20.10.2021

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22.07.00 Vor 85 Jahren wurde der Bariton Willy Rosenau in Angerburg geboren

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 22. Juli 2000


Ein Lied aus tiefster Seele gesungen
Vor 85 Jahren wurde der Bariton Willy Rosenau in Angerburg geboren

Na, Willyche, was willst du ein mal werden?", so beginnen die Kindheitserinnerungen eines Mannes, der auf diese Frage mit dem Brustton der Überzeugung einst antwortete: "Zirkusdirektor!" Und er wurde Zirkusdirektor, der Willyche. "Willros" nannte er sein "Unternehmen", mit dem er nicht nur die Kinder der Nachbarschaft in Angerburg erfreute. Schon sah er sich als Chef von Sarasani, Krone oder Barum. Das Schicksal aber ließ Willy Rosenau einen anderen Weg einschlagen. Tiere liebte er jedoch bis zu seinem Tod am 26. November vergangenen Jahres; so nannte er vier edle Perserkatzen sein eigen, zwei davon hörten auf die Namen "Dur" und "Moll"...

Am 22. Juli 1915 erblickte er als Sohn eines Fleischermeisters in Angerburg das Licht der Welt. Ersten Klavierunterricht erhielt er bei der Angerburger Pädagogin Anna Tromm und später bei dem Musiklehrer der Hindenburgschule, Ernst Schink. In Königsberg wurde Willy Rosenau Schüler von Professor Hugo Hartung, "der mir entscheidende Grundlagen für meine Sängerlaufbahn gab". Unter Hartung sang Rosenau in Königsberg und auf Tourneen in ostpreußischen Städten Solopartien, so in Bachs "Matthäus-Passion", in Mozarts "Requiem", in Haydns "Jahreszeiten", in Händels "Judas Maccabäus". Hartung war es auch, der Rosenau 1950 einlud, Dozent an der Humboldt-Universität Berlin zu werden. Die schwierigen Zeitumstände jedoch hielten den Ostpreußen davon ab, das Angebot anzunehmen.

Rosenau sang an der Wiener Oper, Lieder- und Balladenabende sowie Rundfunksendungen auch im europäischen Ausland machten ihn bekannt. Der Rezensent eines Konzerts, das Willy Rosenau im Oktober 1943 in seiner Vaterstadt Angerburg gab, war begeistert: "Willy Rosenau zeigte sich wieder einmal als feinsinniger Gestalter des vielfältigen Programms. Er stellte sein großes Können ganz in den Dienst der von ihm interpretierten Werke."

Nach dem Krieg hat sich Willy Rosenau vor allem mit einer von ihm entwickelten musikalischen Darbietung einen Namen gemacht: der Hörfolge. In geschickter Verbindung von Wort und Musik hat der Sänger mit seinem 1955 gegründeten Rosenau-Trio über 50 Themen (von "Mozart" bis "Masuren", von Wilhelm Busch bis Hermann Sudermann) aufbereitet. Sein Publikum auf über 10 000 Gastspielen in aller Welt dankte ihm mit begeistertem Applaus – die Manege war zur Bühne geworden.

Auch nach seinem Tod wird der Name Willy Rosenau Musikfreunden gegenwärtig bleiben. Der Schauspieler Martin Winkler und die Pianistin Helga Becker, treue Weggefährten über Jahrzehnte, setzen sein Lebenswerk fort. So sind sie zuletzt auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Leipzig mit einer Hörfolge über Herbert Brust, den Komponisten des Ostpreußenliedes "Land der dunklen Wälder" aufgetreten.

"Mit meinen Tönen hab ich dir ein Lied gesungen/ ein Lied, das mir aus tiefster Seele drang./ Du Heimat, hältst mich innig fest umschlungen,/ Du warst der Quell zu dieser Lieder Klang." – Mit diesen Zeilen hat Willy Rosenau, der ostpreußische Bariton aus Angerburg, einmal ausgedrückt, was ihn bewegte. Musik war sein Lebensinhalt. Getreu seinem Motto "Es macht immer große Freude, anderen Freude zu bereiten" hat er die Menschen mit seiner Musik über Jahrzehnte erfreut. SiS