17.10.2021

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01.04.00 Das Februar-Wetter in der Heimat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 01. April 2000


Die letzte Schlacht des Winters
Das Februar-Wetter in der Heimat
Analysiert von Meteorolge Dr. Wolfgang Terpitz

Offenbach – Schon wieder ist ein sehr milder Winter aus Ostpreußen gezogen, der gleichzeitig reich an Niederschlägen war. Die kalten Witterungsabschnitte mit Dauerfrost beschränkten sich meist nur auf wenige Tage. Die strengen Fröste mit den Minima von minus 17,5 Grad am 25. Januar in Königsberg und minus 19,5 Grad in Allenstein zwei Tage davor konnten dem zahmen Charakter des Winters nichts anhaben.

Der äußerst milde und nasse Februar war ein Ebenbild dieses Winters. Der Frost beschränkte sich nur auf zehn (in Königsberg) bis 16 (in Allenstein) Nächte. Tagsüber herrschte meist Tauwetter. Nur in den Heidegebieten von Rominten und Johannisburg könnte es gelegentlich zu Dauerfrost gekommen sein. Bereits während der ersten beiden Wochen besuchte der Frühling die heimatliche Landschaft und leckte die letzten Schneereste, die der Januar hinterlassen hatte, fort. Dabei half ihm oft ein frischer und in Böen manchmal auch stürmischer westlicher Wind. Bis auf eine Ausnahme erreichten die Maxima Werte um 5 Grad. Am 6. und 7. Februar waren es sogar etwas mehr als 8 Grad. Auch manche Nächte erinnerten eher an einen späten März als an einen Hochwinter. Während dieser Zeit fiel fast täglich Niederschlag, bei dem kaum Schneeflocken gesichtet wurden. Eine leichte Schneedecke bildete sich erst am 13. Februar, und das auch nur für zwei Tage. Manche Gegenden gingen sogar leer aus.

Danach erlebte die Heimat für vier Tage ein trockenes und kaltes Wetter. Tagsüber stiegen die Temperaturen trotz Sonnenschein kaum über die Null-Grad-Marke. Während der klaren Nächte kam der Frost nach längerer Zeit wieder in Schwung. Im Binnenland wurden am 19. Februar minus 10 Grad gemessen, der Tiefstwert dieses Monats. In den Küstenregionen, z. B. in Königsberg, reichte es nur zum Minimum von minus 5 Grad. In der anschließenden weiterhin relativ kalten Witterungsperiode schneite es in manchen Gegenden wieder etwas. Es bildete sich jedoch, wenn überhaupt, nur eine sehr dünne Decke, die tagsüber durch Tauwetter noch größere Lücken erhielt. In Allenstein wurde es in den klaren Nächten zum 23. und 24. Februar um minus 9 Grad nochmals frostig kalt.

Bereits am Tag darauf hatte der Winter seine letzte Schlacht verloren und mußte dem Frühling das Feld überlassen. Das zeigte sich bei den Niederschlägen, die bald von Schnee in Regen übergingen und ebenso bei den Temperaturen, die nun den Frostbereich endgültig verließen. Als die Sonne für zwei Tage den Ton angab, stiegen die Temperaturen am 28. Februar auf 10 Grad. In Königsberg zeigten die Thermometer sogar 11,5 Grad. Dieser Wert war nicht nur das Maximum dieses Monats: er kam außerdem nahe an den bisherigen Wärmerekord heran, der für einen Februar der letzten 120 Jahre gilt. Dieser wurde – das ist noch gar nicht so lange her – am 12. Februar 1998 aufgestellt. Der Februar verabschiedete sich dann mit Schauern, sonst aber mit einer sehr milden und angenehmen Luft.

Insgesamt ähnelte der erste Februar dieses Jahrtausends eher einem milden März. Er war über alle Tage gesehen um durchschnittlich mehr als 4 Grad zu mild. Auch brachten die Niederschläge im ganzen Monat deutlich mehr Wasser in die Meßgeräte als gewöhnlich. Im Memel betrug der Überschuß 46 Prozent und in Elbing sogar 88 Prozent. Trotz alledem war auch die Sonne etwas mehr als sonst fleißig. Sie summierte ihre aktive Zeit auf etwa 80 Stunden.

Nun werden sich viele fragen, warum die Witterung im vergangenen Februar so mild und naß war. Die Antwort dazu gibt die Strömung in der Atmosphäre. Sie lenkte nämlich hauptsächlich westliche Luft nach Ostpreußen, die über dem zu dieser Jahreszeit verhältnismäßig warmen Wasser der Meere Energie aufgenommen hatte. Kontinentale Luft aus dem kalten russischen Raum, die sonst während des Winters häufig in die Heimat vorstößt, blieb diesmal völlig aus.