17.10.2021

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17.06.00 Ausstellungen: Die Landwirtschaft in Ostpreußen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 17. Juni 2000


"Kornkammer des Reiches"
Ausstellungen: Die Landwirtschaft in Ostpreußen

Daß Ostpreußen ein agrarisch orientiertes Land war, merkte man in Leipzig nicht zuletzt an den verschiedenen Ausstellungen, die die Besucher in großer Zahl anzogen. Die Ostpreußische Herdbuchgesellschaft war eine der angesehensten landwirtschaftlichen Institutionen der Provinz. In ihr schlossen sich im Jahre 1882 fortschrittliche landwirtschaftliche Betriebe zusammen und gründeten einen Rinderzuchtverband. Initiator war der damalige Generalsekretär des "Königsberger Landwirtschaftlichen Zentralvereins", Ökonomierat Kreiss, der vorschlug, aus Holland und Ostfriesland eingeführte Rinder systematisch weiterzuzüchten und in einem Zucht- oder Herdbuch ihre Abstammung zu registrieren.

Die Rinderzucht war eine der tragenden Säulen der ostpreußischen Landwirtschaft. Vor dem Krieg trug die Rindviehhaltung zu 51 Prozent zum Wert des Exportes der landwirtschaftlichen Erzeugnisse bei, 27 Prozent Schweine, das Getreide nur zu 14 Prozent, und die weltberühmte ostpreußische Pferdehaltung trug sogar nur 5,5 Prozent der Einnahmen bei. Ein sehr schöner 54seitiger, hübsch illustrierter Katalog von Wilhelm Brilling ergänzt die Ausstellung in hervorragender Weise. (Bezug: Ostpreußische Herdbuchgesellschaft e.V., Im Wolfer 17, 70599 Stuttgart-Plieningen, Preis: 10 Mark)

"Kornkammer des Reiches", so wurde Ostpreußen vor dem Krieg zu Recht genannt. Nicht nur, daß man sich dort – im Gegensatz zu heute – selbst versorgte, man konnte sogar noch einmal dieselbe Menge ausführen. Daß dies möglich war, dazu trugen unter anderem die jahrhundertelangen Meliorationen bei. Denn der Boden war durchaus im Durchschnitt nicht überall von ausgezeichneter Qualität. Ostpreußen hat im Laufe der Zeit eine große Anzahl von ausgezeichneten Landwirten hervorgebracht, die den Ruf dieses Landes als führender Agrarproduzent begründet haben. Solchen Frauen und Männern hat der aus Labiau stammende Gerhard Fischer, Rostock eine Ausstellung gewidmet. Er hat eine beeindruckende Anzahl solcher Persönlichkeiten zusammengestellt, die seit neuestem auch in Buchform zu erwerben ist (Bezug über G. Fischer, Schwaaner Landstraße 24 a, 18059 Rostock, Preis: 39,50 Mark).

Auch den Ostpreußischen Skudden und den Rauhwolligen Pommerschen Landschafen war eine kleine Ausstellung gewidmet. Ohne die Fürsorge und Kenntnis der Landsleute wären diese beiden Rassen sicher längst untergegangen, denn weder in Ostpreußen noch in Pommern gibt es heute noch Exemplare von ihnen. Dabei findet ihre Wolle zunehmend Freunde und Abnehmer. In einer einzigartigen Aktion eines deutschen Schafzuchtverbandes werden die Wollen der Skudden von der Ostsee bis zu den Alpen wieder zusammengebracht und zu erstklassigen Tuchen verarbeitet. Der Zuchtverband hat darüber hinaus auch den eigenen Vertrieb der Tuche und Strickwollen dieser ostdeutschen Landschafrassen übernommen. (Informationen über: Zuchtverband Ostpreußische Skudden und Rauhwollige Pommersche Landschafe e.V., Auf der Heide 3, 53343 Niederbachem.) Hans B. v. Sothen