20.10.2021

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Suchen und finden
22.04.00 Die ostpreußische Familie extra

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. April 2000


Die ostpreußische Familie extra
Lewe Landslied,

es hat sich anscheinend herumgesprochen: Es gibt da eine Institution mit Namen "Ostpreußische Familie", die bewirkt wahre Wunder in der Familienzusammenführung und Ahnenforschung. Nicht anders kann ich es mir erklären, daß jetzt verstärkt Zuschriften kommen, die lediglich einige Namen enthalten, dazu die kurze Aufforderung, hierzu Angaben zu machen. Etwa so: "Fritz J. und Emmi J. früher wohnhaft in Allenstein. Erbitte Näheres über ihre Vorfahren." Deshalb müssen wir heute in unserer Extra-Familie, die sich wieder mit den großen Suchfragen beschäftigt, etwas ausführlich auf diese Wünsche eingehen.

Alte und treue Leserinnen und Leser des Ostpreußenblattes wissen, daß unsere Familienspalte keine offizielle Stelle für Familienforschung ist und deshalb auch keine entsprechende Kartei, kein Register besitzt. Wenn unsere Rubrik, die ein Leserdienst ist und sich mit dem breiten Spektrum der kleinen und großen Wünsche unserer Leserschaft befaßt, Fragen dieser Art bringt, dann erst, wenn Inserate und Nachforschungen bei den dafür ausgewiesenen Institutionen ergebnislos blieben. Wir veröffentlichen aus diesem Grunde heute ein Anschriftenliste einiger Einrichtungen, an die sich die Fragenden zuerst wenden können. Bitte heben Sie diese sorgfältig auf, damit Sie die Liste eventuell an andere Personen weitergeben können, falls diese entsprechende Wünsche haben. Sie entlasten unsere Familien-Redaktion damit erheblich.

Anders ist es mit den Fragen, die mit großer Wahrscheinlichkeit nur über unseren Leserkreis gelöst werden können. Wenn Zeitzeugen gesucht werden, die vielleicht über das ungewisse Schicksal von Verwandten und Freunden etwas aussagen können, wenn man Menschen wiederfinden will, die einem in schweren Zeiten geholfen haben, wenn man mit Nachbarn aus dem Heimatdorf in Verbindung treten möchte, wenn Unterlagen für Chroniken gesucht werden: Das alles und noch viel mehr gehört zu unserem selbstgewählten Aufgabengebiet.

Natürlich ist es manchmal sehr schwer, hier Grenzen zu ziehen, sie sind und bleiben fließend. Wir haben schon oft Ausnahmen gemacht, wenn wir aus den Schreiben ersehen, daß die Betreffenden sehr alt oder krank sind und vielleicht nicht mehr viel Zeit haben, breitgefächert zu suchen. Oder wenn es Landsleute sind, die bisher kaum die Möglichkeit hatten, nach Angehörigen zu forschen. Und das wird auch so bleiben. Und noch eins: Wir können im Rahmen unserer Familienspalte keine Fotos von den Personen bringen, die gesucht werden. Hier weise ich auf die Möglichkeit hin, im Ostpreußenblatt eine Anzeige aufzugeben.

So, nun aber los, sonst wird selbst in unserer Extra-Familie der Platz eng!

Bisher hat Ruth Suhr vergeblich nach ihren Angehörigen gesucht, nun hofft sie – wie alle, die mir schreiben – endlich einmal einen Hinweis zu bekommen. Frau Suhr ist eine geborene Jortzick und stammt aus Benkheim, Kreis Angerburg. In diesem Kreis liegt auch Paulswalde, wo ihre Verwandten wohnten: Flora Gudde, der Müller Otto Gudde und Ilse Thomas, geb. Gudde. Frau Suhr hat auf ihrem Fluchtweg die Familie Gudde am 24. Oktober 1944 zum letzten Mal gesehen. Diese flüchtete dann am 21. Januar 1945 nach Königsberg. Im Februar haben die Guddes bei Familie Pakruhn im Ahornweg 16 in Ponarth gewohnt. Das teilte Ilse Thomas am 13. Februar in einem Brief mit, der an eine Adresse in Dresden gerichtet war. Die Familie Jortzick kam nicht mehr aus Ostpreußen heraus, erst 1947 wurde sie von Heilsberg ausgewiesen. Bis dahin hatten die Jortzicks keine Ahnung, wer aus der Verwandtschaft die Schrecken überstanden hatte. Die Suche über das Rote Kreuz blieb erfolglos. Wer weiß, was aus der Familie Gudde geworden ist? Flucht über See – verschleppt – ausgewiesen? Lebt noch jemand von der Ponarther Familie Pakruhn und kann Auskunft geben? Für jeden noch so kleinen Hinweis wäre Frau Suhr dankbar, denn die Ungewißheit über das Schicksal ihrer Verwandten läßt sie noch immer nicht zur Ruhe kommen. (Ruth Suhr, Herrmann-Meyer-Straße 34 in 04207 Leipzig.)

