28.10.2021

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08.07.00 Nürnberg feiert... ...und schenkt sich ein neues Museum

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Juli 2000


Nürnberg feiert... ...und schenkt sich ein neues Museum

Wenn einer Deutschland kennen/ Und Deutschland lieben soll/ Wird man ihm Nürnberg nennen,/ Der edlen Künste voll./ Dich, nimmer noch veraltet,/ Du treue, fleiß’ge Stadt,/ Wo Dürers Kunst gewaltet/ Und Sachs gesungen hat", rühmte der Tilsiter Max von Schenkendorf 1837 die Stadt an der Pegnitz. Der Königsberger E. T. A. Hoffmann setzte ihr mit seinem "Preislied auf Nürnberg" in der Novelle "Meister Martin, der Küfner und seine Gesellen" ein literarisches Denkmal. Ernst Moritz Arndt hingegen bemängelte in seinem Reisebericht 1798: "Alle Häuser, auch die neuen, haben etwas Schwerfälliges und beleidigen durch die Erker und vielen Schnörkel das Auge ..."

In diesem Jahr nun begeht Nürnberg seinen 950. Geburtstag. Mit vielen Feiern und Veranstaltungen wird das ganze Jahr über des Tages gedacht, da die Leibeigene Sigena bei einem Hoftag in der Nürnberger Burg, einer der bedeutendsten Wehranlagen Europas, durch Kaiser Heinrich III. freigesprochen wurde. Die Urkunde vom 16. Juli 1050 belegt erstmals den Namen "norenberc".

Hört man heute den Namen Nürnberg, denkt man an Dürer, den Christkindlesmarkt, an die Spielwarenmesse oder an Lebkuchen. Nürnberg ist aber auch die Stadt Burggraf Friedrichs, der 1417 die brandenburgisch-preußische Linie der Hohenzollern begründete, die Stadt des Mathematikers und Astronomen Regiomontanus, der 1471 eine Sternwarte errichtete. Die Bildhauer Adam Kraft und Veit Stoß, der Erzgießer Peter Vischer wirkten in Nürnberg. Martin Behaim schuf den ältesten erhaltenen Erdglobus, Peter Henlein galt lange als Erfinder der Taschenuhr. Nicht zu vergessen Hans Sachs, der Schuhmacher und Poet, und in diesem Zusammenhang Richard Wagners "Meistersinger" – sie alle fügen sich zu dem bunten Bild, das die einstige Reichsstadt, in der die Reichskleinodien aufbewahrt wurden, heute verkörpert.

Die von Ernst Moritz Arndt angemahnten Schnörkel oder die Schwerfälligkeit der Bauten wird der Besucher des heutigen Nürnberg eher als romantisch empfinden. Daß diese alte ehrwürdige Stadt aber durchaus auch ihre jungen Seiten hat, das zeigt ein Neubau, der im April dieses Jahres seiner Bestimmung übergeben wurde. Das Haus an der Luitpoldstraße mit dem etwas sperrigen Titel "Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design" zeichnet sich durch eine lichte, leichte Architektur aus. Die elegante, feingliedrige Glasfassade ermöglicht bereits von außen Einblicke in die Sammlung, die auch von einem neuen Prestel Museumsführer vorgestellt wird (128 Seiten, brosch., 16,80 DM; in gleicher Ausführung ist übrigens auch ein Führer durch das Städel Frankfurt am Main erschienen). In dem Neuen Museum wird nun Kunst und Design seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts gezeigt. Grundstock der Sammlung, die ständig durch Schenkungen und Neuerwerbungen ergänzt wird, ist eine seit 1967 von der Kunsthalle Nürnberg aufgebaute Sammlung. Die Designsammlung hingegen stammt aus den umfangreichen Beständen des Museums für angewandte Kunst in München. In Nürnberg ist man nun bemüht, wohl einmalig in Deutschland, Kunst und Design unter einem Dach zu vereinen und zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzufügen. Dennoch sind beide Abteilungen in zwei eigenen Etagen untergebracht. "Die Konfrontation von Kunst und Design im Neuen Museum soll dem Betrachter eine breite Perspektive im Sinne eines weiter gefaßten Kunstbegriffes eröffnen", ist im Katalog zu lesen. "Sie soll aber keinesfalls Kunst und Design gemeinsam einer ausschließlich kulturgeschichtlichen Betrachtung unterwerfen." So sind denn in Nürnberg künftig neben "Gerümpel" von Beuys oder Balkenhols Holzmännern auch der "VW-Käfer" oder der iMac-Computer zu bestaunen. Silke Osman