25.10.2021

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01.07.00 Die ostpreußische Familie

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 01. Juli 2000


Die ostpreußische Familie

Lewe Landslied,

so langsam komme ich dazu, die Wünsche und Fragen aufzuarbeiten, die mir beim Deutschlandtreffen in Leipzig in die Hand gedrückt wurden. Wobei ich für die Suchwünsche nach vermißten Verwandten, Freunden und Nachbarn wieder eine Extraseite benötige. Heute geht es mir zuerst einmal um eine Liste, die mir ein Landsmann überreichte. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit konnte ich nicht eingehend nachfragen, und so muß ich dies hier nachholen.

Es handelt sich um die Namensliste von 29 Frauen, die aus einem russischen Arbeitslager im Memelland nach dem Westen transportiert wurden. Auf dieser Liste quittierten sie mit ihren Unterschriften den Erhalt von 50 DM. Die Ausreise muß also ab 1948 erfolgt sein. Es handelt sich um den Waggon 4 des Transportzuges, in den die Frauen zusammengepfercht waren. Lieber Landsmann, ich habe mir leider Ihre Anschrift nicht gemerkt, bitte melden Sie sich noch einmal bei mir und teilen Sie mir den Namen des Lagers, Abfahrts- und Zielort des Zuges sowie die betreffenden Termine mit. Es kamen nämlich sofort Anfragen, die ich nicht beantworten konnte. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese Namen und Daten zusenden würden, die Liste besitze ich ja.

Von verschiedenen Seiten bekam ich den Hinweis auf eine in der Mainummer des "Königsberger Expreß" erschienene Geschichte über einen Grabstein mit dem Hinweis: Das gehört in die Ostpreußische Familie. Die gebürtige Ukrainerin Maria Ogol, die schon lange in der Pregelstadt lebt, bewahrt seit 26 Jahren den sorgsam gepflegten Stein in ihrem Keller auf, an dem sie an Gedenktagen drei Kerzen anzündet. Zwei für ihre verstorbenen Eltern, eine für die Frau, für die er vor 78 Jahren gesetzt wurde. Frau Ogol hatte den schwarzen Grabstein auf einem Königsberger Friedhof entdeckt und ihn gekauft, weil die Inschrift: "Hier ruht in Gott unsere liebe unvergeßliche Mutter Amalie Potreck, geb. Scharfschwerdt, 11. 3. 1854 – 29. 4. 1922" sie sehr berührt hatte, da ihre Mutter im gleichen Alter verstarb, aber auf ihren Wunsch in der Ukraine beerdigt worden war. Nun möchte sie doch versuchen, Nachkommen der Amalie Potreck zu finden. Unsere Leserin Ingrid Gerlach wurde sofort auf den Bericht aufmerksam, denn ihre beiden Großmütter trugen den Mädchennamen Potreck, aber sie stammten aus Groß-Windkeim bei Ludwigsort. Sie meint, daß durch eine Veröffentlichung im Ostpreußenblatt die größere Möglichkeit besteht, noch lebende Verwandte der verstorbenen Königsbergerin zu finden (Maria Ogol, RU-236000 Kaliningrad, ul.Rasina 21-4).

Im vergangenen Jahr suchte Ingrid Kalt ihre Großeltern Adolf und Minna Hakelberg aus Sassenau/Sassen im Kreis Schloßberg. Sie bekam einige Zuschriften, darunter eine von Frau Moeser, die eine erste Spur ergab. Sie war mit den genannten Großeltern zwei Wochen lang auf der Flucht zusammen. In Nasen wurden die Flüchtenden einquartiert, hier wurden sie getrennt. Frau Moeser, geb. Tisat, kann sich leider an keine Einzelheit mehr erinnern. Sie war damals noch sehr jung und fuhr mit dem Fahrrad neben dem Treck. Nun fragt Frau Kalt, ob sich ehemalige Bewohner von Nasen oder Mitflüchtlinge an ihre Großeltern erinnern. Was geschah in jenen Tagen, wann fiel der Russe dort ein? Ich komme allerdings mit dem Ortsnamen nicht klar. Nach Angaben von Frau Kalt soll Nasen bei Wormditt (sie schreibt sogar "Westpreußen"!) gelegen haben, aber ich finde nur ein Nassen im Kreis Rößel. Wer hilft da weiter? (Inge Kalt, Südring 113 in 06667 Weißenfels)

Eure

Ruth Geede