17.10.2021

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17.06.00 Konzert zum 100. Geburtstag von Herbert Brust

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 17. Juni 2000


Ovation an die Heimat
Konzert zum 100. Geburtstag von Herbert Brust

Eine Woge schien das Publikum zu erfassen, als zum Abschluß des Konzertes das Ostpreußenlied erklang. Gemeinsam erhoben sich alle und stimmten mit ein, viele hatten Tränen in den Augen. Es war ein anrührender Schlußakkord nach dem schönen Konzert anläßlich des 100. Geburtstages von Herbert Brust in der Halle 2 des CCL in Leipzig.

Die gelungene Hörfolge bot einen harmonischen Wechsel zwischen Wort und Lied. Martin Winkler, Sprecher des Rosenau-Trios, gab in eindrucksvollen Worten das Leben des Komponisten des Ostpreußenliedes wieder. Zwischendurch boten Holger Bornschier, ebenfalls vom Rosenau-Trio, der Chor des Kulturkreises Simon Dach unter der Leitung von Ingrid Labuhn und das Baumann-Quartett Stücke dar, zu denen Brust die Melodien komponiert hatte. Holger Bornschier zog die Zuhörer mit seinem schönen Bariton in den Bann. Er ersetzt den bekannten Gründer des Trios, Willy Rosenau, der im November 1999 verstarb. Auch Helga Becker-Winkler, Nummer drei im Trio, überzeugte mit ihrem gekonnten Klavierspiel das Publikum. So waren die ostpreußischen Fischertänze voller beschwingter Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Andere Stücke wiederum, wie etwa "Abendmusik vom Schloßturm" oder "Sternensegen", voll empfindsamer Tiefe. Kennzeichnend für Brust war stets seine große Liebe zur Natur und zur ostpreußischen Heimat. Seine Musik, von der sanften Melancholie der Landschaft erfüllt, trägt die Tiefe und Ruhe Ostpreußens in sich. Bei der dargebotenen Komposition "Bauernspruch", meinte man förmlich den mit Pferd und Pflug arbeitenden Bauern – über weite Felder schreitend – zu sehen. Gewiß tauchten vor manch innerem Auge die unendliche Weite des Landes, mächtige Wolkentürme und klare Seen auf. Das alles verstand der Künstler in seine Musik zu legen. So hat er, indem er die Ewigkeit der Landschaft nachempfand, selber etwas Ewiges geschaffen. Unvergeßlich ist der Komponist mit dem Oratorium "Ostpreußenland" geworden, denn das Ostpreußenlied bildet den Schlußchor dieses Werkes. Es ist zur Hymne der Ostpreußen geworden, und überall, wo Ostpreußen sich treffen, erklingt diese Melodie. Brust selber sagte: "Es ist eine Gnade, daß ich diese Weise fand."

Der 1900 geborene Musiker studierte nach einer Ausbildung in Königsberg Orgel und Komposition in Berlin. In den 30er Jahren entstand die bekannte "Bernsteinkantate". Später, nach Flucht und Vertreibung, wurden seine Werke noch inniger und schwerer, ja reifer, denn das Leid des Krieges machte auch vor dem Künstler keinen Halt. Sein ältester Sohn Botho fiel im Krieg. Die Familie mußte sich im Westen in der Nähe von Bremerhaven ein neues Zuhause schaffen. In seiner Musik fand Brust ein Ventil für seinen Schmerz, was besonders in den Liedern "Heimweh" und "Mein Heimatdorf im Schnee" deutlich wurde. 1968 verstarb der Musiker, der bis zu seinem Lebensende sein Ostpreußenland besungen hat.

Zum Abschluß betrat Munin Brust, der jüngste Sohn des Komponisten, die Bühne und bedankte sich bei den Künstlern und bei der Landsmannschaft Ostpreußen für das ihn besonders bewegende Konzert.

Die Veranstaltung war nicht allein eine Ehrung für Brust. Weil dessen künstlerisches Schaffen stets der Heimat galt, wurde das Konzert auch zu einer Ovation für Ostpreußen. Caroline v. Gottberg