28.10.2021

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05.08.00 Besichtigung des Gerdauener Kirchturms ist wieder möglich

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 05. August 2000


Gerdauen wird schöner
Besichtigung des Gerdauener Kirchturms ist wieder möglich

Gerdauen ist endlich wieder einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten – welcher Gerdauener hätte diesen stillen Wunsch nicht schon lange gehegt. Aber das Wahrzeichen der Stadt, die altehrwürdige Ordenskirche mit ihrem stattlichen Turm bot seit vielen Jahren den Heimatbesuchern und jetzigen Bewohnern das Bild eines unaufhörlichen Verfalls. Trotzdem steht die Kirche bereits seit Jahren auf der zentralen Denkmalsliste des Königsberger Gebietes und damit nach russischer Rechtsauffassung Eigentum des Staates geworden.

Die Stadt Gerdauen erhielt 1398 Kulmisches Stadtrecht verliehen und konnte 1998 ihr 600jähriges Jubiläum feiern. Zu diesem Anlaß hatte die Kreisgemeinschaft Gerdauen beim Bundesministerium des Innern einen Antrag auf Bewilligung von Fördermitteln zur Sicherung und Sanierung des Turms der Kirchenruine gestellt. 170 000 Mark stellte daraufhin das Ministerium zur Verfügung – nebst einer Eigenleistung der Heimatkreisgemeinschaft Gerdauen der LO von 10 000 Mark.

Zwar konnten die Bauarbeiten zur Jubiläumsfeier in Gerdauen nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden, diese sind aber, wie Das Ostpreußenblatt bereits berichtete, im Dezember 1998 inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden. Der Kirchturm ist damit gesichert und vor dem Verfall gerettet. Die noch recht wüste Ruine des offenen Kirchenschiffes ist ebenfalls abgesichert, Ziergitter in den Fensteröffnungen und eine aus Vierkantrohren geschweißte Eingangstür sorgen dafür, daß Unbefugte nicht mehr ins Innere des Kirchengebäudes gelangen können.

Der Schlüssel für die inzwischen wieder möglich gewordene Turmbesteigung ist beim Bürgermeister Walerij Iwkow im Rathaus am Marktplatz zu erhalten. Eine Wendeltreppe, die aus feuertechnischen Gründen aus Stahlelementen hergestellt wurde, führt hinauf bis ins Uhrengeschoß des Kirchturms. Hier sind die Schalluken so ausgeführt, daß einzelne Segmente der hölzernen Konstruktion herausgenommen werden können, so daß der Blick über Gerdauen und seine hübsche Umgebung in alle vier Himmelsrichtungen sehr gut möglich ist. Mit dem Abschluß des ersten Bauabschnittes ist die Grundlage geschaffen worden, Gemeinderäume einzurichten und vielleicht auch ein kleines Museum zu schaffen. Bleibt der Heimatkreisgemeinschaft zu wünschen, daß weitere Mittel bewilligt werden, damit die Wände des Kirchenschiffs zunächst versiegelt werden können, bevor ein Dach aufgesetzt werden kann. Denn auch diese Möglichkeit wird inzwischen diskutiert.

Ein Kuriosum bleibt noch anzumerken: Da die Dachfläche des Ziegeldachs des Turms relativ klein ist, war es nicht sinnvoll, Dachziegel aus Polen oder der Bundesrepublik einzuführen. So kaufte der Bauleiter die benötigten Dachziegel kurzerhand von den russischen Anwohnern, die alte Nebengebäude "aus deutscher Zeit" hatten oder abgetragenes Baumaterial zu Reparaturzwecken lagerten.

Russische Verhältnisse in Ostpreußen also auch hier. Doch vielleicht kann dies ein kleines bißchen mit dazu beitragen, daß es eines Tages wieder heißen kann: "Gerdauen ist schöner!"

Anita Motzkus