20.10.2021

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12.08.00 Ohne Gespür

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. August 2000


Ohne Gespür

Ist die gegenwärtige Vertriebenenpresse durch eine in den sechziger Jahren an der Leipziger Fakultät verfaßten Dissertation zu charakterisieren, wie dies die Zeitschrift der IG Medien "M" in einem Beitrag über "Die Presse der Vertriebenen" versucht? Gewiß nicht. Damals hatte ein gewisser Heinz Halbach in Leipzig geschrieben, so führt "M" aus, die Vertriebenenpresse falle durch "ihre stupide Eintönigkeit des Inhalts" in besonderer Weise auf. Wie auch immer berechtigte journalistische Kritik über unsere Presse aussehen mag, sich auf den Fundus bolschewistischer Medien zu berufen, zeugt von besonderer Infamie oder von betrüblichem Mangel an Geist. Hinterlassen die mindestens 60 Millionen Opfer kommunistischer Herrschaft so wenig Gespür für den Gebrauch von Zitaten?

Es ist leider wahr, die Urteile über die Vertreibung gehen unter dem gezielten Einfluß politischer Kreise immer weiter ins Verworrene und Unbestimmte. Sich aber über die weit mehr als zwei Millionen Todesopfer der bisher größten Vertreibungsaktion der Menschheit hinwegzusetzen, schafft ein scharf konturiertes Abbild unserer politischen Verfaßtheit. Es vermag dem Verfasser solcher Berichte vielleicht eine gewisse Genugtuung verschaffen, weil die Retourkutsche nicht über eine große meinungsbildende Zeitung oder einen mächtigen Fernsehsender erfolgen kann. Bekanntlich gelten die großen Schlagzeilen gegenwärtig ganz anderen Themen. Aber es scheint auch nicht ausgeschlossen zu sein, schaut man nur auf die unverhofft gekommene Vereinigung mit Mitteldeutschland, daß Zeit und Klio auch andere unvermutete Wendungen aufweisen könnten.

Zum anderen widerspricht sich der Autor des Beitrages, ein gewisser Samuel Salzborn, selbst, wenn er mit dem Zitat aus kommunistischer Zeit den inhaltlichen Wandel und die damit verbundene steigende Auflage unserer Wochenzeitung registriert. Mit jedem Beitrag, sei er nun politischer oder historischer Art, den die übrige Presse ausspart oder unzeitgemäß verbiegt, wächst unsere Leserschaft. Dieser schlichten Dialektik und nicht etwa einer "völkischen Droge" folgend, nehmen wir solche Verrisse mit Gelassenheit zur Kenntnis. Auch wenn es uns gewiß lieber wäre, die wirkungsmächtigen überregionalen Medien würden uneingeschränkt die Themen der Zeit und ihrer Erfordernisse ventilieren. P. F.