Der nächste Suchwunsch kommt aus Australien, vermittelt von unserem langjährigen Leser Harry Spies. Er schreibt im Auftrag von Ingrid Linsenmeier, die Angehörige ihres Vaters sucht. Der Tischlergeselle Erwin Paul Kaffke aus Soginten, Kreis Ebenrode, * 16. November 1914 in Groß Soltikow, heiratete am 10. Mai 1940 in Gumbinnen die 1920 in Groß Uschballen geborene Hausangestellte Lydia Magdalena Mietzke aus Preußendorf, Kreis Gumbinnen. Die Ehe währte nur kurz, denn der Obergefreite Kaffke ging am 10. November 1941 mit seinem Schiff bei Kreta unter. Vielleicht leben noch Nachkommen aus der Familie des Vaters, dessen Eltern der Schmied Wilhelm Kaffke und Emma Minna, geb. Norkus, aus Soginten waren. Frau Linsenmeier würde sich freuen, von Familienangehörigen zu hören. (Ingrid Linsenmeier, 3 Adey Road, Blackwood, S. A. 5051, Australia.)

Auch Inge Bielitz ist Mittlerin eines Wunsches, der aus den USA kommt. Dort lebt eine Wehlauerin, die den kleinen, leicht gehbehinderten Schützling nie vergessen hat, den ihre Familie auf der Flucht in ihre Obhut nahm. Es war ein Nachbarskind der Familie Gedack, Siegfried Jurrat, * 1949/40, wohnhaft am Klosterplatz in Wehlau. Sein Vater, Kurt Jurrat, der in der Lederhandlung Buchholz in Wehlau, Am Markt, arbeitete, war damals Soldat. Die Familie Gedack nahm das Kind mit auf die Flucht bis in den Raum Berlin. Dort gaben sie es in ein Heim, weil sie es wegen seiner Behinderung nicht weiter auf den langen Fußmarsch zur etwa 40 Kilometer entfernten, von den Russen bestimmten Arbeitsstätte mitnehmen konnten. Kurt Jurrat konnte nach Entlassung aus der Gefangenschaft die Familie Gedack ausfindig machen und erhielt von dieser alle Informationen über den kleinen Siegfried. Leider ging durch öfteren Wohnungswechsel in der "SBZ" die Verbindung verloren. Nun möchte die in den USA lebende Angehörige der Familie Gedack gerne wissen, wie es Siegfried Jurrat ergangen ist, ob und wo er heute lebt. Auch nach 55 Jahren könnte es noch eine Spur geben, meint die Wehlauerin wie auch Frau Bielitz, an deren Adresse die Antworten zu richten sind. (Inge Bielitz, Reepsholt, Wendilaweg 8 in 26446 Friedeburg.)

Noch ein Suchwunsch aus den USA, diesmal direkt an uns gestellt von Irene Ursula Pheasant, geb. Hamm. Seit kurzem erhält sie Das Ostpreußenblatt, das ihr Mann heimlich für sie bestellt hat, und ist begeistert. Denn sie ist eine waschechte Ostpreußin, in Lötzen geboren, aber im Alter von drei Jahren nach Tilsit gekommen, wo die Eltern, Heinrich Hamm und seine Frau Auguste, geb. Paulat, ein sehr gut gehendes Fleisch- und Wurstwarengeschäft hatten. Das lag in der Stolbecker Straße, in der auch Schneidermeister Rutat wohnte. Seine Tochter Lieselotte war die beste Freundin von Irene Hamm, die sich als Nesthäkchen der Familie – Jüngste von vier Schwestern – an herrliche Kindertage in Tilsit erinnert. Vielleicht findet sie auf diesem Wege die Freundin aus ihrer Kindheit, Lieselotte Rutat. (Irene U. Pheasant, 120 Victoria Drive, Mechanicsburg, Pa. 17055-3526, USA)

