnraum fertiggestellt. 1998 wurden weitere Klassenräume fertig, so daß im Rahmen der Möglichkeiten die behinderten Kinder auch am Unterricht teilnehmen können. Schulbücher stehen nicht zur Verfügung. Lehr- und Anschauungsmaterial muß vom Personal selbst erstellt werden. 1998 konnten auch einige Klettergeräte für die Kinder angeschafft werden.

Die Chefköchin Tatjana sorgt für das leibliche Wohl der Kinder. Das Essen ist gut und kräftig, und selbst in knappen Zeiten muß keiner Hunger leiden. Der Ausbau der Krankenstation konnte 1998 beendet werden. Bettlägerige Kinder können seither aus den normalen Gruppen herausgezogen und gesondert betreut werden.

Pflegebedürftige und Schwerstbehinderte werden bei Erreichen der Volljährigkeit entweder direkt in das Altenheim überwiesen oder, wenn dies möglich erscheint, in den Arbeitsprozeß des Heimes eingegliedert.

Seit 1993 gibt es eine Zusammenarbeit zwischen dem Kinder-Behindertenheim in Nordenburg, Kreis Gerdauen und verschiedenen deutschen Organisationen. Beteiligt an dieser Hilfe waren unter anderen die Heimatkreisgemeinschaft Gerdauen, die Evangelische Frauenhilfe des 3. Pfarrbezirks Ohligs. Gefördert wurde die Hilfe aber auch durch den Patenschaftsträger von Gerdauen, dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die Stadt Rendsburg hatte bereits 1996 alle Bürgermeister des Kreises Gerdauen eingeladen. Bei dem damaligen Treffen konnte unter anderem auch eine Übereinkunft über die weitere Förderung des Kinderheims in Nordenburg getroffen werden. Ein bereits seit 1994 bestehender eigener Haushaltsplan für das Kinderheim sorgt seitdem dafür, daß die Kosten bei den Etatplanungen von vornherein mit einbezogen werden.

Der vorerst letzte Hilfstransport aus Deutschland erreichte das Kinderheim in Nordenburg 1998. Die Hilfeleistungen mußten danach zunächst abgebrochen werden, weil die Schwierigkeiten mit dem russischen Zoll zu groß wurden. Die Hilfe läuft seit jener Zeit über stille private Hilfe, über Besuche und Geld. Es bleibt zu hoffen, daß sich die Zustände bei den Regelungen der Zollformalitäten bald wieder normalisieren, so daß eine vernünftige humanitäre Hilfe in das Königsberger Gebiet und nach Nordenburg wieder einigermaßen reibungslos ablaufen kann.

Margitta Romagno/HBvS