25.10.2021

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05.08.00 Roma: Wanderer auf allen Wegen

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. August 2000


Roma: Wanderer auf allen Wegen
In Prag tagte der 5. Kongreß der internationalen Roma-Union

Im Prager Gebäude von Radio "Freies Europa" - einem der bestbewachten Objekte überhaupt - tagte in der vergangenen Woche (24. - 27. Juli) der 5. Kongreß der internationalen Roma-Union. 250 Delegierte aus 40 Ländern hatten sich versammelt, klagten über ihr Schicksal und formulierten kühne Pläne und Forderungen. Die Roma sollen von der Uno als "Nation ohne Territorium" anerkannt werden, die Weltbank soll den mittel- und osteuropäischen Staaten Finanzmittel zur Verfügung stellen, um die Integration der Roma zu fördern.

Wegen Sprachschwierigkeiten werden Roma-Kinder in den mittel- und osteuropäischen Ländern nur auf Sonderschulen aufgenommen, was ihre zukünftige Position in der Gesellschaft vorab beeinträchtige. Die Roma-Arbeitslosigkeit erreiche in einigen Ländern bis zu 90 Prozent, Diskriminierung und Verfolgung stehen auf der Tagesordnung - in der Tschechei und in der Slowakei, in Rumänien wie im Kosovo seien Aufschriften wie "Zigeuner unerwünscht" in Gaststätten und Geschäften keine Seltenheit. In der Tschechei sind in den letzten Jahren 20 Roma umgebracht worden. Einen Tag vor der Eröffnung des Kongresses hat in Südböhmen ein Prozeß gegen eine Gruppe von Skinheads begonnen, die eine ganze Roma-Feier zusammengeschlagen haben. Im vergangenen Jahr hat man in Aussig eine Mauer aufgezogen, um das Elendsviertel der Roma von der eigentlichen Stadt zu trennen.

Zur Zeit ist eine unverkennbare Migrationswelle in Richtung entwickelter Industriestaaten eingetreten. Allein in Kanada sind 1500 mitteleuropäische Roma aufgenommen worden, in Skandinavien, in Deutschland, in den Benelux-Ländern versucht man die fiktiven Asylanträge illegal eingesickerter Roma einzudämmen. Belgien hat für slowakische Bürger sogar eine neue Visumpflicht deswegen eingeführt, was die Erbitterung der Slowaken gegenüber ihren dunkelhäutigen Mitbürgern erst recht angeheizt hat.

Die Kongreßredner sprachen sogar von einem "dritten Holocaust", der zur Zeit im Gange sei. Der erste erfolgte unter dem NS-Regime, der zweite unter den Kommunisten, die zwar die Roma am untersten Ende der sozialen Leiter zwangsweise integriert haben, aber in mehreren Ländern Roma-Frauen massenhaft sterilisieren ließen.

Die ganze Welt ist schuldig, die Geschichte, die sozialen Umstände nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, die Wirtschaftskrise in den Übergangsländern - nur sie selbst tragen keine Schuld. Die Redner - vom tschechischen Generalsekretär des Bundes, Emil Skuca, bis zum Rumänen Nicolae Gheorghe und der Neukanadierin Karolina Vanova - alle suchen die Ursachen der allgemeinen Ablehnung, auf die die Roma stoßen, bei der Umwelt. Ob es um wirtschaftliche Fragen geht oder um soziale Umwälzungen, alles sind äußere Bedingungen, die die neue Verfolgungswelle von außen her bedingen und erklären. Über die seit Jahrhunderten bekannte Inkompatibilität des sozialen Verhaltens dieser ethnischen Gruppe - oder Nation ohne Territorium - mit der abendländischen Sittenordnung sprach auf dem Kongreß niemand. Man beklagte, daß die "Weißen" nicht Wand an Wand mit Roma-Nachbarn wohnen wollen, und man wies auf "Rassismus" hin. Daß aber die "Weißen" sich nicht immer mit den allgemein bekannten Verhaltensregeln der Roma gegenüber dem Privateigentum anderer abfinden können und wollen, wurde nicht erwähnt, ebenso wenig wie das gravierende Problem einer völlig verschiedenen Einstellung gegenüber dem Arbeitsleben.

Die Kommunisten haben, kraft ihrer totalitären Praktiken, ihre Roma-Bevölkerungen vielfach zur Arbeit gezwungen. Sobald aber der Zwang in den Kulissen der Zeitgeschichte entschwunden ist, kehrten die alten Sitten zurück. Die Wanderer begeben sich erneut auf die Wege. Vertreter des Bundesgrenzschutzes oder der Berliner Polizei gehörten jedoch nicht zu den Gastrednern des Prager Kongresses. Ivan Denes