20.10.2021

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22.07.00 Gezielte Sprachpolitik der Lemberger Stadtverwaltung

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juli 2000


Demos gegen "Russifizierung": Kulturkampf in Galizien
Gezielte Sprachpolitik der Lemberger Stadtverwaltung

Die tiefe kulturhistorische Kluft zwischen der mitteleuropäisch beeinflußten Westukraine und den stark russisch geprägten östlichen Landesteilen führt zu sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen des politischen Geschehens.

Während die russische Mehrheitsbevölkerung im Osten sich über eine zunehmende "Ukrainisierung" des Bildungswesens und den Verlust vieler eigener Schulen beklagt, gibt es im Lemberger und Tschernowitzer Gebiet Demonstrationen gegen "Russifizierungs"-Tendenzen.

Am Vortag des 27. Juni, des ukrainischen Verfassungstages, fanden sich in zahlreichen Städten Anhänger rechter Organisationen und Parteien zu entsprechenden Protestmärschen zusammen. Am Feiertag selbst versammelten sich Tausende Nationalisten vor dem Gebäude des Schriftstellerverbandes in der Hauptstadt Kiew, um gemeinsam zur Präsidentenadministration zu ziehen.

Die in ein blau-gelbes Fahnenmeer getauchten Aktivisten setzten sich vor allem aus Vertretern der Bildungsvereinigung "Proswita", den beiden Zweigen der zerstrittenen Volksbewegung "Ruch", des Kongresses Ukrainischer Nationalisten und mehrerer patriotischer Jugendorganisationen zusammen.

Alle waren sie sich darin einig, daß die Staatsgewalt in der Ukraine in Wirklichkeit nicht als ukrainisch zu bezeichnen sei, da die Staatssprache unterdrückt werde. An Präsident Leonid Kutschma übermittelten sie folgenden Forderungskatalog: In den Schulen und Universitäten soll ausschließlich auf ukrainisch unterrichtet werden, russischsprachige Werbung ist zu verbieten und Kontrolleure im öffentlichen Personenverkehr sollen auf den Gebrauch des Ukrainischen verpflichtet werden.

Ausdrücklich unterstützten die Protestierer die im Juni von den national orientierten Lokalbehör-Appell an Kutschma den in Lemberg (Lwiw) eingeleitete Sprachpolitik, die das Ziel verfolgt, die öffentliche Präsenz des Russischen weitestgehend zurückzudrängen. (MS)