25.10.2021

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22.04.00 Kreisgemeinschaft Angerburg lud zur 42. heimatpolitischen Arbeitstagung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. April 2000


Kulturarbeit auf dem Prüfstand
Kreisgemeinschaft Angerburg lud zur 42. heimatpolitischen Arbeitstagung

Rotenburg (Wümme) – Gut besucht war die 42. heimatpolitische Arbeitstagung in Rotenburg (Wümme), zu der die Kreisgemeinschaft Angerburg gemeinsam mit dem Patenschaftsträger, dem Landkreis Rotenburg (Wümme), eingeladen hatte. Kreisvertreter Friedrich-Karl Milthaler konnte wie in den Vorjahren zahlreiche Teilnehmer aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland, unter ihnen mehrere Kreisvertreter und Vorsitzende der Landesgruppen sowie ihre Vertreter, mehrere Rotenburger Kreistagsabgeordnete und andere Rotenburger Gäste, willkommen heißen. Zum ersten Mal nahm die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft Mauersee aus Angerburg, Herta Andrulonis, an dieser Tagung teil. Sie sowie die ebenfalls anwesende zuständige Referentin der Johanniter für die Sozialstationen im südlichen Ostpreußen, Ingeborg Wandhoff, wurden mit besonderem Beifall begrüßt.

Nach den Grußworten von Kreisverwaltungsdirektor Walter Mertins vom Landkreis Rotenburg (Wümme), Pastor i. R. Hans Willenbrock und Schulrat Dr. Gernot Breitschuh vom Heimatbund Rotenburg (Wümme) gab Prof. Dr. Udo Arnold in seinem Referat "Kulturarbeit für Ostpreußen" einen Überblick über die Neubewertung und Fortsetzung der Kulturarbeit.

Der Referent – er ist Vorsitzender des Vereins Nordostdeutsches Kulturwerk und hatte 1993 eine mehrmonatige Gastprofessur in Thorn – sagte eingangs, daß seit dem Regierungswechsel vor einem Jahr die bisherige Arbeit, die Bewahrung der Kultur laut § 96 BVFG, auf dem Prüfstand stehe und neu bewertet werde. So werden die Stiftung Ostdeutscher Kulturrat in Bonn sowie die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Bonn ab 1. Juli 2000 keine institutionelle Förderung mehr erhalten, ebenso das Institut Nordostdeutsches Kulturwerk Lüneburg und der Adalbert-Stifter-Verein in München. Die beiden letzteren genossen wegen des grenzüberschreitenden Wissenschaftstransfers im In- und Ausland hohes Ansehen. Vom Bund institutionell unterstützt werden zur Zeit das Herder-Institut Marburg und das Institut Nordostdeutsches Kulturwerk.

Nach der Neukonzeption sollen überwiegend zwei Bereiche tragfähig ausgebaut werden: die museale Präsentation und die wissenschaftliche Arbeit. Jede große Geschichts- und Kulturregion solle ein Landesmuseum haben. Die Neuzuordnung werde allerdings noch viele Probleme bringen, wenn sie überhaupt durchführbar ist. Abschließend betonte Prof. Arnold, daß es gut sei, daß eine Neubewertung der Kulturarbeit jetzt und nicht erst in zehn Jahren vorgenommen werde, denn jetzt könne die Erlebnisgeneration noch ihre Überlegungen und Kenntnisse einbringen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion fehlte es nicht an kritischen Anmerkungen. So werde zum Beispiel überliefertes Brauchtum in allen Ländern nicht nur von der älteren Generation, sondern auch von jungen Menschen gepflegt. Ostpreußens Kultur sei auch ein Stück deutscher Kultur. Der Referent berief sich in seinen Antworten u. a. auf das veränderte Freizeitverhalten und die anderen Interessen der heutigen Generation.

