28.10.2021

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08.04.00 Geschmückte Brunnen oder reich verzierte Eier künden vom nahen Osterfest

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. April 2000


Nach alter Tradition
Geschmückte Brunnen oder reich verzierte Eier künden vom nahen Osterfest

Ostern, eines der ältesten christlichen Fest, wird vielerorts in Europa noch nach alter Tradition gefeiert. In jedem Fall sind bunte Eier und jede Menge Süßigkeiten (vielleicht von Schwermer?) immer mit im Spiel! Die schönsten Brunnen findet man zu Ostern in Franken. Von Karfreitag bis etwa zwei Wochen nach Ostern werden sie prachtvoll mit Ostereiern oder frischen Blüten, mit Moos oder auch mit Buchsbaumzweigen geschmückt. Ein Brauch, der regionale Bedeutung hat, denn Wasser war in Franken, und hier besonders in der Fränkischen Schweiz, von jeher kostbar, da es in der wasserarmen Hochebene schwer war, an das begehrte Naß zu kommen. Nicht selten mußten bis zu 100 Meter tiefe Stollen gegraben werden! Aus diesem Grund entstand Anfang des 19. Jahrhunderts der Brauch, die Brunnen zur Osterzeit zu schmücken und so Dankbarkeit für das lebensspendende Element zu bekunden. Vor dem Schmücken wurden die Brunnen gereinigt. "Fegen" nennen es die Franken, was nichts anderes besagt, als daß früher der Brunnen einzige Wasserquelle für Mensch und Tier war, der zum Schutz vor Krankheiten rein gehalten werden mußte. Trotz modernem Wasserleitungssystem wird der Brauch bis heute hochgehalten und besonders engagiert in Engelhardsberg gefeiert. Hier findet man Fichtenbäumchen auf den Brunnen, die mit farbigen Eiern und Papierbüscheln ausgeschmückt werden. Ein fröhlicher Blickfang sind auch junge Birken (Maien) oder Tannenbäumchen, die über und über mit langen Ketten, voll mit bunten Ostereiern, behängt werden. Brunnenkronen, oft aus Buchsbaumkränzen gestaltet, sind die absolute Krönung beim fränkischen Brunnenschmuck.

Bunte Eier spielen auch in der Lausitz eine wichtige Rolle an Ostern. Das Ei als Symbol für den Ursprung allen Lebens wird in der Lausitz, wo heute noch rund 60 000 Sorben ihre Heimat haben, besonders kunstvoll verziert. Die am häufigsten angewandte Technik ist dabei die Wachstechnik, ähnlich der Batik in der Textilgestaltung. Mit Stecknadelköpfen und Gänsefedern wird geschmolzenes Wachs in geometrischen Formen und Ornamenten auf das zuvor gekochte oder auch das rohe Ei, das danach ausgeblasen wird, aufgetragen. Zuerst werden die Eier in verschiedenen Farben (unter 40 Grad C, sonst schmilzt das Wachs!) gefärbt. Um das Wachs nach dem Färben zu entfernen, wird das Ei über eine Flamme gehalten, später wischt man das flüssige Wachs mit einem Lappen ab. Damit das Ei Glanz bekommt, wird es mit einer Speckschwarte abgerieben.

Die Kratztechnik findet noch in Hoyerswerda und in der Niederlausitz vereinzelt Anwendung. Hier werden mit einem spitzen Gegenstand Muster in das gefärbte Ei geritzt. Die Muster sind sehr filigran und erinnern an das Blaudruckmuster sorbischer Trachten. Die Ätztechnik wird heute kaum mehr gepflegt. Mit verdünnter Salz- oder Salpetersäure werden über einen Gänsefederkiel oder über eine Stahlfeder Ornamente in das gefärbte Ei geätzt. Damit sich die Säure nicht in die Farbe frißt, muß sie nach einigen Strichen immer wieder weggewischt werden. Die geätzten Stellen erscheinen dann weiß. Diese verzierten Eier nennen die Sorben "gemalte Eier".

Übrigens: Ostern ist für die Sorben, ursprünglich ein slawischer Volksstamm, das größte Fest des Jahres. Gründonnerstag und Karfreitag herrscht demzufolge strengstes Arbeitsverbot. – In der nächsten Woche berichten wir über ostpreußisches Brauchtum in der Karwoche. pm