Auf späte – aber hoffentlich nicht zu späte – Verwandtensuche geht Erika Hanff, geb. Dauter. Sie selber kann sich an niemanden erinnern, aber "… wie das so ist, im Alter besinnt man sich zunehmend auf seine Wurzeln, und dann ist niemand da, den man fragen kann". Nun, unsere Ostpreußische Familie ist nicht "niemand", also hofft sie auf eine Spur. Großvater August Dauter, * 1883 in Nonnenhausen bei Zinten, Kreis Heiligenbeil, war von Beruf Landarbeiter und in den letzten Kriegsjahren bei der "Muna" Stablack beschäftigt. Er war verheiratet mit Amalie, geb. Wolter, * 1887 in Sollnicken oder Tiefenthal, Kreis Preußisch Eylau. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Fritz, * 1910, und Martha, * 1912. Letzter Wohnort in Ostpreußen war Schnakeinen bei Kreuzburg. Nach der Flucht wohnten die Großeltern bei der Schwester von Amalie Dauter in Mentzhausen, Kreis Wesermarsch, dann bei Sohn Fritz in Köln, wo sie 1960 bzw. 1975 verstarben. Frau Hanff erinnert sich, daß "Ohmchen" damals Kontakt zu einer Verwandten des Großvaters hatte, die in Soltau wohnte. Auch daß August Dauter noch einen Bruder hatte, ist ihr bekannt – damit endet aber auch ihr Wissen. Na, vielleicht hilft wirklich unsere Familie weiter. (Erika Hanff, Bertha-von-Suttner-Straße 15 in 51067 Köln.)

An ihre Flucht erinnert sich Irmgard Löffler besonders intensiv, seit sie wieder "nach Hause" fahren kann – und das ist Insterburg, wo sie 1937 als Irmgard Pahlke geboren wurde. Jetzt möchte sie die letzte Lücke in ihrem Leben schließen und im Juli zusammen mit ihrem Mann und ihrer Cousine noch einmal den Fluchtweg abfahren. Sie sucht nun Schicksalsgefährten von den einzelnen Stationen des Trecks, aus dem außer "Irmchen" ihre Mutter Auguste Pahlke, geb. Maisak, deren Schwester Minna Kaselowski und ihr Mann Otto, der einen Arm verloren hatte, und die Cousinen Reni und Ingrid aus Mixeln, Kreis Gumbinnen, gehörten. Die Flucht begann am 21. Oktober 1944 und führte bis nach Hohenstein, von dort nach Goldbach, Kreis Mohrungen. Dort haben sie im großen Gutshaus den Einmarsch der Russen miterlebt. Zuerst ging es ihnen recht gut, da die Frauen für die russischen Offiziere kochen mußten, dann wurden sie in ein langes Haus eingewiesen, das so niedrige Wände hatte, daß der Onkel seine Uhr unter den Dachziegeln versteckte. Sie überlebten vor allem durch den Sirup, den die Frauen aus den unter Lebensgefahr besorgten Zuckerrüben kochten. Mitbewohnerin war eine Frau Schinz oder Schintz, die sich große Sorgen um ihren blutjung zur Wehrmacht eingezogenen Sohn Dieter machte. Sie schenkte Irmgard den einzigen Silberlöffel ihres Sohnes mit der Gravur DS, den Frau Löffler noch heute besitzt. Im November 1945 wurden die Flüchtlinge in einer großen Turnhalle, wahrscheinlich in Mohrungen, zusammengetrieben und in Viehwaggons nach Berlin verfrachtet. Irmgard Löffler fragt nun, ob sich andere Flüchtlinge an diese Orte erinnern, vor allem möchte sie wissen, was aus Frau Schinz und deren Sohn Dieter geworden ist. Weiter sucht sie die Familien Salokat und Pingel, die Mitbewohner des Hauses Salzburger Straße 21 in Insterburg waren. (Irmgard Löffler, Hasselstraße 176 in 42651 Solingen.)

Wer weiß etwas über Otto und Fritz Gelies, beide zwischen 1870 und 1880 in Kl. Bubainen geboren. Otto, der in Grünheide wohnhaft war, soll auf der Flucht mit Frau und Schwiegertochter bis in den Raum Marne gekommen sein. Dessen Sohn Otto ist in Rußland vermißt. Fritz Gelies hat wohl früher in Leipeninken gewohnt, bis 1945 mit seiner Frau in Kl. Bubainen. Er hatte zwei Söhne, von denen jede Spur fehlt. Der Neffe der Gesuchten, Fritz Gelies, würde sich freuen, etwas über seine väterliche Verwandtschaft zu erfahren. (Fritz Gelies, Schimmelmannstraße 53 in 22043 Hamburg.)

So, Landslied, das sind noch längst nicht alle Suchwünsche. Die anderen muß ich häppchenweise in unserer Wochenspalte verteilen. Und – so werdet Ihr fragen – wo bleiben die Erfolge? Ja, dafür muß wieder eine Extra-Familie reserviert werden, so viele sind es! Also noch ein bißchen Geduld!

Eure
Ruth Geede

milie