28.10.2021

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12.08.00 Wiedersehen unter Freunden

© Das Ostpreußenblatt  / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 12. August 2000


Wiedersehen unter Freunden
Delegation des Landkreises Osnabrück besuchte die Allensteiner Partnerregion

Seit Mai 1999 besteht die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Osnabrück und dem neuen Landkreis Allenstein. Die Aktivitäten des Landkreises Osnabrück gehen auf die freundschaftlichen Beziehungen zur Kreisgemeinschaft Allenstein-Land e.V. zurück, mit der der Landkreis Osnabrück seit 50 Jahren eine gefestigte Patenschaft unterhält. Der Initiative und dem persönlichen Einsatz von Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land ist es zu verdanken, daß die bilateralen Beziehungen des Landkreises Osnabrück ergriffen wurden und in vielfältiger Weise weiter ausgebaut werden.

Im Herbst vergangenen Jahres waren Politiker und die Verwaltungsspitze des Landkreises Allenstein unter Führung des Landrates Adam Sierzputowski nach Osnabrück gekommen, um das Osnabrücker Land kennenzulernen. In einer gemeinsamen Kreistagssitzung im Kreishaus wurde von beiden Seiten der Gedanke des vereinten Europas betont und die Bereitschaft für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene bekräftigt. Diese Ziele wollen beide Landkreise durch Zusammenarbeit auf den folgenden Gebieten umsetzen: Förderung und Weiterentwicklung der öffentlichen Verwaltung, Förderung des Austausches und Verständigung der Jugend, Aufbau und Entwicklung des gegenseitigen Sportleraustausches, Vertiefung der gegenseitigen Kenntnisse über Kultur und Tradition, Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den in den beiden Landkreisen ansässigen Unternehmen.

Ferner unterstützt der Landkreis Osnabrück das Entstehen von partnerschaftlichen Kontakten zwischen den kreisangehörigen Städten und Gemeinden des Landkreises Osnabrück und denen des Kreises Allenstein. Mit dem Patenkreis Osnabrück besteht ein uneingeschränktes Einvernehmen, daß die Kreisgemeinschaft Allenstein-Land bei der Erörterung und Festlegung konkreter Maßnahmen in den vorgenannten Tätigkeitsbereichen und auch gerade im Hinblick auf die Einbeziehung der deutschen Volksgruppe im Landkreis Allenstein eingebunden wird. In den vergangenen Monaten wurden bei zahlreichen Besuchen kleinerer Gruppen Kontakte geknüpft.

Jetzt folgte der Landkreis Osnabrück einer Einladung des Landkreises Allenstein durch den Landrat Adam Sierzputowski. Unter Führung des Landrates Hugo machten sich 19 Kreistagsabgeordnete, 16 Bürgermeister, Gemeindedirektoren von Städten, Gemeinden bzw. Samtgemeinden, acht Mitarbeiter der Kreisverwaltung und drei Unternehmensvertreter auf die fünftägige Reise, um den Landkreis Allenstein in Ostpreußen persönlich kennenzulernen. Gerne folgten die Vertreter der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land, der Kreisvertreter Leo Michalski, sein Vertreter Kanonikus Pfarrer Johannes Gehrmann und der Vorsitzende des Kreistages Allenstein-Land, Adalbert Graf, der Einladung, um die Besucherdelegation in ihre Heimat zu begleiten.

"Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern die neuen Wege im neuen Europa auch gehen", unterstrich der Allensteiner Landrat Adam Sierzputowski dann abends beim offiziellen Empfang im Allensteiner Schloß, in dem vor 500 Jahren Nicolaus Copernicus gelebt, gearbeitet und geforscht hat. Landrat Sierzputowski wies auf die Leistungen des neuen Landkreises hin, unterließ es aber nicht, auf die allgemeine Strukturkrise und die hohe Arbeitslosigkeit zu verweisen, so daß noch ein großer Nachholbedarf vorhanden sei. Der Besuch möge das Land, seine Geschichte und die Menschen den Gästen näherbringen, hoffte der polnische Landrat. Besonders die junge Generation sollte die Chancen nutzen, einander kennenzulernen und vernünftig miteinander umzugehen, ergänzte Landrat Manfred Hugo.

