28.10.2021

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Suchen und finden
08.07.00 Die ostpreußische Familie extra

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 08. Juli 2000


Die ostpreußische Familie extra

Lewe Landslied,

da kam mit eMail aus Kanada von unserm Leser Kevin Lindström ein netter Tip: "Wäre es nicht toll, wenn wir einen Ostpreußischen Suchdienst organisieren könnten? Ich bin ein begeisterter Leser der Ostpreußischen Familie. Viele Leute sind immer noch am Suchen nach Familienmitgliedern. Hoffentlich könnte sowas zu Familienzusammenkommen führen. – Überleg’s mal!" Da brauchen wir nicht lange zu überlegen. Lieber, ferner Leser! Unsere Familie ist ja bereits ein ostpreußischer Suchdienst, wenn auch kein institutioneller. Einen neuen aufzubauen wäre nicht nur mit großen Kosten und viel Zeitaufwand verbunden sondern auch zwecklos, weil es ja genügend offizielle Suchstellen bzw. Karteien gibt. Wir sind und bleiben der letzte Hoffnungsträger, setzen auf die direkte Verbindung von Mensch zu Mensch, und darin liegt der große Erfolg der Ostpreußischen Familie. Und wie die wieder gefragt ist, zeigt unsere heutige Extra-Seite.

Beginnen will ich mit einem Suchwunsch von Christel Wels, geb. Faust, aus Kevelaer, entnommen einem langen, liebevollen Brief, der mich aber auch erschüttert hat. Sie stammt aus Groß Pöppeln im Kreis Labaiu, einem Dorf, dessen Bewohner zum größten Teil von den Russen umgebracht wurden. Wer beim ersten Mal davonkam, wurde beim zweiten Massaker getötet. Die Familie Faust – der Vater war Schweizer – kehrte 1946 noch einmal heim, fand ein grauenvoll zerstörtes Dorf voller Leichen. Nach und nach kehrten auch andere Dorfbewohner zurück, da kam der Russe noch einmal und hauste noch fürchterlicher. Selbst 10jährige Mädchen wurden vergewaltigt und erschlagen. Die Fausts kamen mit dem Leben davon, weil sie sich in ihrem eingestürzten Haus verkrochen hatten.

Nun fragt Christel Wels, ob überhaupt noch jemand von den ehemaligen Bewohnern von Groß Pöppeln lebt. Umgebracht wurden ihres Wissens die Familien Schlicht, Rettich und Broscheit. Frau Wels besitzt noch ein Foto aus Kindertagen, das Ruth Will, die Tochter des Bürgermeisters, gemacht hat. Es zeigt Christel mit ihrer Zwillingsschwester Alice und der älteren Erika – die bis heute verschollen ist –, den drei Schwestern Schlingelhoff und den Kindern der Familie Müller. Für Frau Wels, die noch vier Jahre russische Gefangenschaft erleiden mußte, wäre es das größte Glück, wenn sich jemand aus ihrem Heimatdorf melden würde. (Christel Wels, Annastraße 60 in 47623 Kevelaer).

In jene grausame Zeit zurück führt auch der Suchwunsch von Christel Schmidt. Dreimal hatte sie sich an das Rote Kreuz gewandt, jedes Mal bekam sie einen negativen Bescheid. Nun kann nur noch die Ostpreußische Familie helfen. Es geht um das Schicksal ihrer Mutter Lucia Schmidt, geb. Herget. * 27. 11. 1898. Beim Einmarsch der Russen in Königsberg wurde sie 20mal vergewaltigt. Krank und geschändet kam sie in eine provisorische Krankenstation in der Gegend von Metgethen. Als ihr Mann nach drei Tagen zu ihr wollte, war die Station aufgelöst, seine Frau verschwunden. Er hat bis zu seinem Tod nie klären können, welches weitere Schicksal seine Frau erlitt, wo sie gestorben ist. Er soll von einer Krankenschwester gesprochen haben, die sie gepflegt hatte. Lucia Schmidt trug ein untrügliches Merkmal: eine Narbe in Kreuzform auf der Stirn, die durch einen Unfall in der Kindheit entstanden war. Vielleicht hilft das weiter, ehemalige Schicksalsgefährten von Frau Schmidt zu finden. (Charlotte Schmidt, Habsburgerstraße 113 in 79104 Freiburg).

