20.10.2021

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03.06.00 Preußische Königsschlösser – Wertvoller Nachdruck

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 03. Juni 2000


Auch in Zukunft bedeutsam
Preußische Königsschlösser – Wertvoller Nachdruck

Am 18. Januar 1701 krönte sich der Kurfürst von Brandenburg in der Kapelle des Schlosses zu Königsberg (Pr) zum König Friedrich I. in Preußen. Des 300. Jahrestages dieses bedeutenden Ereignisses in der deutschen Geschichte wird im nächsten Jahr in zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen gedacht.

Das Bild Preußens mit seinen sozialen, wirtschaftlichen und militärischen Erfolgen ist ohne die Einbeziehung seiner oft in den Hintergrund tretenden höfischen Architektur unvollständig. Diese Lücke füllt der Nachdruck eines Buches aus dem Jahre 1926 aus (Hermann Schmitz: Preußische Königsschlösser, Gebr. Mann Verlag Berlin. 172 Seiten, 72 Außen- und Innenaufnahmen, Zeichnungen und Grundrisse, 168 DM). Nach einem geschichtlichen Überblick über die Bauten, deren Bedeutung und Charakter beschreibt Hermann Schmitz in anschaulicher und allgemeinverständlicher Weise Schlösser und Palais der Könige und des Hofadels, teilweise in einer Ausführlichkeit, die bei dem für die Materie vergleichsweise geringen Umfang des Buches nicht zu vermuten ist. Selbst die zugehörigen Gärten und Parkanlagen wie auch die Innenausstattungen der Räume werden gewürdigt; es versteht sich von selbst, daß Mobiliar und Dekoration nur am Rande erwähnt werden. Aufnahmen und Zeichnungen im Anhang ergänzen den Text. Aus heutiger Sicht hätte man sich mehr davon gewünscht.

Dem Leser begegnen die Namen der genialen Baumeister Preußens wie Gilly, Gontard, von Knobelsdorff, Langhans, Persius, Schinkel, Schlüter. Es werden auch Schlösser vorgestellt, die bereits 1926 nicht mehr existierten, natürlich auch solche, die in den Terrorangriffen im Zweiten Weltkrieg zugrunde gingen, wie die Stadtschlösser von Berlin und Potsdam, deren Ruinen von den Machthabern der DDR restlos beseitigt wurden. Das Buch hat daher nicht nur einen dokumentarischen Wert, sondern ist auch vor dem Hintergrund der Diskussionen über den Wiederaufbau dieser Schlösser aktuell.

Weil trotz des irreführenden Titels nur Bauten in Berlin und der Mark Brandenburg dargestellt werden, sucht der Leser vergebens einen Beitrag über das bedeutende Königsschloß in Königsberg (Pr), das neben Berlin die zweite Residenz der preußischen Könige war.

Wenn der Verfasser die Forderung erhebt, die preußischen Königsschlösser im Interesse der künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit zu pflegen und zu bewahren, so hat er nicht ahnen können, daß bereits am 1. April 1927 die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten gegründet wurde, die sich auch heute noch der Bewahrung des Nationalgutes und der Erschließung der Anlagen für die breite Öffentlichkeit verpflichtet fühlt.

Mit einem Nachwort zur Neuausgabe liefert Goerd Peschken, exzellenter Kenner der Geschichte des Berliner Schlosses, Informationen zum Lebensweg des Verfassers. Hermann Schmitz hat ein meisterliches Werk über die Schloßarchitektur Preußens geschaffen, das auch in Zukunft seine Bedeutung haben wird. Wilhelm Ruppenstein