Dies bestätigte auch Studienrat Jürgen Harmsen vom Ratsgymnasium Rotenburg in seinem Lichtbildervortrag über den Schüleraustausch zwischen Rotenburg und Angerburg. "Es ist nicht immer leicht, Schüler und Kollegen für eine Fahrt nach Ostpreußen zu motivieren", sagte er, "aber wenn sie erst das Land und den Segelsport auf den masurischen Seen kennengelernt haben, sind sie begeistert." Rund 3000 Schüler haben inzwischen von beiden Seiten an diesen Fahrten teilgenommen, und es sind viele gute Kontakte und Freundschaften entstanden.

In seinem Vortrag "Kulturarbeit in Ostpreußen" ging der Kreisvertreter von Lyck, Gerd Bandilla, auf den umfangreichen Einsatz der Kreisgemeinschaften in der Denkmalpflege ein und nannte eine erstaunliche Vielzahl durchgeführter Maßnahmen, an denen die Kreisgemeinschaften beteiligt sind. Im nördlichen Ostpreußen steht an erster Stelle der Wiederaufbau des Königsberger Doms. An vielen anderen Kirchen werden Renovierungsarbeiten durchgeführt, wie zum Beispiel in Arnau, Domnau und Friedland, Gerdauen und Groß Legitten. Für die Kirche in Wehlau wurden von der Kreisgemeinschaft 85 000 DM aufgebracht. In Gumbinnen wurde die Salzburger Kirche total restauriert. Für das Landstallmeister-Haus in Trakehnen hat die Kreisgemeinschaft Ebenrode 10 000 DM gespendet. Das Ännchen-Denkmal in Memel und das Hermann-Sudermann-Denkmal in Heydekrug wurden wiedererrichtet. Im südlichen Ostpreußen wurden in vielen Kreisen ebenfalls Kirchen renoviert. Darüber hinaus haben die Allensteiner die Nepomuk-Statue auf der Alle-Brücke neu erstellt und sind zur Zeit dabei, das frühere Finanzamt in Allenstein mit hohem Geldaufwand für die Deutschen Vereine zu renovieren. Die Lötzener haben für 30 000 DM ein Museum in der Feste Boyen eingerichtet. In Neidenburg wurde das Gregorovius-Denkmal rekonstruiert. Die Preußisch Holländer haben mindestens 40 000 DM in Steintor und Mühlentor investiert. Für den Erwerb des denkmalgeschützten Wasserturms in Lyck, in dem der Deutsche Verein seinen Sitz hat, hat die Kreisgemeinschaft Lyck 67 000 DM ausgegeben. Auch andere Kreisgemeinschaften haben bei zahlreichen Renovierungen mitgewirkt.

Darüber hinaus sind viele Kriegerdenkmäler wiederhergestellt worden, Gedenksteine wurden aufgestellt und im nördlichen wie auch südlichen Ostpreußen zahlreiche Soldatenfriedhöfe restauriert. Alle Baumaßnahmen wurden in guter Zusammenarbeit mit den russischen und polnischen Verwaltungsstellen durchgeführt und seien ein Werk der Völkerverständigung, betonte Bandilla. Um so bedauerlicher sei es, daß die deutschen Bundesministerien diese Arbeit nicht würdigen. Doch ungeachtet dessen würden die Kreisgemeinschaften ihre Arbeit in Ostpreußen fortsetzen.

Während der Tagung wurde eine weitere beispielhafte Kulturarbeit gezeigt. Gerhard Fischer aus dem Kreis Labiau, der in Rostock lebt, hat unter dem Titel "Ostpreußische Frauen und Männer im Dienst der Landwirtschaft" eine Sammlung von 630 Biographien erstellt, die er in Buchform zum Kauf anbot. Darüber hinaus hat er eine Tafelausstellung mit einem Extrakt seiner Sammlung geschaffen, die die Besucher im Heimatmuseum betrachten konnten. Das schon traditionelle Elchessen am Sonnabend abend gab schließlich allen Gelegenheit zum ausführlichen Gedankenaustausch. C. Felchner