25.10.2021

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06.05.00 Das März-Wetter in der Heimat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 06. Mai 2000


Aus dem Winterschlaf erwacht
Das März-Wetter in der Heimat
Analysiert von Meteorologe Dr. Wolfgang Terpitz

Offenbach – Sehr milde Luft und überreiche Niederschläge charakterisierten die Witterung der ersten beiden Monate dieses Jahres in Ostpreußen. Auch der vergangene März nahm diesen Charakter an und ließ es reichlich regnen. Schneefall hatte für die Gesamtsumme des Niederschlags nur wenig Bedeutung. Der Überschuß zum langjährigen Mittel betrug 80 bis 160 Prozent. Dabei war Königsberg mit einer Monatssumme von 96 Millimetern der nasseste Ort im Lande. Das schien ein Ausgleich für die größeren Defizite des März der vergangenen vier Jahre zu sein.

Die mittleren Temperaturen des ersten Frühlingsmonats ähnelten denen in der ersten Hälfte des April. Am mildesten war es mit 3,4 Grad wiederum in Königsberg. Dort wichen die Temperaturen vom Normalwert um 2,6 Grad ab. Der Grund dafür und auch für die Nässe waren Tiefausläufer, die hauptsächlich aus westlichen Richtungen den Weg nach Ostpreußen fanden.

Bereits am ersten Tag des Monats melden die Wetterstationen nach einer milden Nacht als Maximum 7 Grad. Aus Elbing wurde der Höchstwert von 9 Grad angegeben. Diese wurden in den folgenden Tagen jedoch nicht mehr erreicht. Am 5. März lagen sie nur noch bei 2 Grad. Auch gab es ab dem 3. März Nachtfröste, bei denen die Thermometer im Oberland schließlich minus 4,4 Grad zeigten. Mehrere Gründe waren dafür verantwortlich: Zunächst war es die dünne Schneedecke, die sich über manche Gegenden des Binnenlandes für zwei Tage gebildet hatte. Aber auch die trockene Luft trug dazu bei. In ihr lockerte sich die Bewölkung auf, so daß sie keinen Schutz mehr für die Abgabe von Wärme zum Weltraum hin bieten konnte. Anschließend folgten wieder drei sehr milde, aber unbeständige Tage ohne Nachtfrost und Temperaturen, die erneut 7 Grad als Höchstwerte erreichten.

Danach klopfte der Winter erneut an die heimatliche Tür und ersuchte um Einlaß. Durch den schmalen Spalt ließ er kalte Luft einfließen. Das reichte aber nur für Nachtfröste. Diese dauerten wiederum vier Tage und bescherten Allenstein am 12. März den Tiefstwert von minus 6,2 Grad. Immerhin breitete sich zwei Tage davor einige Stunden eine dünne Schneedecke aus. Für einen März ist solch eine Witterung immer noch als normal anzusehen.

Nach einem milden Tag mit intensivem Regen, der sich zum Beispiel in Elbing bis auf 16 Millimeter summierte, schaffte es der Winter, die Tür etwas weiter zu öffnen und für fünf Tage in der Heimat Fuß zu fassen. Schneefälle hüllten die Landschaft nach und nach in eine weiße Decke ein. In Elbing und Rastenburg wuchs sie schließlich bis auf 9 Zentimeter. Die Freude der Kinder, die nochmals ihre Schlitten herausgeholt hatten, wird jedoch ein klein wenig getrübt gewesen sein. Denn die leichten bis mäßigen Fröste beschränkten sich auf die Nächte, während am Tage für einige Stunden Tauwetter der Schneequalität zusetzte.

Pünktlich zum Beginn des astronomischen Frühlings, der diesmal wegen des Schaltjahres bereits am 20. März startete, räumte das einsetzende Tauwetter den Schnee innerhalb weniger Stunden fort. Es begann nun eine überwiegend freundliche Zeit, in der die Natur voll erwachte. Nicht nur Schneeglöckchen und Krokusse entfalteten ihre Blütenpracht, sondern auch Leberblümchen und erste Forsythien zeigten sich an sonnigen Stellen. Natürlich war auch die zwitschernde Vogelwelt erwacht. Die Temperaturen erreichten in der ersten milden Phase Maxima von 6 bis 9 Grad. Während der meisten Nächte herrschte kein Frost mehr. Nur zweimal wurde es nochmals kalt. So sank das Quecksilber in Allenstein unter einem funkelnden Sternenhimmel zum 25. März überraschend auf die Marke von minus 7,7 Grad, dem Tiefstwert des vergangenen Monats. Dafür stieg es während der letzten Woche des März tagsüber bis 10 Grad. In Elbing wurde am 27. März das Maximum von 13 Grad registriert. Der zeitweilige Regen am Tag darauf trübte den insgesamt freundlichen Witterungscharakter. Man kann sich vorstellen, daß nun auch die ersten Störche nach ihrer langen Reise aus Afrika ihre Nester erkundet haben.