28.10.2021

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29.07.00 Von der Finnischen Königsstraße über Reval nach Wilna / 

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 29. Juli 2000


Tourismusförderung im Baltikum: Träume am Wegesrand
Von der Finnischen Königsstraße über Reval nach Wilna / 
Von Martin Schmidt

Die kleinen baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind in besonderem Maße auf eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit angewiesen.

Schon länger gibt es die politische Kooperation im "Baltischen Rat", die wirtschaftliche in der "Baltischen Freihandelszone" und die militärische im "Baltic Bataillon" (BALTBAT), im "Baltic Squadron" (BALTRON), in der gemeinsamen Verteidigungsakademie ("Baltic Defence College)" oder in der Luftüberwachung (BALTNET).

Hinzu kommen die wichtigen Verbindungen mit den anderen Ostseeanrainern im "Ostseerat" sowie mit Skandinavien in der Staatengruppe "Fünf plus drei". Erst 1998 wurde die "Euroregion Baltic" gegründet, in der Lettland und Litauen mit Schweden, Dänemark, Polen und dem Königsberger Gebiet vereint sind.

Das jüngste Kind, das die baltisch-nordische Völkerfamilie unter ihre Fittiche nehmen will, um ihm bestmögliche Wachstumsbedingungen zu geben, ist der Tourismus. Zu diesem Zweck arbeiten die drei Hauptstädte Reval, Riga und Wilna mit der "Finnischen Königsstraße" im Rahmen des Phare- bzw. Interreg-Projekts der EU zur Entwicklung des Tourismus zusammen.

Im Dezember 1999 erfolgte das Startsignal für einen zehnmonatigen Testlauf, der diese Städte und Regionen für die benachbarten mittel-, west- und nordeuropäischen Tourismusmärkte – allen voran Deutschland, Großbritannien und Skandinavien – durch gemeinsame Verwaltungs- und Vermarktungsaktivitäten besser erschließen soll. Am Ende will man die Ergebnisse als neuartige Reisepakete den einschlägigen Veranstaltern zur Beurteilung vorlegen.

Ende Mai wurde der Fachpresse in der Muster-Hansestadt Reval, die die Pläne besonders energisch vorantreibt, der nördlichste Teil der vorgeschlagenen Route der "Baltic Capitals & King‘s Road" zwischen Helsinki und Wilna präsentiert. Im August folgt nun der zweite Abschnitt mit der Jugendstil-Perle Riga als Hauptsehenswürdigkeit.

Die lettische Kapitale erhält im Zuge des Projekts erstmals eine zentrale kommunale Einrichtung, die für die Tourismusentwicklung und -information zuständig ist. Diese ist überfällig, wenn man bedenkt, daß die Vorbereitungen für die 2001 anstehenden 800-Jahr-Feiern von Riga schon lange auf Hochtouren laufen.

Tourismusfachleute aller drei baltischen Republiken können eine Menge aus den Erfahrungen der "Finnischen Königsstraße" lernen. Diese folgt der seit dem 14. Jahrhundert genutzten bedeutendsten nordeuropäischen Poststraße, die ihren Anfang im norwegischen Bergen hat und die Hauptstädte Oslo und Stockholm mit Turku und Helsinki verbindet, ehe sie über Wiborg in Karelien nach St. Petersburg kommt und dort endet.

Aufgenommen wurde die Königsstraßen-Initiative in Finnland im Jahr 1996 auf Betreiben der südlichen Landesteile. Mittlerweile sind über 40 Kommunen und 70 Unternehmen am gemeinschaftlichen Marketing beteiligt. – Mit guten Ergebnissen, denn heute bieten zehn Reisebüros bereits rund 200 unterschiedliche Touristigprodukte zur Finnischen Königsstraße an.

In Helsinki, das nicht nur eine von neun "Europäischen Kulturstädten" dieses Jahres ist, sondern im Juni auch das 450jähriges Stadtjubiläum feiern konnte, erhofft man sich durch die Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Süden eine beiderseitige Belebung des Reiseverkehrs.

Für die Esten, Letten und Litauer wäre eine Aufwertung des bisher eher unbedeutenden Wirtschaftsfaktors Tourismus nicht nur ökonomisch wichtig, sondern auch hinsichtlich der erhofftten internationalen Wahrnehmung als ein kulturgeschichtlich überaus reicher Raum im Herzen Europas.

Weitere Auskünfte: Baltisches Informations- und Tourismusbüro, Salzmannstr. 152, 48159 Münster, Tel.: 0251/2150742, Fax: 2150743, E-Mail: info@baltic-info.de