19.10.2021

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20.05.00 Das April-Wetter in der Heimat

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 20. Mai 2000


Von der Sonne verwöhnt
Das April-Wetter in der Heimat
Analysiert von Meteorologe Dr. Wolfgang Terpitz

Offenbach – Wie im Mai fühlte man sich im letzten Monat in Ostpreußen. Nicht nur die Temperaturen verwöhnten die Menschen, sondern auch die Sonne. Doch wir wissen: Der Kalender zeigte erst April. Nur selten war der vierte Monat des Jahres so warm wie der letzte. Genau genommen war seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1851 nur ein einziger April wärmer als der vergangene. Und das ist schon 82 Jahre her. Damals kam die Temperatur in Königsberg auf den Mittelwert von 12,2 Grad. Diesmal wurde 11,5 Grad als Temperaturmittel erreicht. Damit war der vergangene Monate etwa 5 Grad wärmer als gewöhnlich.

Auch die Sonne schien im letzten Monat wie im Mai. Das waren in der Gesamtsumme 260 Stunden und damit 100 Stunden mehr als sonst im April. So ist es nur verständlich, daß es im vergangenen April nur wenig geregnet hatte. Besonders trocken war es rund um das Kurische Haff, wo der sich Niederschlag nur bis auf 13 Millimeter summierte, was einem Defizit von 70 Prozent entspricht. Wenig feuchter war es in den anderen Gebieten der Heimat, wo das Defizit immer noch wenigstens 50 Prozent betrug.

Der vergangene Monat begann mit einer relativ kühlen Periode, die etwa zehn Tage dauerte. Bei meist geringen Luftdruckgegensätzen herrschten im Landesinnern leichte Nachtfröste. Am kältesten war es in Allenstein mit minus 5,6 Grad am Morgen des 10. April. Das war gleichzeitig das Minimum des gesamten Monats. Unterbrochen wurde die kühle Periode am 5. und 6. April, als ein atlantischer Tiefausläufer mit einem frischen Wind nach Ostpreußen eindrang. Nach milden Nächten stiegen die Temperaturen am Tage z. B. in Königsberg bis zu 17 Grad. Sonst lagen die Maxima während dieser Zeit deutlich niedriger. Die Niederschläge beschränkten sich in dieser Dekade nur auf wenige Stunden.

Ab dem 11. April war es mit den Nachtfrösten endgültig vorbei. Zunächst, d. h. eine Woche lang, wanderten innerhalb einer südwestlichen Höhenströmung Tiefs und ihre Fronten nordostwärts. Wiederholt benetzte ein milder Frühlingsregen das Land. Die Temperaturen stiegen nun auf 12 bis 18 Grad. In Elbing wurde am 17. April sogar das Maximum von 19,7 Grad registriert.

Schon bald konnte man über diesen erfreulichen hohen Wert nur noch ein Lächeln übrig haben. denn von nun an erreichten die Temperaturen bis zum Ende des Monats Tag für Tag Maxima, die deutlich über der 20 Grad-Marke lagen. Nur die Küstenstriche machten da manchmal eine Ausnahme. Die Witterung wurde fortan von Warmluft bestimmt, die bei geringen Druckunterschieden in einer südlichen Höhenströmung den Weg ins nordöstliche Mitteleuropa fand. Nur noch wenige Fronten gelangten nach Ostpreußen. Und wenn sie kamen, dann hatten sie kaum Niederschlag im Gepäck. Eine jedoch löste am Nachmittag des 22. April über Allenstein ein Gewitter aus. Das war aber eine Ausnahme. Sonst zeigten sich nur noch wenige Wolken am Himmel. So konnte die Sonne zur weiteren Erwärmung der Luft zusätzlich ihren Beitrag leisten. Vier bis sechs Sommertage mit Maxima von mindestens 25 Grad waren das Ergebnis. Ein besonders warmer und sonniger Tag war der 29. April. Verbreitet zeigten die Thermometer 27 Grad. Nur an den Küsten war es mit 25 Grad nicht ganz so warm. Der höchste Wert wurde aus Heydekrug gemeldet: 28,6 Grad! Dieses war wohl der wärmste Tag im Arpil seit 1851.

Man kann sich vorstellen, daß die Kirschen in voller Blüte standen. Man munkelt sogar, daß im Raum Elbing die ersten Apfelblüten gesehen wurden – drei Wochen früher, als es im Kalender steht.