28.10.2021

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15.07.00 Seltene Aufnahmen zur jüngeren Geschichte: Segelflug über der Nehrung und Ostpreußen 1945

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. Juli 2000


Ostpreußen im Film
Seltene Aufnahmen zur jüngeren Geschichte: Segelflug über der Nehrung und Ostpreußen 1945

Daß es auf der Kuri schen Nehrung Se gelflieger gab, die im Aufwind der Dünen ihre Bahnen zogen, ist bekannt. Daß Rossitten zusammen mit der Wasserkuppe in der Rhön als die Wiege des Segelflugsports gelten kann, schon weniger. Und nicht nur das. Ostpreußische Segelflieger waren maßgeblich an der Entwicklung der Segelflugtechnik beteiligt. So stellte zum Beispiel der ostpreußische Volksschullehrer Ferdinand Schulz mehrere Weltrekorde auf, zuerst 1924, als er mit seiner selbstgebauten legendären "Besenstielkiste" acht Stunden und 42 Minuten über dem Predin bei Rossitten in der Luft blieb.

In Erinnerung an Ferdinand Schulz wurde im August 1999 vor dem Nehrungsmuseum zwischen Sarkau und Rossitten ein Gedenkstein eingeweiht. Das war auch der Aufhänger für einen wunderbaren Film über ein vergessenes Kapitel der Luftfahrtgeschichte, auf das die Ostpreußen stolz sein können. Der Videofilm "Ostpreußen-Flieger" erzählt die faszinierende Geschichte des Segelfliegens in Ostpreußen, von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg bis zum allgemeinen Ende 1945. Nicht nur in der berühmten Segelflugschule Rossitten und ihrem Außenlager in Pillkoppen wurde geflogen. Auch in Nidden und auf dem nördlichen Teil der Kurischen Nehrung, in Memel und bei Tilsit, in Sensburg und in Drachenberge bei Angerapp, in Korschenruh und Nesselbeck bei Königsberg, in Palmnicken und an der Bernsteinküste, in Willenberg an der Nogat und vielen anderen Orten in Ost- und Westpreußen wurde die begeisterte Jugend im Segelfliegen geschult.

Die Schönheit Ostpreußens, insbesondere der Kurischen Nehrung aus der Sicht der lautlosen Flieger ist ein denkbar geeignetes ostpreußisches Thema, um es in laufende Bilder umzusetzen. Noch nie gezeigte historische Aufnahmen aus den 20er, 30er und 40er Jahren wechseln in dem Film mit wunderschönen Farbaufnahmen aus Sommer und Herbst 1999. Und immer wieder können wir den spannenden Geschichten zahlreicher Augenzeugen von damals lauschen, die für diesen Film interviewt wurden. Man muß weder Ostpreuße noch Segelflieger sein, um von dieser faszinierenden Geschichte gefesselt zu werden.

Herrliche Luftaufnahmen aus dem nördlichen Ostpreußen sind wir von dem Autor des Films schon gewohnt. Kristof Berking, 34, selbst kein Ostpreuße, aber nach eigenen Worten durch eine Wahlverwandschaft mit dem Land der Wälder, Dünen und kristallnen Seen verbunden, hatte bereits 1993 sechs Dokumentarfilme über Nord-Ostpreußen vorgelegt, darunter den Dreiteiler "Flug über Nord-Ostpreußen". Nun hat er nach sechsjähriger Unterbrechung das Filmemachen wieder aufgenommen, und zwar auf noch professionellerem, fernsehsendefähigem Niveau.

So kann denn auch gleich noch über einen zweiten Film aus seiner Hand vermeldet werden: "Ostpreußen im Inferno 44/45 – Dokumentation der Tragödie von Juni 1944 bis Januar 1945". Beginnend mit den verheerenden Bombenangriffen der Royal Airforce auf Königsberg im August 1944, über die sowjetische Oktoberoffensive (Nemmersdorf) und die verspätete Flucht der Zivilbevölkerung bis zur Kapitulation der Festung Königsbergs im April 1945 wird das ganze Ausmaß der Katastrophe, die jeden Ostpreußen getroffen hat, nachgezeichnet. Dabei hat Berking, wie schon bei den "Ostpreußen-Fliegern" und den Dokumentarfilmen von 1993, wieder ein großes Geschick bewiesen beim Ausgraben seltener oder noch nie gezeigter Aufnahmen. Vom brennenden Tilsit über die Bombardierung Insterburgs und die Einnahme Allensteins und Elbings bis zum Sturm auf Königsberg sehen wir die vertrauten Bilder der ostpreußischen Heimat aus dem Blickwinkel sowjetischer Kameraleute.

Augenzeugen berichten in dem Film über die dramatischen Wochen des Untergangs. Das vorliegende Film- und Interviewmaterial und das Thema überhaupt erwiesen sich so umfangreich, daß Berking den Stoff auf zwei Filme aufgeteilt hat. "Ostpreußen im Inferno 44/45" behandelt die Zeit bis zur sowjetischen Januaroffensive 1945 ausführlich und die nachfolgenden Monate bis zur Kapitulation im Schnelldurchgang. "Ostpreußen im Todeskampf ’45" rollt die Geschehnisse bis Januar 1945 noch einmal auf – mit noch nicht gezeigten Filmaufnahmen und Interviews –, um sich dann in der gebotenen Tiefe der Zeit von Januar bis Mai 1945 zu widmen, in der die Tragödie erst ihren Höhepunkt erreichte. Geplant ist sogar noch ein dritter Teil über die Geschichte Ostpreußens und der in der Heimat verbliebenen Menschen in den Monaten und ersten Jahren nach dem Ende des Krieges. Eine solche Filmtrilogie hätte zweifelsohne das Zeug, ein Standardwerk über die ostpreußische Tragödie zu sein.

Ostpreußen-Flieger. Die Geschichte des Segelfliegens auf der Kurischen Nehrung. VHS-Video, 116 Minuten, 39,95 Mark.

Ostpreußen im Inferno 44/45. Dokumentation der Tragödie von Juni 1944 bis Januar 1945. VHS-Video, 83 Minuten, 39,95 Mark.

Ostpreußen im Todeskampf ’45 – Januar bis Mai 1945. 122 Minuten, 49,95 Mark. Zu beziehen über: Polar-Film und Medien GmbH, Schildarper Straße 10, 48712 Gescher, Fax: 0 25 42/95 13 95. BN