Ein Brief aus Schottland, geschrieben von Helmut Hohman. Durch einen alten Regimentskameraden seines Vaters Hans Erich Hohmann hatte er von unserm Ostpreußenblatt erfahren und dann die website im Internet gefunden. Da er – letzter männlicher Nachkomme der Familie Hohmann aus Königsberg – seiner in Amerika verheirateten Tochter und zukünftigen Generationen möglichst viel Wissenswertes über die Heimat Ostpreußen und seine Familie hinterlassen möchte, beschäftigt er sich seit drei Jahren mit Familienforschung, ist auch schon ein gutes Stück weitergekommen. Aber nun hofft er mit uns die noch ausstehenden Fragen zu klären und vor allem mehr Informationen über seinen Vater zu erhalten. Er selber – Jahrgang 1942 – kann sich nicht mehr an Königsberg erinnern, erst an die Luftschutzkeller und Trümmer in Berlin, wohin die Mutter von Königsberg mit dem Sohn flüchtete.

Seine Großeltern waren Erich und Olga Hohmann, geb. Bessel, die in Königsberg, Domnauer Straße 25 wohnten, gegenüber dem Vieh- und Schlachthof, auf dem sie im Fleischgroßhandel beschäftigt waren. Ihr Sohn Hans Erich wurde am 17. Januar 1918 in Königsberg geboren und besuchte die Vorstädtische Oberrealschule. Nach dem Abitur 1937 war er ein halbes Jahr beim RAD, bevor er sich freiwillig zum Militärdienst bei der Artl. Beobachter Abt. 1 in Königsberg meldete. Nach seinem Fronteinsatz kam Hans Erich Hohmann 1940/41 auf die Offizierschule in Jüterbog. Bis zu seinem Soldatentod am 21./22. Januar 1945 bei Taplacken war Oberleutnant Hohmann vom Panzer-Regiment 31 (5. Pz. Div.) immer an der Ostfront eingesetzt. Das Deutsche Kreuz in Gold wurde ihm im November 1944 verliehen. Posthum wurde er im März 1945 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und seine Beförderung zum Hauptmann ausgesprochen. Dank der Hilfe ehemaliger Regimentskameraden hofft der Sohn nun endlich auf Anerkennung der letztgenannten Tatsachen, die ihm die Behörden bisher immer verweigert hatten. Während Herr Hohman über die Militärzeit seines Vaters recht gute Informationen besitzt, fehlen ihm Angaben über dessen Jugendzeit. Er möchte Kontakt zu alten Königsbergern aufnehmen, die damals in der Domnauer Straße wohnten und in die Rosenauer Kirche zum Gottesdienst gingen. Er hätte auch gerne etwas über den Neuen Haberberger Friedhof in Schönbusch erfahren. Vielleicht erinnern sich noch ehemalige Schulkameraden an "Hanne" Hohmann? Da sein Vater auch aktives Mitglied im Ruderclub Germania war, wendet sich Herr Hohman an alte Vereinskameraden, um von diesen etwas zu erfahren. Vielleicht gibt es noch irgendwelche Fotos aus dieser Zeit? Herr Hohman würde sich jedenfalls über jede Zuschrift freuen, die hilft, das Leben seines so früh verstorbenen Vaters zu erhellen. (Helmuth Hohman, Balrobin Hotel, Higher Oakfield, Pitlochry, Perthshire PH 16 5 HT, Scotland)

