20.10.2021

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12.08.00 Verschmäht die WestLB Fisch?

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. August 2000


Verschmäht die WestLB Fisch?
Fakten und Kuriositäten aus Wien und München

Bayerische HypoVereinsbank (HVB) und Bank Austria (BA) wollen fusionieren, wodurch der europaweit drittgrößte und weltweit fünftgrößte Bankkonzern entsteht. Das Vertragspaket ist eine Art Zwitter aus Adoption und morganatischer Ehe: Konkret wird die BA eine Tochter der HVB, und die BA-Aktionäre sollen im Verhältnis 1:1 HVB-Aktien kriegen, - da diese um ein Drittel höher notierten, anscheinend ein gutes Geschäft.

Ebenso läßt die vorgesehene personelle Verschränkung von Vorstand und Aufsichtsrat der beiden Institute die Österreicher recht gut aussehen. Strategisch sinnvoll ist, daß die BA von der HVB deren Agenten in Osteuropa (außer Rußland) erhält, womit sie dort ihre Rolle als Platzhirsch weiter ausbaut, während die HVB das übrige Auslandsgeschäft vereinigt.

Auch der Zeitpunkt paßt: Die auf stammesmäßiger Gemeinsamkeit der meisten Österreicher und Bayern beruhende wechselseitige Sympathie ist wegen Bayerns Vorreiterrolle gegen die EU-Sanktionen derzeit besonders hoch, und wenn einer schon "seine" größte Bank ans Ausland verscherbelt sehen muß, dann wohl lieber an "die Bayern" als etwa an WestLB oder gar - naja.

Mittlerweile erwachen aber die Kleinaktionäre der BA (Streubesitz rund 60%): Der Aktientausch ist nämlich erst für 2001 anberaumt, und wie nicht anders zu erwarten, hat sich das Kursverhältnis seit der Ankündigung drastisch verschoben. Dazu kommt, daß die Dividenden inländischer Aktien pauschal mit 25% "endbesteuert" sind, während ausländische Dividenden, z.B. aus HVB-Aktien, zum vollem Satz der Einkommenssteuer unterliegen. Besonders irritiert natürlich, daß die BA-Aktien eklatant unterbewertet sind, weil eben auch das beachtliche Beteiligungs-Portefeuille der BA (u.a. 30% des weltgrößten Ziegelei-Konzerns) eklatant unterbewertet ist. Das hängt mit dem Schattendasein der Wiener Börse zusammen, und dieses wiederum damit, daß in Wien der Handel kaum über Makler läuft, sondern größtenteils als bloßer Saldenhandel über die Banken geht - allen voran wieder die BA selber...

Ganz allgemein bleiben die in unterbewerteten Anteilen und Liegenschaften steckenden "stillen Reserven" auch deswegen immer gerne so still, weil dadurch weniger Gewinn ausgeschüttet und versteuert werden muß. Die Hauptaktionäre haben ohnehin volle Verfügungsgewalt darüber (durch den von ihnen bestellten Aufsichtsrat bzw. Vorstand), aber Kleinaktionäre und Fiskus schauen durch die Finger. Bei Übernahmen wird dann meist gleich doppelt "übernommen", denn es geht ja nie bloß um die vielgerühmten Rationalisierungen und "Synergie-Effekte", sondern weit mehr noch ums brutale Ausschlachten stiller Reserven, im amerikanischen Börsen-Chargon "cannibalizing" genannt.

Lehrreich ist auch ein Blick auf die Geschichte der BA: Am Anfang gab es die

"Zentralsparkasse der Gemeinde Wien" - ohne Eigentümer, doch mit voller Haftung der Stadt. Die Sparkasse wurde 1991 in eine von Gemeinde und Betriebsrat kontrollierte Holding (AVZ) eingebracht, diese AVZ dann zum Hauptaktionär der neugeschaffenen BA gemacht, und die BA mit der ebenfalls "roten" Länderbank verschmolzen - eine klassische "Privatisierung" also. Unter der Ägide von Bundeskanzler Vranitzky kam die WestLB als "strategischer Partner" und Mitaktionär der BA hinzu. Und 1997 konnte die SPÖ ihren Koalitionspartner ÖVP endgültig übertölpeln: Die BA kaufte der Republik die kontrollierenden Anteile an der "schwarzen" Creditanstalt ab! Das Geld dafür kam von - ja von wem eigentlich? Irgendwann sickerte durch, daß die WestLB auch ein Vorkaufsrecht auf die BA-Aktien der AVZ besitzt.

Damit nun dieses rote Imperium nach den drohenden Gemeinderatswahlen nicht etwa in die Hände der FPÖ gerät, wird die AVZ demnächst in eine Stiftung mit (verläßlichen) Kuratoren eingebracht, und der Aktientausch mit der HVB verhindert, daß eine nichtsozialistische Stadtregierung durch Verkauf von BA-Aktien das Budget aufbessern könnte! Zugleich aber macht dieser Aktientausch die Gemeinde Wien (via AVZ bzw. Stiftung) zum zweitgrößten HVB-Aktionär, und auch die roten BA-Aktionäre WestLB und Wiener Städtische Versicherung werden zu HVB-Miteigentümern! Daß obendrein der Betriebsrat der BA ein paar "goldene" Namensaktien behält, läuft auf ein Vetorecht bei bestimmten Transaktionen hinaus!

Man mag sich nun fragen, warum die HVB ein Konstrukt akzeptiert, bei welchem de facto die SPÖ mitmischen kann. Und warum die WestLB trotz ihres Vorkaufsrechts auf den fetten Fisch BA verzichtet. Und warum die BA samt Konzernbetrieben bisher eher glimpflich davongekommen ist bei all jenen Aktionismen, die sich auf das bei New York Anwälten so beliebte Rechtsmittel der Sammelerpressung stützen. - Man wagt es ja kaum zu denken, aber sollte der wahre Strippenzieher bei allen drei Geldinstituten ohnehin ein und derselbe sein?

R. G. Kerschhofer