28.10.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

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29.07.00 LESERBRIEFE UND MEINUNGEN

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 29. Juli 2000


LESERBRIEFE UND MEINUNGEN

Gedankenfreiheit
Betr.: Folge 26/00 – "Sieger der Geschichte"

Dem interessierten Laien gefällt der neue Aufstand um Ernst Nolte nicht. Längst ist der Eindruck entstanden, daß hierzulande nur als ehrenhaft gilt, was "linken" und ostküstenbraven Denkern genehm ist; dieses wird als allein "demokratisch" bezeichnet. Auf solche Personen geht fortgesetzt ein Medaillenregen des In- und Auslandes nieder, gewaltige Jubelfeiern werden abgehalten und lobpreisend kommentiert; in großen und kleinen, von wem auch immer finanzierten deutschen Blättern rauscht es Zustimmung für alles und alle, die sich in dieser gewünschten Richtung hervortun und hagelt es Kritik und reflexhafte Schmähung für jene, die anderes zu denken oder gar zu sagen und zu schreiben wagen. Auch im jüngsten Offenen Brief in der "Welt" eines Berliner Professors an seinen bayerischen Kollegen ist der zentrale Makel, den ersterer Ernst Nolte anheftet, daß er "sich immer mehr zum Parteigänger des Rechtsradikalismus entwickelt" habe. Mit diesem Etikett (wer durchleuchtet endlich einmal dessen Substanz?) werden dabei alle mitbedacht, die dies nicht so sehen und den ganzen Wirbel ebenso als hysterisch und peinlich empfinden wie die neuliche Palastrevolution im Dresdner Hannah-Arendt-Institut oder das Hitler-ante-portas-Geschrei der 14 Heiligen gegen Österreich. Sire, geben Sie Gedankenfreiheit und ertragen Sie mit Ihren Meinungskollegen auch die Ehrung von Fragestellern, die das derzeit gängige Lehrbuch der Geschichte nicht unbedacht übernehmen mögen.
Stephanie Heidelmeyer
, Alzenau

 

Gefühle verletzt
Betr.: Folge 27/00 – "Menschenrechte ins Museum" und "Vertreibungen ächten"

Am 9. Juni 2000, als im Bundestag über eine Beschlußfassung zum Thema "Versöhnung durch Ächtung der Vertreibung" beraten wurde, besaß Frau Vollmer die Taktlosigkeit, sich gerade mit diesen Worten zum Thema Vertreibung zu äußern. Es ist wohl einmalig, daß die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages vor so viel Schamlosigkeit nicht zurückschreckt. Sie hat damit dem Ansehen geschadet und in nicht zu überbietender Arroganz die Gefühle der vielen Millionen vertriebener Deutscher verletzt.
Heinz Hendrischke, Deutsch Evern

 

Lob für Arbeit
Betr.: Das Ostpreußenblatt

Als langjähriger Leser des OB und gebürtiger Tilsiter ist es mir ein Bedürfnis, Ihrer Redaktion mein ungeteiltes Lob für die engagierte journalistische Arbeit auszusprechen. Meine Frau und ich möchten Ihre Zeitung einfach nicht mehr missen. Wir freuen uns, wenn an den Wochenenden das Ostpreußenblatt im Briefkasten steckt. Es ist nicht nur die heimatliche Berichterstattung, die uns interessante Informationen über das "Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen" beschert und so die Bindungen zu unserem alten Preußenland bewahrt. Es sind im besonderen auch Ihre Beiträge zur Politik und zum aktuellen Zeitgeschehen sowie zur Geschichte Ostpreußens. Die gut recherchierten und von nationaler Verantwortung geprägten Artikel in Ihrer Zeitung heben sich wohltuend von den politisch korrekten Beiträgen in den anderen Printmedien ab. Bitte machen Sie weiter so.
Hans-Günter Schönwald
, Berlin

 

Manipulation der Presse
Betr.: Apologetik und Umerziehung

Die vorwiegend bis nur apologetische, Hitler, die NS-Führung und Deutschland von Schuld und schweren Fehlern weit- bis weitestgehend freisprechende Richtung, wie sie in nationalen Kreisen, Zeitschriften und Zeitungen weitverbreitet ist, der Geschichtsbetrachtung zur NS-Zeit und zum Zweiten Weltkrieg ist für viele demokratisch-freiheitlich eingestellte linke und konservativ-bürgerliche deutsche Patrioten sehr unbefriedigend bis nicht akzeptabel.

Auch wenn Hitler das besagte Großverbrechen nicht verübt haben sollte, bleiben genug Einzelverbrechen und große Fehler wie die 100 Morde zum ,Röhm-Putsch‘ 1934, der ,Kommissarbefehl‘ 1941 und die kriegsentscheidende totalitäre Diktatur, die zwar auch viele positive, volksfreundliche Leistungen vollbrachte und in den guten Zeiten des Erfolgs breite Volksteile gewinnen konnte, aber die geistige, politische und persönliche Freiheit unabhängiger, zu selbständigem Denken und Handeln fähiger Menschen und Gruppen (und nur diese können ein Land weiterbringen, müssen als Machtalternative bereitstehen, denn das breite Volk ist dazu gar nicht in der Lage, oft auch nicht bereit) unterdrückte und die Deutschen in einem zuvor nie dagewesenen Maße vermasste.

