20.10.2021

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03.06.00 Gedenken an den Maler Max Lindh aus Königsberg

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 03. Juni 2000


Rhythmus und Kraft
Gedenken an den Maler Max Lindh aus Königsberg

In seinen Schöpfungen ist Rhythmus und pulsierende Kraft ...", las man schon 1920 in einer frühen Kritik über die Arbeiten des Malers Max Lindh. Das Licht der Welt erblickte er am 1. Juni 1890 in der alten Krönungsstadt der preußischen Könige am Pregel, vor nunmehr 110 Jahren. Lindh besuchte zunächst die Präparandenanstalt, um Lehrer zu werden, verließ diese Einrichtung jedoch bald wieder und wurde Eisenbahnarbeiter, dann Geometer und schließlich technischer Zeichner bei der Königsberger Stadtverwaltung. Nebenher besuchte er die Kunst- und Gewerkschule seiner Vaterstadt, wo er sich vornehmlich mit Schriftzeichnen und Plakatgestaltung beschäftigte (1917–1918).

Der damalige Bürgermeister Königsbergs, Dr. Carl Goerdeler, lernte durch Zufall die Arbeiten Lindhs kennen und förderte fortan den jungen Mann; dieser konnte daraufhin die Kunstakademie in Königsberg besuchen, wo er Schüler von Professor Arthur Degner wurde (1919–1924).

Nach einem Studienaufenthalt in Italien läßt Max Lindh sich in Königsberg nieder, wo er von 1924 bis 1930 als freischaffender Maler lebt und arbeitet. In diese schwere Zeit fällt auch die Gründung des "Notbundes freier bildender Künstler in Königsberg/Pr.", an der Max Lindh maßgeblich beteiligt war. In dieser Vereinigung, die sich als Gegengewicht zu anderen eher wirtschaftlich orientierten Künstlergemeinschaften verstand, fand man so bekannte Maler und Graphiker wie Eduard Bischoff, Karl Eulenstein, Alexander Kolde, Erich Behrendt, Charles Girod und Gertrud Lerbs. In der Zeit von September 1924 bis September 1932 führte der Verein acht Ausstellungen durch, die von der Kritik wohlwollend bis anerkennend betrachtet wurden.

Von 1928 bis 1930 besucht Max Lindh die Universität seiner Vaterstadt und studiert bei Professor Worringer Kunstgeschichte. Von 1930 bis 1934 wirkt er als Kunsterzieher in Ostpreußen, bis er an die Hochschule für Lehrerbildung im pommerschen Lauenburg berufen wird. Dort erhält er 1937 den Professorentitel. 1945 verlor auch Professor Max Lindh den größten Teil seiner Arbeiten durch Kriegseinwirkung und mußte wie Hunderttausende seiner Landsleute die Heimat verlassen. Einige Zeit lebte er in Schwerin, bis er 1946 an die Universität Rostock berufen wurde. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1955 und wirkte als Direktor des Instituts für bildende Künste und Kunsterziehung. 1952 übernahm er die Leitung des Ateliers im Institut für Kunstgeschichte. Diese Professur an der Philosophischen Fakultät war mit einem Lehrauftrag für "Technologie der Kunst und künstlerisches Zeichnen" verbunden.

Schon früh begann Max Lindh auch wieder zu malen. Ein Neubeginn mußte geschaffen werden, und so erinnerte er sich an die erste Zeit nach dem Krieg: "Es ist für einen Maler, der seine Bilder verloren hat und dabei in eine andere Umgebung kommt, nicht ganz leicht, wieder von vorn anzufangen. Doch Fleiß und genügende Tatkraft können bald neue Werke entstehen lassen, die dem Betroffenen ,das Gesicht‘ wiedergeben ..."

Tatkraft und Fleiß und gewiß auch die unbezwingbare Energie eines Ostpreußen waren dazu angetan, daß bald wieder Bilder entstanden, die man auf Ausstellungen bewundern konnte.

1958 zog Max Lindh nach Eichwalde bei Berlin, 1961 nach Berlin- Hermsdorf; dort starb er zehn Jahre später, am 14. Januar 1971.

Verträumte masurische Seen, tiefe Wälder, weite Felder, Strand, Moor und Nehrung, das sind die Landschaften, die Max Lindh mit dem Pinsel festhielt; Landschaften, von denen die Kritik sagte, sie seien keineswegs groß, sondern eher "phrasenlos, aber mit ganz sicherem Gefühl ist mit der Farbe der Zauber des Naturgeschehens über sie gebreitet".

Über die Bedeutung der Farbe in der Malerei hat Max Lindh, der neben seiner Kunst auch eine Reihe von theoretischen Schriften der Nachwelt hinterlassen hat, so unter anderem über "Die Malerei der Gegenwart und die Jugend", "Über die Malweise unserer Meister" und "Beitrag zur Gesetzmäßigkeit der einfachen bildhaften Gestaltung", einmal gesagt: "Farben sind Wunder des Lichtes, ,sie sind Taten des Lichts, Taten und Leiden‘. Diese Worte Goethes machen uns bereit, den Reichtum der Farbe, den wir als etwas Alltägliches hinzunehmen gewöhnt sind, einmal bewußt auf uns wirken zu lassen." Farbe in unsere Welt hat auch Max Lindh mit seinen Arbeiten gebracht, Bilder mit Motiven, die auch die Seele des Künstlers einst zum Klingen gebracht haben. "Er verwandelt den Klang ins Bild, das nun als farbiger Abglanz auf die Tiefe und den Glanz der Unwirklichkeit hinweist, die nie zu fassen ist, zu der hin aber der Künstler unsere Sehnsucht erweckt ..." Silke Osman