28.10.2021

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05.08.00 Klima: Donner und Daumenschraube

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. August 2000


Klima: Donner und Daumenschraube
Politische Träume und die Allmacht des Wetters
Von WOLFGANG THÜNE

Seit gut zwanzig Jahren halten "Klimaexperten" der Menschheit vor, daß sie das vorindustrielle "Wetter- und Klimagleichgewicht", so Professor Gerd Tetzlaff (Leipzig), gestört, ja sich am Klima versündigt habe und nun eine globale Klimakatastrophe heraufbeschwöre. 1990 publizierte Professor Hartmut Graßl (Hamburg) ein Buch "Wir Klimamacher", um Auswege "aus dem globalen Treibhaus" aufzuzeigen. Umweltminister Jürgen Trittin sieht im Jahr 2000 denn auch in der "Bedrohung des Weltklimas" die wohl "größte Herausforderung für die Umweltpolitik".

Als Verursacher der "Erderwärmung" gilt der Mensch schlechthin, egal, ob er Urwälder rodet, der Landwirtschaft und Viehzucht nachgeht, seine Häuser beheizt, Kraftwerke betreibt oder sich einfach frei bewegt, automobil ist. Egal was er macht, bei jeder Tätigkeit, selbst beim Atmen, werden klimakillende Treibhausgase freigesetzt, die sich in der Luft anreichern und die Erde in ein zunehmend überhitztes "Treibhaus" verwandeln, dessen Bewohner dereinst den "Hitzetod" sterben werden.

Doch obgleich sich angeblich alle Menschen an dem "Klimakollaps" als gewissenlose "Klimakiller" beteiligen, ist die politische Schuldzuweisung extrem ungleich. Werden Großemittenten von "Treibhausgasen" sogar vom Gesetzgeber begünstigt, so trifft es den Bürger und allen voran den Autofahrer, und das sind wir ja schließlich fast alle, besonders hart. Ihm wurde mit Datum 1. April 1999 die "Daumenschraube" Ökosteuer angelegt. Seit 1. Januar 2000 wird sie auf Befehl des Gesetzgebers jährlich einmal fester angezogen! Dies geschieht unter dem Vorwand "Klimaschutz", zur Abwendung der Klimakatastrophe. Die drastische Konsequenz hieße Sintflut! Auf der Titelseite vom 11. August 1986 ließ das Magazin "Der Spiegel" anschaulich den Kölner Dom langsam in den blauen Nordseefluten versinken. Am 5. Juni 2000 dramatisierte der SPIEGEL erneut die höllische Klimazukunft, bekannte aber unfreiwillig auf der Titelseite die menschliche Ohnmacht mit dem Aufmacher – "Wetter: Die Macht des Himmels"

Zur Erinnerung: Die "Warnung vor der drohenden Klimakatastrophe" geht auf die Deutsche Physikalische Gesellschaft vom 22. Januar 1986 zurück. Im Frühjahr 1987 schloß sich die Deutsche Meteorologische Gesellschaft an. Nach Alarmierung der Öffentlichkeit und der Schaffung eines passenden Angstklimas in der Öffentlichkeit durch die Massenmedien wurde auch die Politik zum Handeln gezwungen. Auf nationaler Ebene wurde 1987 die Enquete-Kommission "Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" ins Leben gerufen, auf internationaler Bühne folgte 1988 das zwischenstaatliche für den "Klimawandel" (climate change) verantwortliche UN-Schiedsgericht IPCC. In zahlreichen Berichten bestätigt die Wissenschaft sich immerwährend selbst, forscht und forscht und forscht, um am Ende unverdrossen die einmal vorgefaßte Meinung zu bestätigen, daß die Erde durch die Emission von sogenannten Treibhausgasen schon um 0,7 Grad seit Ende der "Kleinen Eiszeit" um 1860 erwärmt worden sei. Dieser Prozeß schreite beschleunigt fort, wenn nicht sofort Einhalt geboten würde. Bis 2050 müssen, so Jürgen Trittin, die Emissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Wie so vieles andere auch, konsumierte der Bürger diese Schelte, senkte schuldbewußt sein Haupt und akzeptierte, wenn auch heimlich murrend, die "Ökosteuer". Wenn diese wenigstens zur Bestechung der Wettergötter verwandt würde! Nur die Jugend begehrt langsam gegen die schleichende Mobilitäts- und Freiheitsberaubung auf und zeigt bei Wahlen den "Grünen" zunehmend die rote Karte. Doch der Jugend fehlen noch die handfesten Argumente, mangels unzureichendem Physik- und Chemieunterricht in den Schulen.