Und das prahlerische Großmannsgetue der Naziführer bezeichnete die bürgerlich-feinsinnige Schriftstellerin Ricarda Huch, der man den Patriotismus nicht absprechen kann, als "undeutsch" (Quelle: "Junge Freiheit"). Und wenn heute zu Recht beklagt wird, daß in der Kunst und Kultur dem Abseitigen und Minoritäten eine zu große Entfaltung gestattet wird, so übertrieben es die spießbürgerlichen Nazis mit ihrem einseitig an der Klassik und dem Erhabenen orientierten Kunstgeschmack auch. Zwar gibt es durchaus eine ,entartete Kunst‘, aber deren Anprangerung und Zuordnung auch an keineswegs entartete Künstler war weit übertrieben. Und auch die Kampagne gegen den ,Negerjazz‘ war völlig überzogen aus politischer und musiktheoretischer Sicht, die hätte man sich sparen können, zumal nur ganz wenige Landsleute dem Jazz anhingen.

Wenn sich Hitleristen, Ähnliche und Altrechte heute über die Manipulation des Volkes durch antideutsch orientierte Massenmedien und Politik ereifern, aber kein Wort verlieren mögen über die Manipulation damals seitens der großen Propagandisten Goebbels und Hitler, dann fehlt die Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit. Die Goebbels-Presse war unfrei und von oben gelenkt wie die BRD-Presse, sie war eine Schande für den deutschen Freiheitsgeist, den es ja auch in unserer Geschichte gegeben hat.

Während die Goebbels-Presse zum Beispiel die antideutschen Ereignisse in Polen und der Tschechoslowakei breitwälzte, brachte sie über das traurige Los der deutschen Südtiroler gar nichts, denn die hatte ja Hitler (was hätten die Nazis geschrien, wenn dies die Weimarer Regierungen getan hätten!!) an seinen Busenfreund Mussolini verraten, für dessen militärische Anmaßungen, Abenteuer und Mißerfolge Hitler Zehntausende deutscher Soldaten verheizte, die dann im kriegsentscheidenden Ostkrieg bitter fehlten, während heute die Hitleristen und Nationalisten sich ereifern über jedes kleine NATO-Kontingent von 5-10 000 Mann, das einmal außerhalb der Landesgrenzen eingesetzt wird.

Und wenn der NATO-Angriff auf Serbien 1999 ein Angriffskrieg war, dann waren alle Kriege Hitlers gemäß der UNO-Definition Angriffskriege und die Hitleristen und Ähnliche könnten sich jede weitere Apologetik sparen. Dann hätten zwar 1999 die USA und Westler gegen die von ihnen selbst 1945 festgelegte Richtlinien zum Angriffskrieg (wonach es für einen Angriff auf ein souveränes Land keine Entschuldigung geben darf) verstoßen, aber die deutschen Militärs und Politiker wären dann auch zu Recht in Nürnberg angeklagt und verurteilt worden.

Ist es nicht eher so, daß weder Hitlers Kriege, beziehungsweise die meisten, noch der NATO-Schlag gegen Serbien Angriffskriege waren, sondern berechtigte Reaktionen auf vorangegangene wichtige Vorkommnisse. (Ob Militäraktionen klug und kriegsrechtlich sauber gewesen sind, steht wieder auf einem anderen Blatt.) So hatte ja Ludendorff (laut Anmerkung 77 in Ernst Topitsch, ,Stalins Krieg‘) Hitler entschieden vor dem Kriege gewarnt! Und zweifelsohne ist Hitler keineswegs nur in den Polenkrieg 1939 unschuldig hineingeraten, sondern er hat ihn auch mit dem Pakt mit Stalin im August 1939 angestrebt; daran ändern auch nichts die Friedensfühler und Verhandlungsbemühungen bis kurz vorm Kriegsausbruch am 1. 9. 1939! 
H. Jürgen Schäfer
, Frankfurt am Main

 

Recht auf Heimat
Betr.: Folge 27/00 – "Menschenrechte ins Museum"

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Antje Vollmer, die zwei Jahre vor Kriegsende in Lübbecke in Westfalen geboren ist und Theologie studierte, die lieber in die Politik ging, als sich als Pfarrerin zu produzieren und als solche die Zehn Gebote Gottes ihren Christen zu vermitteln, sieht in den Forderungen der Vertriebenen eine "ständige Wolke der Bedrohung für Tschechien und Polen, die endlich ins Museum der deutschen Geschichte" gehörte.

