28.10.2021

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01.07.00 Sprachschutz: Wo bleibt eigentlich die Politik?

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 01. Juli 2000


Gedanken zur Zeit: Wadde hadde Ding Dong ...
Sprachschutz: Wo bleibt eigentlich die Politik?
Von Wilfried Böhm

Die Sprachschützer machen mobil. Innerhalb von gut zwei Jahren sind zehntausend Mitglieder dem Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) beigetreten, der von dem Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund Walter Krämer brillant und einfallsreich geführt wird.

Krämer, der unlängst beim Piper Verlag ein "populäres Lexikon" unter dem Titel "Modern Talking auf Deutsch" herausbrachte, hat keine Scheu, bei all denen anzuecken, die sich befleißigen, ihre – meist nur in Spurenelementen vorhandene – Intelligenz durch den Gebrauch von Anglizismen beweisen zu wollen, um modern, global und bedeutend zu erscheinen. Wo die deutsche Sprache zu "Denglisch" verkommt, die eigene Sprache und Kultur bewußt und unbewußt verleugnet wird, findet Krämer das nur "affig, peinlich und dumm" und er hat absolut recht damit. Ein Beispiel aus Krämers Buch: Die Aufforderung der Parfümeriekette Douglas AG "Come in and find out" interpretiert er als "Aufforderung zu einem Geschicklichkeitsspiel für die Kunden: Wer zuerst aus dem Laden wieder herausfindet, hat gewonnen. Der Tagessieger erhält zwei Proben Duft der großen weiten Welt und darf sieben Jahre kostenlos den After shaven".

Der VDS ist erfrischend unprofessionell und gerade das ist das Geheimnis seines bisherigen Erfolges. Während andere Vereine und Gesellschaften, die sich vom Namen her der deutschen Sprache verpflichtet fühlen müßten, sich "einen feuchten Kehricht" um die Sprachzerstörung durch Anglizismen kümmern, aber dicke öffentliche Subventionen einstreichen, lebt der VDS von den Beiträgen seiner Mitglieder und Spenden – eben eine echte Volksbewegung, wie sie auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint. Bundespräsident, Bundesregierung, Kultusminister und Parteien hingegen haben das Problem offensichtlich noch nicht erkannt. Die Parteien geben sich statt dessen dem "Modern Talking" hin, zum Beispiel, wenn der Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers unter www.ruettgers4u.de mit "this soap was made today" für sich wirbt. Prompt handelte sich Rüttgers dafür den Platz 1 der Kandidatenliste des VDS für den Titel "Sprachenpanscher des Jahres" ein, mit dem der Verein diejenigen auszeichnet, die sich beim "Modern Talking" besonders profilieren.

Die SPD hingegen tastet sich jetzt vorsichtig an die Sprachproblematik heran. In einem Brief an den Bundespräsidenten schieben ihre beiden Bundestagsabgeordneten Michael Müller und Eckhardt Barthel zwar ein halbes Dutzend Universitätsprofessoren vor sich her und kleiden ihre Initiative politisch korrekt in ein europäisches Anliegen, aber immerhin bitten sie den Bundespräsidenten, "der Bewahrung der kulturellen Identität unter den Bedingungen der Globalisierung" seine Aufmerksamkeit zu schenken, und beobachten dabei mit Sorge die "Verdrängung der deutschen Sprache, besonders in prägenden Bereichen wie Werbung, Wissenschaft, Selbstdarstellung von Unternehmen oder in technischen Beschreibungen".

Andere europäische Staaten handeln hingegen entschlossen. Frankreich schützt seine Sprache mit einem Gesetz, Polen erließ unlängst ein "Gesetz über die polnische Sprache" und in Rußland wird ein solches vorbereitet. In Deutschland mehren sich seit dem aktiven Auftreten des VDS zwar die meistens wohlwollenden Berichte und Kommentare zum Sprachproblem in den Medien, einige "Intelligenzblätter" mokieren sich jedoch eher über diejenigen, die sich gegen "Denglisch" wehren und weniger über die "Sprachpanscher". Für sie ist "modern talking" eine Art Modeerscheinung, wie kürzlich die "Frankfurter Allgemeine" meinte.

Der Englisch-Fimmel der "global players" wird jedenfalls weiter zum Teil urkomische und blamable Blüten treiben, so wie es in diesen Tagen dem bischöflichen Jugendamt in Speyer erging. Weil "Englisch die Sprache sei, die Jugendliche am meisten anspreche", warb die Diözese für ökumenisches "Christfest 2000" mit dem flotten Titel: "The Great Ding Dong", womit der Dom und seine Glocken gemeint sein sollten. Wirkliche Englisch-Kenner, wie die Redaktion der "Deutschen Sprachwelt" wissen, daß der Ausdruck "Ding Dong" in angelsächsischen Ländern die umgangssprachliche Umschreibung für ein bestimmtes männliches Körperorgan ist. Die vorige Großveranstaltung hatten die fortschrittlichen Katholiken übrigens "Spirit ‘n Fun" genannt. Die Übersetzung "Spiritus und Spaß" wäre jedenfalls sprachlich korrekt. Eines stimmt auf alle Fälle: Dieses Englisch ist nur mit Alkohol zu ertragen.