28.10.2021

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15.07.00 Rumäniens oberster Germanist ehrt siebenbürgischen Schriftsteller

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Juli 2000


Hans Bergel zum 75sten: Worte, die Ketten sprengen
Rumäniens oberster Germanist ehrt siebenbürgischen Schriftsteller

Vor 775 Jahren endete die 14jäh rige Präsenz des Deutschen Ordens im Burzenland, der seine Festungen im südöstlichen Siebenbürgen gezwungenermaßen aufgab, um sich in Westpreußen ein neues Machtzentrum zu errichten.

So besteht eine uralte Verbindung zwischen Siebenbürgen und Preußen, die in der mächtigen Marienburg an der Nogat und der Marienburg-Ruine 25 Kilometer nördlich von Kronstadt (rumän: Brasov) zu Stein geworden ist.

Aus eben jenem Burzenland, genaugenommen aus Rosenau bei Kronstadt, stammt der heute in der Nähe von München lebende Schriftsteller Hans Bergel, der am 26. Juni seinen 75. Geburtstag beging. Das Haus des Deutschen Ostens lud aus diesem Anlaß Ende des Monats zu einem Vortrag des prominenten rumänischen Germanisten Prof. Dr. George Gutu in die bayerische Landeshauptstadt. Der an der Universität Bukarest lehrende Professor, der zugleich Präsident des Germanistenverbandes seines Landes ist, betonte den interkulturellen Scharfblick Bergels.

Da dieser inmitten verschiedener Völker und Sprachen aufgewachsen sei und das Land zwischen Donau und Waldkarpaten selbst durchzogen habe – zum Teil zwangsweise als politischer Häftling von einem Gefängnis zum anden – könne er in seinen über 25 Büchern andere Kulturen mit einer Intensität und Aufgeschlossenheit beleuchten, wie nur wenige seiner Schriftstellerkollegen.

Allerdings vergaß der Referent auch nicht die keineswegs immer schmeichelhaften Charakterisierungen zu erwähnen, die Bergel in kraftvoller Sprache den diversen Völkern durch die sie verkörpernden Personen zuteil werden läßt.

Als guter Beobachter auch kleinster Details ist es ihm laut Gutu in Essays oder Erzählungen, in seinen Reportagen für Rundfunk und Zeitungen, in Romanen, Gedichten und selbst in Kunstbüchern stets gelungen, außer dem Wesentlichen auch das Besondere der jeweiligen Person oder der dargestellten Landschaft hervorzuheben. Dabei verschrieb er sich vor allem der Gestaltung von Menschenschicksalen in Grenzsituationen.

Nachdem George Gutu vor wenigen Jahren (1994 und 1997) zwei in seinem Land spielende Bergelsche Romane ins Rumänische übersetzt hatte – "Der Tanz in Ketten" von 1979 und "Wenn die Adler kommen" von 1995 –, war er so beeindruckt, daß er fortan betonte, keinen anderen rumänischen Autor zu kennen, der ähnliche Themen so gut zu schildern vermöge.

In "Tanz in Ketten" werden Praktiken totalitären kommunistischen Terrors und die die menschliche Phantasie übersteigenden Haftbedingungen dokumentiert. Der unbequeme Bergel wußte, wovon er schrieb, war er doch 1959 in einem Schnellverfahren gegen mehrere Schriftsteller zu einer 15jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Diese saß er bis 1964 ab, kam dann aufgrund einer Amnestie frei und siedelte 1968 nach Deutschland aus.

Von 1970 bis 1989 war er Redakteur der "Siebenbürgischen Zeitung", erhielt u. a. das Bundesverdienstkreuz und wurde später auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Kronstadt. Letzteres bestätigte die Kernaussage Gutus, daß Hans Bergel auch ein wichtiger "rumänischer" Schriftsteller sei. (UA/MS)