28.10.2021

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13.05.00 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 13. Mai 2000


Die ostpreußische Familie
Lewe Landslied,

es geht wieder einmal um die Napoleonslinde in Senteinen bei Tilsit. Viel ist schon über sie geschrieben worden – so hat unser Landsmann Alfred Rubbel eine Schrift über Senteinen und den Drangowskiberg verfaßt –, aber Alfred Rubbel möchte noch mehr wissen. Trotz intensiver Recherchen, selbst im Napoleonmuseum im Invalidendom in Paris, ist es ihm nicht gelungen, Antwort auf seine Fragen zu finden. Herr Rubbel kennt die Linde von Kindheit an, denn sie steht im Nachbargarten seines Elternhauses. Er erinnert sich daran, daß etwa um 1930 die Linde ein mächtiger Baum war, von dem in der Schule gesagt wurde, daß er weit über 100 Jahre alt sei. In de 1993 in Tilsit erschienenen Buch "Von Sowjetsk nach Tilsit" von I. Rutman wird erwähnt, daß Napoleon höchstpersönlich die Linde pflanzen ließ. Der doppelstämmige Baum sollte die Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland versinnbildlichen. Aber selbst der Verfasser meint, daß dies wie eine Legende klinge. Und das dürfte sie auch sein. Wenn der Baum aber zwischen 1807 und 1813 gepflanzt wurde, wie man annimmt, dürfte wohl niemand das Andenken an den Korsen dort hochgehalten haben. Das meint Herr Rubbel und stellt nun seine Fragen an unsere Familie: "Wann wurde die Linde gepflanzt? – Zu welchem Anlaß geschah dies? – Wer hat die Linde gepflanzt?" Der Baum steht übrigens noch, allerdings knickte ein Sturm im Januar 1975 einen Stamm ab. Das Thema wird viele Leser interessieren, und ich bin genauso gespannt wie Herr Rubbel auf die Reaktion aus unserm Familienkreis. (Alfred Rubbel, Hinterm Bahnhof 6 in 27211 Bassum.)

Einen ganz besonderen Suchwunsch hat Arnold Kunze. Es geht um den in Königsberg geborenen Komponisten Otto Nicolai, dessen berühmtestes Werk die Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" ist. Der zu seiner Zeit hochgeehrte Musiker, der nicht einmal 40 Jahre alt wurde, war ein Vetter von Herrn Kunzes Urgroßmutter Kiepke. Sein Suchwunsch gilt nun der 1847 von Nicolai verfaßten Abhandlung über das Lied "Ännchen von Tharau", die in verschiedenen Veröffentlichungen über den Komponisten erwähnt wird. Wer kann Quellen nennen oder Hinweise geben, in welchen Archiven Herr Kunze fündig werden könnte. (Arnold Kunze, Eichendoffstraße 6 in 34537 Bad Wildungen.)

Und hier der Wunsch eines alten Herrn aus einem Seniorenheim in Mecklenburg, den das Schicksal einer ostpreußischen Flüchtlingsfamilie noch immer bewegt, vermittelt von unserm Leser Hans-Joachim Schmidt. Herr Lehnert ist gebürtig aus Danzig-Laubenthal. Im März 1945 flohen die Schwestern Korn aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, über das Frische Haff und fanden bei der Familie Lehnert Aufnahme, aber leider keinen Schutz vor der Roten Armee. Ein Russe wollte die eine der Schwestern, Mutter von fünf Kindern – vergewaltigen, als sie sich weigerte, schoß er ihr in die Stirn. Sie verstarb drei Tage später nach qualvollem Todeskampf im Bett des Herrn Lehnert. Das hat er nie vergessen, ebenso daß die älteste, damals 15jährige Tochter und die 80jährige Großmutter sich nicht wehren konnten. Die andere Schwester wurde mit ihren drei Kindern und denen ihrer toten Schwester bei der Räumung Danzigs nach Deutschland abtransportiert. Nun fragt Herr Lehnert, ob noch jemand von dieser Familie Korn aus Bladiau lebt und sich bei ihm melden würde. Herr Lehnert wohnt im Altersheim IDUNA, Strandstraße 42 in 18225 Kühlungsborn.

Eure
Ruth Geede