Bleiben wir in Königsberg. Christa Pfeiler-Iwohn trägt uns folgende Bitte vor: Gesucht werden vier Frauen, deren Schicksale in dem Buch von Heinz Schön "Im Heimatland in Feindeshand" geschildert werden. Da diese dort nur mit dem Mädchennamen genannt werden, sind sie für Frau Pfeiler-Iwohn, die gerne mit diesen Frauen Kontakt aufnehmen möchte, nicht ermittelbar. Es handelt sich um folgende Namen und Daten: Renate Pribbenow, * 1933, aus Charlottenburg, Haynstraße 65, Schülerin der Hans-Schemm-Schule/Schule Kohlhoff. / Erika Neumann, * 1932, aus Mahnsfeld und Doris Fuhlert, * 1931, aus Königsberg. Beide lebten eine zeitlang in Kinderhäusern für deutsche Waisen, bis sie auf Kolchosen arbeiten mußten. / Erna Link, * 1932, aus Königsberg-Maraunenhof, nach Kriegsende wohnhaft Tiergartenstraße. (Christa Pfeiler-Iwohn, Laurembergstieg 3 in 22391 Hamburg)

Seit Eva Günther, geb. Altenberg-Rundis, 1948 von Quednau bei Königsberg in den Westen kam, weiß sie nichts mehr von ihren beiden Brüdern Horst und Werner Altenberg, die sich damals in Tauroggen befanden. Eine Nachricht durfte sie nicht hinterlassen, eine Adresse konnte sie nicht angeben, weil das Ziel unbekannt war – es war dann Rostock. Frau Günther vermutet, daß die Brüder vielleicht nach Quednau zurückgekehrt sind, was aber unwahrscheinlich ist. Werner Altenberg wurde am 6. Juli 1936 in Hindenburg, Kreis Labiau, geboren, Horst Altenberg am 13. Februar 1935 in Westenhöfen. Die Heimatanschrift der Brüder war Kirschkeim, Kreis Labiau. Alle Nachforschungen blieben bisher ergebnislos. Vielleicht ergibt sich aus dem Kreis unserer Ostpreußischen Familie ein Hinweis über den Lebensweg der Brüder Altenberg. (Eva Günther, Hauptstraße 46 in 18230 Russow).

Aus Litauen kommt wieder einmal eine kurze Suchmeldung von Ruth Goriene, geb. Deske an Frau Brigitta Kasten, die diese an uns weiterreicht. Dort lebt ein ehemaliges "Wolfskind": Irene Schneider, * 17. April 1936 in Gumbinnen. Sie heißt heute Stanislava Dakuleviene. Ihre Mutter Elsa-Erna Schneider verstarb noch in Ostpreußen. Gesucht werden von ihr die Geschwister Frieda Schneider, * 1932 und Andreas Schneider, *1941. Leben noch die Geschwister, wer kennt ihren Aufenthalt? Die Anschrift von Irene Schneider ist leider nicht angegeben. Zuschriften werden aber von Frau Kasten über Frau Goriene vermittelt. (Brigitta Kasten, Bachstraße 10 in 30989 Gehrden).

Ungewiß ist auch das Schicksal seiner Insterburger Schulfreundin Ingeborg Guttau, die Siegfried Poelk sucht. Die am 20. August 1924 in Insterburg Geborene wohnte bis zu ihrem Schulabschluß im April 1941 bei ihrer Großmutter in der Theaterstraße, folgte dann ihren Eltern, die in Guttstadt ein Hotel am Markt gepachtet hatten. Als Herr Peolk Soldat wurde, hat er seine Freundin im Urlaub dort besucht. Seinen bisherigen Nachforschungen zufolge haben die Frauen – Großmutter, Mutter und Tochter – Guttstadt 1945 überstürzt verlassen. Um dem Zugriff der Russen zu entgehen, soll sich Ingeborg Guttau das Leben genommen haben. Wer weiß Näheres über das Schicksal dieser Familie? (Siegfried Poelk, Ostseestraße 29 in 23570 Lübeck-Travemünde)