Als einen neuen Punkt deutsch-polnischer Zusammenarbeit bezeichnete Landrat Hugo die Möglichkeit des Ausbaues des im Süden des Landkreises nahe der Ortschaft Grieslienen gelegenen ehemaligen Militärflugplatzes. Die mitgereisten Fachleute Theodor Funhoff und Architekt Friedrich Horstmann, beide selbst passionierte Luftsportler, hatten Pläne mitgebracht, wie mit geringem Aufwand der Grundstock für einen Regionalflugplatz für den Raum Allenstein bei guter Verkehrsanbindung zu schaffen sei. Allenstein selbst ist im Besitz eines Flugplatzes mit einer Graspiste; doch ein sich anbietender Ausbau wird von der Stadtplanung nicht akzeptiert.

Bei einer gemeinsamen Kreistagssitzung zog der Präsident des Kreistages Allenstein, Stanislav Niepsy, ein Resümee der bisherigen Partnerschaftsaktivitäten – von Kontakten der Jugend, Berufsschulen, Feuerwehren und Lehrern bis zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Der Präsident hob besonders den Nutzen des Erfahrungsaustausches hervor. Oberstes Ziel der Kooperation sei die Vertiefung der Zusammenarbeit der Regionen für ein vereintes Europa, unterstrich Landrat Manfred Hugo, der sich beeindruckt zeigte von der herzlichen Gastfreundschaft. Daß Völkerverständigung kein leeres Wort ist, zeigte der Landkreis Osnabrück bei der Übergabe der Fahrzeuge und Geräte des Kreisbauhofes an den Landkreis Allenstein. Angesichts der Unimogs mit Seitenmäher, Schneepflug oder Streuer und weiteren kleinen Transportern glänzten die Augen der Empfänger dieser Gastgeschenke, und Landrat Adam Sierzputowski meinte, gute Freunde erkenne man in der Not. Bei den Geräten zur Pflege der Wege und Straßen sei der Landkreis Allenstein wirklich in Not gewesen. Als einziges Schneeräumgerät für den gesamten Landkreis stand in der Bauhofhalle eine Schneefräse, wegen defekten Getriebes allerdings nicht einsatzfähig. Der Antriebswagen ist "Marke Eigenbau" – mit einem Motor eines deutschen Tiger-Panzers aus dem Zweiten Weltkrieg.

So knüpfte und vertiefte die Osnabrücker Delegation bei ihrem Besuch zahlreiche Kontakte mit den Bürgermeistern und Gemeindevertretern der Großgemeinden des Landkreises Allenstein. Neben diesen Gesprächen stand auch ein Besuch beim dortigen Erzbischof Dr. Edmund Piszecz auf dem Programm. Der Erzbischof von Allenstein empfing Landrat Hugo und einige Damen und Herren der Delegation zu einem ersten Meinungsaustausch. Landrat Hugo regte spontan eine Kontaktaufnahme auf Bistumsebene an, die Dr. Piszcz dankbar aufnahm mit dem Vorsatz, alsbald den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zu besuchen.

Einen wichtigen Stellenwert nahm der Besuch des Landrates Manfred Hugo und seines Stellvertreters Manfred Bolte bei der Allensteiner Gesellschaft der Deutschen ein. Begleitet wurden sie vom polnischen Landrat Adam Sierzputowski und dessen Sekretär Andrzej Szeniawski. In Abwesenheit des 1. Vorsitzenden der AGDM, Hans Biernatowski, wurden die Gäste von der stellvertretenden Vorsitzenden Renate Barczewski in dem Versammlungsraum herzlich begrüßt. Sie gab ihren Gästen zunächst eine umfassende Schilderung über die Aufgabenstellung, Größenordnung und Zusammensetzung der AGDM und berichtete dann über die umfangreiche Hilfstätigkeit für die heimatverbliebenen Landsleute, insbesondere der in Not geratenen Senioren und kinderreichen Familien, deren Anzahl permanent steige. In der Kleiderkammer und der Apotheke, welche ständig durch Spenden aus der Bundesrepublik Deutschland aufgefüllt werden, findet dieser Personenkreis eine kostenlose Unterstützung.

