28.10.2021

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08.07.00 Balkan: Doch um Öl?

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Juli 2000


Balkan: Doch um Öl?

Ausschließlich um das "Schicksal der Menschen" gehe es, und sonst nichts. Die Sprecher der am Kosovokrieg beteiligten Nato-Staaten wurden nicht müde, die ausschließlich uneigennützigen Ziele der Operation gegen Milosevics Serbien im Frühling 1999 zu beteuern.

Kritiker wurden mit dem Verdikt belegt, das Geschäft der menschenverachtenden serbischen Einheiten auf dem Amselfeld zu betreiben – aus Dummheit oder gar aus offener Kumpanei. Auch das Wort vom blinden Antiamerikanismus machte schnell die Runde.

Die Miesmacher hörten trotzdem nicht auf, sich öffentlich zu wundern über diesen kurzen Krieg. Zu oft schon waren humanitäre Ziele vorgeschoben worden, um wirtschaftliche oder militärische Expansion zu rechtfertigen. Doch Bodenschätze gibt es auf dem Balkan kaum. Indes streiten sich seit Jahrhunderten Großmächte eifrig um diesen Raum – und zwar wegen dessen strategisch zentraler Lage zwischen Mittel- und Westeuropa, Rußland sowie dem Mittleren Osten.

Der Verdacht: Die USA wollten mittels eines "richtigen" militärischen Konflikts ihre dauerhafte Truppenpräsenz in der sensiblen Region sichern und legitimieren. Schon während des Kosovokrieges kursierten Pläne, nach denen Washington eine Ölleitung von Burgas am Schwarzen Meer über Mazedonien nach Albanien bauen und mittels eigener und verbündeter Truppen sichern wollte.

Nach einer jüngsten Meldung des US-Wirtschaftsdienstes "Bridge News" erhielten die Gerüchte neue Nahrung. Danach unternimmt Mazedonien erhebliche Anstrengungen, um die Voraussetzungen für eine Integration des Landes in den europäischen Energiemarkt zu schaffen. Laut "Bridge News" setzt Mazedoniens Wirtschaftsminister Borko Andrejew hier vor allem auf jene erwähnte Pipeline, die kaspisches Öl nach Europas Häfen und Märkten bringen soll – unter wesentlicher Beteiligung US-amerikanischer Ölfirmen.

Bereits am 24. November 1999 berichtete der von dem in Austin (Texas) ansässigen Institut "Stratfor" herausgegebene Hintergrunddienst "Global Intelligence Update" (GBU), daß die USA finanzielle Hilfestellung beim geplanten Bau einer Transbalkan-Pipeline leisten wollten. GBU stellt bezeichnenderweise fest, wie sehr ein solches Projekt den Einfluß der USA in dem Gebiet festigen könne.

Das Interesse an der Balkantrasse ist jüngsten Informationen zufolge erst am 12. Januar 2000 von großen Ölgesellschaften bekräftigt worden.

Verteidiger des Kosovo-Engagements mögen nun einwenden, daß es eben ein glücklicher Zufall sei, daß aufgrund des Serbienkrieges nun so viele Nato-Soldaten ausgerechnet dort stationiert sind, wo man sie zur Bewachung einer überaus wichtigen neuen Öltransportroute so wunderbar gebrauchen kann. Denn anders als mit einem (humanitären!) Krieg hätte man den zigtausendfachen Aufmarsch auf dem südlichen Balkan ja kaum begründen können.

Solche Zufälle gibt es eben – genauso wie "humanitäre Katastrophen" an der Tagesordnung sind, die erstaunlicherweise überhaupt kein Eingreifen erfordern. Vornehmlich an Orten, an denen auch keine strategisch brisanten Projekte anstehen. Stefan Gellner/ Hans Heckel