Womit drohen denn die Vertriebenen, die, und deren Landsmannschaften, rege Kontakte pflegen mit den jetzigen Bewohnern ihrer Heimat? Steht das Recht auf Heimat nicht einem jeden Volk zu? Ist das "Jeder Mensch hat ein Recht auf die Heimat" der UN-Menschenrechtskommission vom 26. August 1994 und 18. August 1995 denn nur eine Farce? Wenn nicht, dann haben wir Ostpreußen auch ein Recht auf Ostpreußen, unsere Heimat, denn Ostpreußen ist ein unzweifelhaft deutsches Land, was Sie endlich zur Kenntnis nehmen sollten, Frau Vollmer! So der bedeutende polnische Marschall und große polnische Staatsmann Jozef Pilsudski am 10. Dezember 1927 in Genf zu Reichsaußenminister Gustav Stresemann. In welchem Licht erscheinen da gegenteilige Behauptungen polnischer Militärs und Politiker?
Friedrich Kurreck
, Offenbach am Main

 

Frage des Empfindens
Betr.: Folge 29/00 – Leserbrief "Niederlage oder Grund zum Aufatmen?"

Zu dem Leserbrief von Heinz Glogau, Brandenburg, ist zu bemerken:

Weder das Naziregime, das mit Hitlers Tod beendet war, noch das Deutsche Reich haben kapituliert, sondern allein die Deutsche Wehrmacht (siehe bei Lüdde-Neurath, W: Regierung Dönitz; 5. Auflage; Druffel, Leoni 1981; Steinertz, Marlis G: Die 23 Tage der Regierung Dönitz; Econ, Düsseldorf-Wien 1967)! Ob das Ende als "Befreiung" oder "Niederlage" aufgefaßt oder empfunden wird, entspricht dem damaligen, teilweise auch heutigen Empfinden.
Prof. Dr. med.
Hans-Joachim Maurer, Bodolz-Enzisweiler

 

Wahrheit ans Licht
Betr.: Folge 24/00 – "Wer die Wahrheit kennt …"

Vielen Dank für die Wiedergabe der Rede von Herrn Wilhelm v. Gottberg in der Folge 24. Ich selbst war in Leipzig zu dem Ostpreußentreffen. Es wird Zeit, daß die Welt erfährt, was wirklich geschehen ist. Ich selbst kam mit dem letzten Transport aus Ortelsburg heraus. Diese Rede von Herrn v. Gottberg gebe ich weiter, damit die Welt die Wahrheit erfährt. Nochmals vielen Dank für die Wiedergabe in der Zeitung.
Otto Albert Alden
, Mount Prospect (USA)

 

Wladimir Putin
Betr.: Folge 25/00 – "Der Falsche"

Der in dem obengenannten Artikel an die Bundesregierung gerichtete Vorwurf, sie würde den neuen russischen Präsidenten Putin "distanziert" behandeln, kann nicht nachvollzogen werden. Dies gilt auch vor dem Hintergrund aller berechtigten Kritik an der politischen Haltung der Bundesregierung gegenüber Warschau und Prag in Anbetracht der dort praktizierten uneinsichtigen Haltung zu der verbrecherischen Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Trotz des inzwischen in einem Guerillakrieg ausgearteten Tschetschenienfeldzuges und einer in den vergangenen Monaten zunehmenden diplomatischen Aggressivität gegenüber den baltischen Staaten konnten sich Rußland und sein Präsident bisher nicht über fehlende politische Aufmerksamkeit in Westeuropa und auch in Deutschland beklagen. Dies überrascht um so mehr, als auch Putin bisher außer politischen Absichtserklärungen wenig vorzuweisen hat und die Ergebnisse seiner Politik erst noch abgewartet werden müssen. Wenn Putin beispielsweise zu Tschetschenien trotz militärischer Rückschläge und dem zunehmenden Entgleiten der dortigen Kontrolle für die russischen Militärs nichts anderes einfällt, als "Disziplin" und "konsequentes Durchgreifen bei der Terrorismusbekämpfung" zu fordern, sollte er im Westen nicht voreilig als vertrauenerweckender Politiker angesehen werden.

Ob es Putin gelingt, innenpolitische Stabilität in Rußland herzustellen, sollte man ebenfalls erst einmal abwarten. In Anbetracht der nach wie vor undurchsichtigen Machtstrukturen in Rußland und hier insbesondere im Moskauer Kreml täte die Bundesregierung gut daran, nur wirklich konkrete Erfolge zu honorieren anstatt Putin voreilig als Hoffnungsträger zu bezeichnen.

Ob der neue russische Präsident wirklich eine deutschfreundliche Außenpolitik betreiben wird, läßt sich auch nach Putins Deutschlandbesuch nicht sicher beurteilen. Auch hier sollten den diplomatischen Höflichkeitsadressen erst einmal Taten folgen. Dies gilt auch für die Region Nord-Ostpreußen, wo sich die Entwicklung der politischen Haltung Rußlands nach wie vor nicht abschätzen läßt. Hier jedoch wie Hans Heckel bereits jetzt von "eindeutigen Signalen" Putins zu sprechen, ist in Anbetracht der bisherigen politischen Bilanz Putins voreilig und nicht nachvollziehbar. Wer den Raum Königsberg in der jüngsten Vergangenheit besucht hat, konnte jedenfalls nicht feststellen, daß dieses Gebiet für Rußland eine zentrale Rolle in den deutsch-russischen Beziehungen spielt. Martin Wormit, Berlin