Die Jugend ist zur Kritikunfähigkeit erzogen worden. Wenn etwas im Namen der "Wissenschaft" verkündet wird, dann beansprucht es "Dogmencharakter" und keiner wagt sich zu sagen, "der Kaiser ist ja nackt". Doch Wissenschaft ist nur eine Methode zu denken, und heraus kommt nicht automatisch die Wahrheit. Wenn es auch kein absolutes Kriterium für die "objektive Wahrheit" gibt, so muß gleichwohl ein wissenschaftliches Ergebnis nach Karl Popper verifizierbar oder aber falsifizierbar sein. Kaum für einen Laien zu falsifizieren war im Februar 1995 die Aussage von Professor Klaus Hasselmann (Hamburg) vor der 2. Klimakonferenz in Berlin, daß mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent der Mensch an der "Erderwärmung" schuld sei. Mit diesem schlechten Gewissen ging man 1997 nach Kyoto und verteilte politisch "Reduktionsquoten". Wer damals gut schachern konnte, darf künftig sogar mehr emittieren. Großemittenten freuen sich schon auf den lukrativen Handel mit Emissionsrechten, den "Die Grünen" nach einer Forderung ihres umweltpolitischen Sprechers Reinhard Loske sogar an die Börse bringen wollen.

Lag 1995 die anthropogene Verantwortung noch bei 95 Prozent, so wissen wir es seit Juni 2000 ganz genau. Die Statistik hat es an den Tag gebracht. In einer Studie für das Umweltbundesamt kam Professor Christian-Dietrich Schönwiese (Frankfurt am Main) zu dem sensationellen Ergebnis, daß der Mensch mit einer exakt errechneten Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent das Klima verändere und zwar genau seit 1973! An diesem Diktum ist kein Zweifel erlaubt, denn ein Wissenschaftler sagt nicht die Unwahrheit: kein Experte lügt! Der Mensch ist also eindeutig ein "Klimamacher", er ist seines Glückes oder Verderbens Schmied. Wenn dies kein unanfechtbarer Grund ist, die Ökosteuerschraube immer weiter anzuziehen? Außerdem steht im November die 6. Klimakonferenz in Den Haag vor der Tür und die Politik brauchte handfeste Signale. 99,9 Prozent, das ist ein Wort! Niemand wird sich weiter weigern können, das Kyoto-Protokoll endlich zu ratifizieren, damit es völkerrechtliche Qualität bekommt. "Sünder" können damit endlich an den grünen Pranger gestellt und verurteilt werden.

Nun scheint für die Ökojünger die Welt wieder in Ordnung zu sein. Der Bösewicht ist ausgemacht, die Strafe folgt. Doch die Studie von Professor Schönwiese hat bei logischer Betrachtung eine ganz andere Konsequenz. Sie macht ab sofort Klimaforschung überflüssig! Hunderte von Millionen können jährlich eingespart werden. Die befreiten Forschungsgelder können in die Modernisierung der desolaten Schulen, Hochschulen und Universitäten gesteckt werden. Die Wissenschaftsgemeinschaft kann aufatmen und frohlocken. Global verschlingt die Klimaforschung, vorsichtig geschätzt, etwa 10 Milliarden Dollar.

Der Grund für diesen Spareffekt? Das Klima ist eine Definitionsgröße und symbolisiert das "mittlere Wettergeschehen" über eine längere Zeit, exakt sind es 30 Jahre. Ein Klimawert ist also ein statistisch ermittelter und vom Wettergeschehen abgeleiteter Wert. Dem Klima muß immer Wetter vorangehen, sonst gäbe es kein Klima. Das Klima ist ein rein menschliches Definitionsprodukt. Die Natur mittelt nicht, errechnet keine Mittelwerte von Temperatur, Wind, Niederschlag! Das Wetter gibt die Fakten vor und verhält sich dabei "chaotisch"! Es ist der Mensch, der mißt, dann mittelt und die Mittelwerte fälschlicherweise zu "Normalwerten" deklariert, zur "Norm" erhebt. Doch für wen? Damit sich das Wetter zukünftig nach den "Normen" richtet? Das Wetter wird den "Klimaexperten" diesen Gefallen nicht tun! Nein, die Abweichung von der "Norm", die stetige Veränderlichkeit des Wetters ist normal. Es ist Ausdruck naturferner Hybris zu meinen, der Natur einen "Klimawert" vorgeben und dann unter "Klimaschutz" stellen zu können.