Lieber Helmut Samland, vielleicht hätten Sie mir Ihr Anliegen doch auf dem Deutschlandtreffen in Leipzig vortragen können, weil ich noch am Sonntagvormittag auf dem Stand der Redaktion des Ostpreußenblattes für Fragen und Wünsche meiner Ostpreußischen Familie bereitstand. Dann hätte ich Ihnen persönlich erklären können, daß der Leiter des Heeresverpflegungsamtes in Königsberg nicht mein Vater sondern sein Bruder Max Geede war. Aber dies nur nebenbei, denn ihr Wunsch zielt ja auf die Aufklärung des Schicksals Ihres Vaters. Dieser, Friedrich Samland, * 18. Februar 1885 in Tharau, wohnhaft in Königsberg, Sternwartstraße 5, war Bediensteter Oberfeldwebel beim Heeresverpflegungsamt am Steindammer Wall. Da Herr Helmut Samland bis heute nicht in Erfahrung bringen konnte, wo und wie sein Vater verstarb, bittet er noch lebende Zeitzeugen, ihm bei der Aufklärung zu helfen. (Helmut Samland, Badstraße 3 in 67677 E.-Alsenborn).

Der Verein für Familienforschung für Ost- und Westpreußen hat mir einige Briefe zugesandt, die von dort aus nicht bearbeitet werden können. (Wie ich in Folge 22 richtigstellte, leistet der Verein keine Auftragsforschung auf Anfrage und ist deshalb keine Anlaufstelle für die Suche nach vermißten Familienangehörigen.) Briefe, denen Rückporto beilag, hat der Verein dankenswerterweise an die Absender zurückgesandt. Zu den Schreiben, die ich erhielt, gehört auch das von Inge Scholz, geb. Stockfisch. Sie wohnte bis zur Flucht in Puschdorf, Kreis Insterburg. In dem etwas außerhalb des Ortes gelegenen Haus lebte auch Ingelore Novak mit ihrer Familie. Sie war 1945 etwa 10 Jahre alt. Inge Stockfisch floh mit Mutter, Großvater und zwei Geschwistern auf einem Viehwagen nach Sachsen. Was wurde aus Ingelore und ihren beiden Geschwistern? Frau Scholz hofft, daß sie noch lebt und sich bei ihr meldet. (Inge Scholz, Nossener Straße 6 in 09634 Siebenlehn)

"Ich habe die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, etwas über meine Mutter und Schwestern zu erfahren", schreibt Waltraud Balzereit, geb. Rogall. Die Familie Rogall wohnte in Annchenthal, Post Germau, Kreis Samland. Die Mutter Berta Rogall, geb. Luckau, wurde am 15. Juni 1908 in Rhein, Kreis Lötzen, geboren. Sie hatte außer Waltraud noch drei Töchter: Elsa, * 26. März 1926 in Rhein. Hildegard, * 4. Dezember 1931 in Kotzlauken, Kreis Samland, und die ebenfalls dort am 9. November 1934 geborene Gertrud Rogall. Sie wurden zuletzt am 26. Dezember 1944 gesehen, von da an fehlt jede Spur. Wer weiß etwas über ihr Schicksal? (Waltraud Balzereit, Alfred-Rethel-Straße 2 in 27753 Delmenhorst)

Gesucht wird von Reinhold Barkhoff Frau Waltraud Weinert, * 27. Februar 1933. Die bis zur Flucht im Ostseebad Cranz Wohnende soll geheiratet haben und den Namen Singer führen. Sie hatte eine Schwester, die am 26. Januar 1934 geborene Evelyn Weinert. Weitere Angaben sind nicht bekannt. Vielleicht genügen sie für eine positive Nachricht. (Reinhold Barkhoff, Höhenweg 1 in 53127 Bonn)

Wenn manche Fragen nicht beantwortet oder bearbeitet werden können, liegt es daran, daß die volle Anschrift fehlt, das ist besonders bei eMails der Fall. Auch die Initialen des Namens genügen nicht. Vollständige Namens- und Adressenangabe auf dem Briefbogen ist unerläßlich.

So, das war mal wieder eine pralle Extra-Familie. Hoffentlich hat sie Erfolg. Das wünscht jedenfalls

Ihre

Ruth Geede