17.10.2021

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17.06.00 Stunde der Ostpreußischen Familie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 17. Juni 2000


Stunde der Ostpreußischen Familie
Persönliche Gespräche mit Ruth Geede brachten Erstaunliches zu Tage

Lewe Landslied, eck dank ook scheen – so möchte ich noch einmal zu allen sagen, die in Leipzig zur "Stunde der Ostpreußischen Familie" kamen und die nicht nur den Saal bis zum letzten Platz füllten, sondern auch leider vor der Türe bleiben mußten. Mit solch einem Zustrom hatten wir wirklich nicht gerechnet, zumal der Termin ja zeitlich sehr früh im zweitägigen Programm angesetzt worden war. Es tut mir leid, und ich möchte vor allem diesen Landsleuten Dank sagen und hoffen, daß sie ihre Enttäuschung in Leipzig gelassen haben. Ein besonderer Gruß gilt jenem Niddener, der nicht mehr Einlaß fand, und ich bitte ihn, mir seine Anschrift mitzuteilen.

Dank möchte ich vor allem unserer Bundesfrauenleiterin Uta Lüttich sagen, die unsere Familienstunde mit so herzlichen Worten einführte, daß es keinen Brückenbau mehr zwischen meinen Zuhörern und mir benötigte. So wurde diese Stunde wirklich zu einem Zusammenfinden, was sich auch aus den vielen Gesprächen ergab, weniger am Mikrofon, mehr direkt von Mensch zu Mensch, weil es ja auch um sehr persönliche Fragen ging. Die wurden am Sonntag vormittag am Stand der Redaktion des Ostpreußenblattes weitergeführt und intensiviert.

Da kamen schon erstaunliche Dinge zu Tage. Vor allem erfuhr ich von einem Landsmann, daß er mich bereits vor drei Jahren auf der Fähre von Memel nach Sandkrug kennengelernt und mit mir lange Gespräche geführt hätte. "Aber Sie sehen jetzt so ganz anders aus!" staunte er, womit er absolut Recht hatte, denn ich war nie auf der Fähre gewesen. Es gibt anscheinend eine "Möchte-gern-Doppelgängerin", die sich als Ruth Geede ausgibt. Meine Frage jetzt an Sie, liebe Leserinnen und Leser: Sind Sie meinem selbsternannten zweiten Ich auch schon einmal begegnet? Es würde mich wirklich interessieren, wer sich dahinter verbirgt.

Eine ganz besondere Überraschung bereitete mir ein Besucher, der mir einen schönen Ring zeigte, den er am Finger trug, und mich fragte: "Was meinen Sie wohl, was das für ein Ring ist?" Ich ahnte es, und es stimmte: Es ist jener Ring, den ein russischer Offizier in Kreuzburg fand und den er einem Ostpreußen anhängte, der seine Heimat besuchte, mit der Bitte, den rechtmäßigen Besitzer zu finden. Aber wie den suchen, wenn es als einzige Anhaltspunkte nur die Gravur auf der Innenseite des Ringes gab, die den Namen "Hilla" und das Datum "24. 12. 42" trug? Es stand ja nicht eimmal fest, ob es ein Ostpreuße war, der den Ring von "Hilla" geschenkt bekam. Das Wunder geschah: Über die ostpreußische Familie fand sich die Tochter des Mannes, der ihn verloren hatte. Der damalige Unteroffizier Otto Albat ist leider seit Januar 1945 vermißt, wahrscheinlich hat er bei den Kämpfen in Ostpreußen den Ring verloren, und seine Frau Hilla lebt auch nicht mehr. Aber seine Tochter Hildegard Eising war glücklich, den Ring zu erhalten. So kam er nach einem halben Jahrhundert in die richtigen Hände – im wahrsten Sinn des Wortes, denn Herr Eising trägt ihn jetzt mit Stolz und brachte ihn nun nach Leipzig mit, um ihn mir als Beweisstück zu zeigen.

Es kamen überhaupt viele Leserinnen und Leser zu mir, denen unsere Familie im Laufe der Jahre geholfen hatte, um noch einmal persönlich zu danken und mir auch von Erfolgen zu erzählen, die mir leider nicht mitgeteilt wurden. Na ja, spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. Ich sammele sie wieder für eine Extra-Familie. Nur von einem, der sich anbahnt, will ich noch berichten. Es handelt sich um jene Ostpreußin, die als Kleinkind wahrscheinlich ihre Mutter durch Beschuß in Königsberg verloren hatte, in ein russisches Kinderheim kam, später in Mitteldeutschland adoptiert wurde und die seit dem Mauerfall nach ihrer Herkunft suchte, da auch der Vater nicht bekannt war. Wir haben uns bemüht, den Spuren in unserer "Ostpreußischen Familie" nachzugehen. Sie selber suchte unermüdlich, und es kristallisierte sich heraus, daß ihre Familie nicht aus Königsberg, wie in den russischen und später deutschen Papieren des Waisenkindes angegeben, stammte, sondern aus dem Memelland, und sich doch konkrete Spuren abzuzeichnen begannen. Diese Ostpreußin war auch auf dem Deutschlandtreffen, wir fanden uns leider nicht zusammen, aber sie hinterließ mir einen Zettel: "Herzliche Grüße. Ich fahre demnächst in das Memelland und hoffe, daß da meine Spurensuche (erfolgreich?) beendet wird." Wir hoffen es auch, und vielleicht kann ich bald wieder von einem jener "Wunder" berichten, die eigentlich keine sind, weil sie mit unendlicher Mühe und Geduld aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden.

Ob das allerdings in dem Fall möglich sein wird, von dem mir eine Ostpreußin berichtete – sie hat auf der Flucht gesehen, daß ein verlassener, am Straßenrand im Schnee liegender Säugling von einer Litauerin mitgenommen wurde –, ist doch sehr zweifelhaft. Ich konnte in der Kürze der Zeit und bei dem Besucherandrang leider nichts Näheres erfahren und mußte die Dame bitten, mir dies schriftlich mitzuteilen.

Danken möchte ich allen lieben Landsleuten, die mir in Leipzig persönlich zu der hohen, ja höchsten ostpreußischen Auszeichnung, dem Preußenschild, gratulierten. Es kam wirklich für mich gänzlich überraschend, und ich danke noch einmal Herrn v. Gottberg und dem Vorstand der Landsmannschaft für diese Verleihung, mit der ich ja auch für den "unermüdlichen Einsatz für die ostpreußischen Landsleute" ausgezeichnet wurde. Und da ist ja auch unsere "Ostpreußische Familie" mit eingeschlossen.zu Tage