Wenn der Mensch wirklich zu 99,9 Prozent das Klima verändern könnte, dann müßte er, so die ganz logische Schlußfolgerung, mit gleich großem Prozentsatz von 99,9 Prozent das Wetter beeinflussen und verändern können. Ein Mittelwert richtet sich immer nach den Anfangswerten und nie umgekehrt. Warum ist diese 1973 eingetretene Wandlung erst jetzt, mit 27 Jahren Verspätung, ans Tageslicht gekommen? War 1995 die Statistik noch nicht fähig, dies herauszubekommen? Was wäre der Menschheit alles an Leid erspart geblieben. Die Orkane "Wiebke" (1990) und "Lothar" (1999), diese angeblich eindeutigen Signale für die Klimakatastrophe, hätten rechtzeitig verhindert werden können.

Was könnte Professor Schönwiese mit dem 99,9-Prozent-Wissen für Geschäfte machen. Eine "Wettermacher AG" verspräche Milliardengewinne und ihren grünen Aktionären schier unendliche Wertsteigerungsraten. Wer die "Globaltemperatur" um 0,01 Grad heben kann, kann sie durch entsprechendes Drehen an der "Wetterschraube" auch um 0,01 Grad senken. Es war schon immer ein Traum des Menschen, daß das Wetter ihm gehorchen, sich seinen Bedürfnissen, Launen und Wünschen anpassen möge. Nun ist er Wirklichkeit? Nein, der Macht des Wetters sind selbst Atommächte nicht gewachsen.

Mitnichten! Der Traum vom paradiesischen "Wetter- und Klimagleichgewicht", ja vom generellen "ökologischen Gleichgewicht" ist eine realitätsblinde Utopie. Einen ähnlichen Traum hatte bereits Karl Marx geträumt, nur bezog er sich auf die "Gleichheit der Menschen". Seine Devise auf dem Weg zum sozialistischen Paradies totaler Bedürfnisbefriedigung lautete: "nur die anthropogen gestaltete Natur ist die wahre Natur"! Nichts anderes treibt die Klima- und Naturschützer wie "Greenpeace" um, die die Erde zum "Greenhouse" deklariert haben. Zur besseren Aufzucht der Pflanzen wurde das Gewächshaus geschaffen, für den Menschen dagegen das "Treibhaus" erfunden. Als geschickte Ideologen und Demagogen haben "Umweltexperten" das Klima als Herrschaftsinstrument ausgesucht, weil sich kein Mensch, selbst kein Klimatologe, konkret etwas unter dem "mittleren Wettergeschehen" vorstellen kann. Beim Klima hat die Phantasie "freie Fahrt"! Doch eines ist absolut sicher, auch das Klima gehorcht dem Wetter! Es ist die "Macht des Himmels".

Meteorologie, ohne Wetter verlöre sie ihren Sinn. Das Klima verhält sich wie die "gleitenden Durchschnitte" bei der Aktienanalyse. Es folgt als 10957-Tages-Mittel gedämpft dem Wetter-Wert, doch dieser ist in seinen täglichen Schwankungen völlig autonom. Wir Menschen sind nur Herr über die Statistik, aber nicht über das Wetter. Es war – zur Erinnerung – ungewollt "Der Spiegel", der die Fakten am 5. Juni 2000 auf den Punkt brachte und auf der Titelseite festhielt "Wetter: die Macht des Himmels"! Dieser "Macht des Himmels" müssen wir Kreaturen uns beugen, ob wir wollen oder nicht.

(Dipl.-Met. Dr. phil. Wolfgang Thüne ist Autor des Buches: "Der Treibhaus-Schwindel", Saarbrücken 1998 (3/9803786/6/9).