28.10.2021

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08.04.00 Nur "Groß-Bimbesse" überstehen die Globalisierung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. April 2000


Auf Inflationsverluste einstellen
Nur "Groß-Bimbesse" überstehen die Globalisierung

In den achtziger Jahren begannen die Großen des deutschen Geldgewerbes, sich für den "kleinen Mann" als Kunden zu interessieren. Deutsche, Dresdner und Commerzbank warben emsig um Kunden. Die Geworbenen waren dankbar und froh, in die heiligen Tempel des deutschen Geldadels zu kommen und an den Schaltern, wo Helmut Kohls Freunde ihr "Bimbes" in sechs- oder siebenstelliger Höhe einzahlten oder abholten, auch einen kleinen Barscheck für das Haushaltsgeld einreichen zu dürfen. Doch jetzt ist damit Schluß. Die Welt des Geldes wird wieder in Ordnung gebracht. Wer nicht mindestens 200 000 Mark in der Tasche hat, wird künftig als Kunde erst gar nicht mehr angenommen. Otto Normalverdiener muß sich dennoch nicht so aufregen. Für ihn bleiben die bewährten Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparkassen und nicht zuletzt auch die Postbank, wo Girokonten immer schon im Durchschnitt preiswerter geführt wurden als bei Großbanken, die sich jede Kontobewegung fürstlich honorieren lassen. Selbst die kleinste Dorf-Volksbank ist heute über ihr genossenschaftliches Spitzeninstitut an das sich weltweit drehende Finanzrad angeschlossen. Homebanking über Internet haben auch die kleinen Institute inzwischen. Wertpapiere sowieso lassen sich genausogut bei kleinen Banken kaufen und verkaufen.

Dennoch ist aus dem Verhalten der Geldwirtschaft Methode herauszulesen, denn es ist in Konsequenz nichts anderes als die Realisierung der von Kanzler Schröder ausgerufenen Gesellschaft der "Neuen Mitte".

Das sind jene Leute, die einen Haufen Geld haben – entweder geerbt oder mit Internet-Geschäften verdient. Der Rest der Bevölkerung, der normaler Arbeit nachgeht, gilt aus Sicht der "Neuen Mitte" ohnehin nur als Globalisierungsverlierer.

Und für die Neue Mitte mit den dicken Taschen spielt es keine wesentliche Rolle, ob der "Euro" fällt oder steigt. Immobilienvermögen überstand noch immer alle Inflationen und politischen Systeme. Auch Aktienbesitz war immer ein guter Schutz vor Geldentwertung. Und wer – richtig beraten – sein Geld vor Einführung des Euro in US-Dollar anlegte, hat seitdem einen guten Schnitt gemacht. Der Dollar, der vor über einem Jahr noch bei 1,30 DM stand, notiert jetzt bei 2,05 Mark.

Nur die sogenannten "kleinen Leute" sind bei diesen Finanzgeschäften naturgemäß überfordert. Sie befassen sich nicht genug mit der Materie, und hier wird auch der Pferdefuß des mittelständischen Bankensystems sichtbar: Die Mitarbeiter sind nicht so gut geschult wie die Deutschbankiers, sondern preisen der Kundschaft nur die Fonds an, die die Geschäftsleitung am liebsten verkauft: Produkte des eigenen Hauses oder der eigenen Bankengruppe. Daß ein dörflicher Kundenberater einer Volksbank rechtzeitig vor Einführung des Euro den Kunden Anlagen in amerikanischen Dollar empfohlen hat, wäre reiner Zufall.

So geht die Geschichte der Deutschbankiers aus, wie in der Vergangenheit schon oft notiert: Die Reichen und Großen bringen ihr Geld in Sicherheit und werden vermutlich noch reicher. Die einfachen Sparer dürfen sich indes auf Verluste einstellen: Denn erst sackt der Außenwert einer Währung ab, und dann sinkt der Binnenwert. Der Vorgang ist auch unter dem Namen Inflation bekannt. HL