28.10.2021

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27.05.00 GEDICHTE

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 27. Mai 2000


GEDICHTE

Der alte Prachermann
Von EVA PULTKE-SRADNICK

Prustend stieg aus Ostsees Wogen

Herrmann Proll, nicht angezogen.

Prüfend schaute er im Kreise,

grollend auf besond’re Weise,

nach dem fernen Fischerboot,

wo ein Mann mit Faust ihm droht.

Proll ist nur ein Prachermann,

proscht und bettelt, wo er kann,

schläft im Freien, mal am Strand,

wo er suchend Bernstein fand,

wäscht sich auch und geht mal baden,

ohne Bixen, wem soll’s schaden?

Dammlich nennt er drum den Fischer,

denn der riecht gewiß nicht frischer

als Herr Proll, der Prachermann.

Wütend ist er drum sodann,

hat er doch auch Hemd und Hosen

durch den Wellengang gezogen.

Glatt rasiert und wie geschniegelt,

wenn auch etwas ungebügelt,

tritt fröhlich er sein Tagwerk an:

Ei, Madamke,

hewwe Se nich e Dittke

färem arme Mann?

Und weil er so sauber ist anzuseh’n,

war der alte Prachermann

keinem unangenehm.

 

Original?
Von BRIGITTE LEGELER

Im Jahr 1902 übertrug ein Goethe-Verehrer dessen berühmtes Nachtgedicht

Über allen Gipfeln ist Ruh.

In allen Wipfeln spürest du

kaum einen Hauch.

Die Vöglein schweigen im Walde.

Warte nur, balde

ruhest du auch.

ins Japanische.

1911 übertrug ein französischer Verehrer japanischer Lyrik die Verse – in der irrigen Meinung, es handele sich um eine japanische Originaldichtung – ins Französische. Woraus sie schließlich ein deutscher Bewunderer fernöstlicher Lyrik ins Deutsche brachte:

Stille ist im

Pavillon aus Jade.

Krähen fliegen

stumm zu beschneiten

Kirschbäumen im Mondlicht.

Und sitze.

Und weine.

 

Sauerampfer
Von GERT O. E. SATTLER

Grüne Sauerampfersuppe

mochten alle Kinder sehr,

Omchen kochte Ampfersuppen,

jeder Teller wurde leer.

Sauerampfer wuchs an Äckern,

manchmal auch am Waldesrand,

hoch auf Dämmen, tief in Gräben

überall im Heimatland.

Omchen kochte Sauerampfer

angedickt mit Ei und Mehl,

saurer Sahne, süßer Butter,

Salz und Brühe ohne Fehl.

Ob im Frühling, ob im Sommer,

schön war Sauerampferzeit,

heute fehlt er in der Küche;

denn die Heimat liegt so weit.

 

Himmelsbilder
Von GÜNTER HAGNER

Schau ich hinauf in die Unendlichkeit,

ins tiefdunkle, blaue All,

weit oben das Meer der Sterne so weit,

wie der Sand am Meer, so groß ihre Zahl.

Ich ahne dich, du Zelt aller Sterne.

Du zeigst Dich erst,

wenn der Tag erlischt,

so nah – und doch in endloser Ferne,

wenn sich Tag und Nacht

allmählich mischt.

Wellenrauschend das wilde Meer,

Wolken ziehen darüber her

im Winde, der streifet den Sand,

der das Dünengras wedelt am Strand

un die Hitze, die schwere, mildert.

Tief zieht der Vorhang

der Wolken dahin,

in Formen sich neuernd,

in Fetzen verwildert,

grad’ wie er es wolle,

der herrische Wind.

Dazwischen Flecken des Firmaments,

das weite, unendliche Blau

läßt dem Auge für einen Moment

den Blick in die Ewigkeit frei, schau,

immer wieder aufs neue sich formend.

Hier schiebt sich gewaltig

ein Wesen hervor,

vier Beine, ein Schwanz,

am Kopfe ein Ohr.

Ist es ein Eisbär, so groß und so schwer?

Doch nein, jetzt sinds Schäfchen,

den Bär gibt’s nicht mehr.

Die Schäfchen ziehn weiter,

laufen eilig los.

Daher kommt ein Reiter

auf springendem Roß.

Jetzt stürzt er herunter,

aus dem Roß wird ein Fisch,

der kläglich, nicht munter,

ganz fern erlischt.

Herrliches Blau strahlt wieder herein,

milde Luft, klarer Sonnenschein.

Da nahet von links eine runde Gestalt,

schwer zu erkennen, doch formt sich bald

ein Wesen daraus, eine runde Figur.

Was kann das wohl sein, was ist das nur?

Jetzt kommt sie näher,

bildet recht deutlich

ein menschliches Wesen,

wahrscheinlich weiblich,

weil die Formen so üppig,

rund und drall,

wo immer es sein soll, nämlich überall.

Der Wind frischt nun auf,

zerreißt in Fetzen

die Himmelsbilder, läßt sie nur hetzen.

Eilig dahin wechseln

nun Bild und Gestalt.

Es dämmert schon, wird dunkel bald.

Das Himmelsschauspiel zu Ende geht,

Der Vorhang fällt – alles verweht.