Einen bedeutenden Anteil stellt auch die vielfältige Kulturarbeit dar. So hat die Gesellschaft Chor, Tanz-, Flöten- und Kindergartengruppen und unterhält auch eine Bibliothek mit 2000 Büchern. Im Rahmen dieser Kulturarbeit organisiert die Gesellschaft Lesungen, Autorenabende, Ausstellungen, Konzerte und Heimatabende. Einen wichtigen Beitrag zur Pflege und zum Erlernen der deutschen Sprache leistet die Gesellschaft durch das Angebot von Sprachkursen für Kinder und Erwachsene. Dank der Unterstützung durch westdeutsche Freunde ist es möglich, jedes Jahr eine mehrwöchige Kinderfreizeit mit Deutschunterricht zu organisieren. Alle diese Veranstaltungen werden größtenteils in angemieteten Räumen und oft dezentral angeboten, was zwangsläufig sehr aufwendig ist.

Mit dem Ziel, diese Aktivitäten zu bündeln, konnte die AGDM im Jahre 1996 aufgrund der finanziellen Unterstützung durch die Stadtgemeinschaft Allenstein, die Kreisgemeinschaft Allenstein-Land und die Landsmannschaft Ostpreußen das ehemalige Finanzamt an der Bahnhofstraße käuflich erwerben. Mit dem Namen "Haus Kopernikus" soll es ein Ort deutsch-polnischer Begegnung werden; eine Brücke von Land zu Land, von der Vergangenheit in die Zukunft.

Es folgte eine Zeit, so berichtete Renate Barczewski, langwieriger und aufreibender Vorarbeiten, zumal das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Nachdem die Anfinanzierung durch die deutsch-polnische Stiftung in Warschau sichergestellt war, konnte mit der umfangreichen Sanierung von den Kellerräumen bis zum Dachfirst begonnen werden. Die Renovierungsarbeiten werden mit Nachdruck von der AGDM betrieben, so daß dieses "Haus Kopernikus" seiner völkerverbindenden Funktion alsbald übergeben werden kann. Landrat Manfred Hugo, sein Stellvertreter Manfred Bolte und einige Delegationsteilnehmer überzeugten sich am nächsten Tag auf der Baustelle vom Fortgang der Arbeiten und waren sehr beeindruckt vom Umfang dieser Sanierungsmaßnahme.

Auf dem Reiseprogramm standen neben vielen Gesprächen natürlich auch Besichtigungen vieler bedeutender Kulturdenkmäler und Gedenkstätten im Ermland und in Masuren. So wurde u. a. der Oberländische Kanal mit einer Schiffsfahrt von Osterode aus in Richtung Elbing, die Wolfsschanze nahe Rastenburg und ein Erholungszentrum am Lansker See besichtigt. In Heiligelinde wurde Halt gemacht, um die herrliche Orgel zu bestaunen und einem anschließendem Orgelkonzert zu lauschen. Die Rundreise endete in Dietrichswalde mit dem Besuch der Wallfahrtskirche, in welcher Kanonikus Johannes Gehrmann eine Messe für die Reisegesellschaft zelebrierte. Außerdem wurden der Osnabrücker Delegation Einblicke in Grund- und Berufsschulen geboten sowie ein Kinderheim und ein Heim für geistig Behinderte besichtigt.

Der Partnerschaftsbeauftragte des Landkreises Osnabrück, Karl-Heinz Finkemeyer, hatte in Abstimmung mit dem polnischen Landrat ein abwechslungsreiches Reiseprogramm aufgestellt, welches die Reiseteilnehmer mit einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten deutschen Kulturgutes bekannt machte, gleichzeitig ihnen die Menschen, ihre Gastfreundschaft und die unvergeßliche Seenlandschaft näherbrachte. Alle diese Eindrücke sind Grundstock für den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den beiden Landkreisen Osnabrück und Allenstein; zum Wohle aller Menschen im Raume Allenstein. A. G.