20.10.2021

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22.07.00 KOMMENTARE

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juli 2000


KOMMENTARE:

Spendenfieber

Der aus Danzig stammende Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass wartete dieser Tag mit dem Vorschlag auf, daß im Zuge der Wiedergutmachungsleistungen von Zwangsarbeitern aus der NS-Zeit auch jeder einzelne Bundesdeutsche einen Beitrag von 20 Mark zahlen sollte. Die wäre dann gleichsam neben der staatlichen Leistung, die im Lichte von Vernunft und Analyse freilich ohnehin auch schon eine private Leistung des Steuerzahlers darstellt, noch eine gleichsam persönliche Bringeleistung. Dies ist uns Deutschen bei einem Rückblick in unsere trübe Geschichte so fremd nicht.

Erinnert sei nur an so unterschiedliche Aktionen wie "Gold gab ich für Eisen" aus der Zeit der Befreiungskriege, an die Zeichnung der Kriegsanleihen nach den Schüssen von Serajewo, an das Winterhilfswerk "Keiner soll hungern und frieren", die Spenden in der DDR-Zeit für den "Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes gegen die Kriegstreiber aus den USA", die der Einfachheit halber und der Kontrolle wegen zumeist gleich vom Gehaltskonto abgebucht wurden.

Doch mit dem vergleichenden Rückblick auf diese Aktionen erweist sich, daß sie allesamt dem reinen Geist bundesdeutscher Gewissensprüfung unterzogen und verworfen worden sind. Weshalb auch die Schlußfolgerung in der Luft liegt, daß auch noch so gutgemeinte Spendenaktionen (man denke nur an Helmut Kohl!) durchaus ins Gegenteil umschlagen können. Und wer wollte das schon in Kauf nehmen, nach all diesen spendenfiebrigen Aktionen in unserer verworfenen Geschichte? Peter Fischer

 

Glossarium: Selbsthilfe

Da können die gallischen Hähne und mit ihnen die gesamten romanischen Hühnchen noch so sehr die Osterweiterung der EU mit immer neuen und immer fadenscheinigeren Gründen zu verhindern trachten, am Ende müssen sie sich doch dem Gesetz des faktischen Handelns beugen: Dieser Tage erst lieferten besonders agile polnische Kräfte dafür einen tatkräftigen Beweis. In einem beherzten Akt von Hilfe durch Selbsthilfe wurde kurzerhand die aufwendig gepanzerte Dienstlimousine des EU-Kommissars in der alten Hansestadt Danzig von besonders findigen polnischen Kräften entwendet, um endlich auch hier ein sichtbares Zeichen für den Fortgang der Erweiterung zu setzen. Zwar haben sich inzwischen erste kritische Stimmen aufgetan, die die polnischen Aktivitäten als zu einseitig werteten. Insbesondere von bundesdeutscher Seite wurde das Fuchteln mit dem Revolver vor der Nase des Chauffeurs des EU-Kommissars David Byrne als völlig unnötig abgetan, schließlich bekäme man doch ohnehin jeden Wunsch erfüllt. Doch die Ungeduld ist bekanntlich ein mächtiger Gott, denn vor dem Auftakt im Jubiläumsjahr 2000, dem Jahrhundert der Nullen, hatte nach der spanischen Kommissarin Loyola de Palacio der Chauffeur von Kommissar Padraig Flynn bereits polnischen Aktivisten seinen Mercedes der Luxusklasse überlassen müssen. Besonders gebefreudig aber erwies sich einmal mehr der frühere bundesdeutsche EU-Kommissar Martin Bangemann, der bereits 1995 in Danzig zwei gepanzerte Dienstlimousinen den Freunden überlassen mußte, womit zugleich bewiesen scheint, daß der Händlergeist in der alten Hansestadt nicht unterzukriegen ist, egal, wer da immer wohnt . Und dies ist doch allemal ein Unterpfand auf die Zukunft. Oder? P. F. / H. N.